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	<title>Kommentare zu: Tchibo IV: Kreml-Syndrom</title>
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		<title>Von: John Dean</title>
		<link>https://www.kirstenbrodde.de/?p=49#comment-273</link>
		<dc:creator><![CDATA[John Dean]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 28 Jun 2008 00:02:15 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Warum die Geheimniskrämerei?

Ich denke, dafür gibt es mehrere Gründe, vornehmlich ökonomischer Natur.

1. Kein leistungsfähiger Händler gibt gerne seine Bezugsquellen oder Fabriken an. Schließlich möchte man weder Konkurrenten, welche mit diesen Kenntnissen die erfolgreichen Produkte einfach kopieren, noch möchte man, dass die Konkurrenten auf billige Bezugsquellen aufmerksam gemacht werden. Als grobe Regel: In einem guten Einkauf liegt in einem Handelsgeschäft bereits der halbe Gewinn. Dazu gehört allerdings auch, dass man sich als Firma mit guten Bezugsquellen einen Vorsprung sichert.

2. Es ist natürlich auch eine Frage der Öffentlichkeitswirkung. Kein Ausbeuterbetrieb bzw. eines von brutaler Ausbeutung profitierender Textilhändler schätzt es, wenn z.B. die neugierige internationale Presse (oder, auch schlimm: ein frecher Blogger auf Reisen) echte und vertiefte Kenntnisse über die Produktionsbedingungen erhält.

Schweigen ist Gold bwz.: Transparenz zerstört die Geschätsgrundlage und den auf Ignoranz beruhenden Freibrief für derlei Tun.

3. Es ist vom Informationshandling nicht so ganz einfach. Ein großer Textilhändler kann auch mal kurzfristig gezwungen sein, seine Chargen zu mischen, oder dazu, ganz unvorhergesehen eine neue Bezugsquelle zu nutzen. Wenn daraufhin gleich die ganze Unternehmenskommunikation, d.h. die Hinweise für die Kunden und/oder die Werbung umgestellt werden muss, dann ist das ein Desaster, jedenfalls: organisatorisch und finanziell aufwändig.

Also lieber garnichts sagen, jedenfalls, solange man damit als Firma 
durchkommt.

4. Es ist bislang auch noch nicht ein &quot;so großes Thema&quot; bzw. steht noch nicht so sehr im Fokus des öffentlichen Interesses. Ich würde Wetten darauf abschließen, dass eine Firma wie Tchibo durchaus (!) Interesse daran hat, dass man die ärgsten Ausbeuterpraktiken im weltweiten Warenhandel &lt;i&gt;nicht&lt;/i&gt; unterstützt.

Nur benötigt man dafür - so ist das in der Hektik des Gechäfts mitunter - auch mal den einen oder anderne freundschaftlichen Hinweis und/oder Knuff.

Anders gesagt: Ohne kompetente Kritik geht es nicht. Firmen profitieren dabei durchaus von Anstößen aus der Gesellschaft. Und nur in den seltensten Fällen werden Firman von asozialen Arschlöchern oder rechtslibertären Kinderarbeitbeschönigern geleitet.

Im Grunde genommen wissen gute Kaufleute und weiß man allgemein in den besseren Firmen: Gewisse soziale Mindeststandards sind im weltweiten Warenhandel notwendig.

Es gibt viel zu tun!

P.S.

Vielen Dank für die couragierte Aktion!]]></description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Warum die Geheimniskrämerei?</p>
<p>Ich denke, dafür gibt es mehrere Gründe, vornehmlich ökonomischer Natur.</p>
<p>1. Kein leistungsfähiger Händler gibt gerne seine Bezugsquellen oder Fabriken an. Schließlich möchte man weder Konkurrenten, welche mit diesen Kenntnissen die erfolgreichen Produkte einfach kopieren, noch möchte man, dass die Konkurrenten auf billige Bezugsquellen aufmerksam gemacht werden. Als grobe Regel: In einem guten Einkauf liegt in einem Handelsgeschäft bereits der halbe Gewinn. Dazu gehört allerdings auch, dass man sich als Firma mit guten Bezugsquellen einen Vorsprung sichert.</p>
<p>2. Es ist natürlich auch eine Frage der Öffentlichkeitswirkung. Kein Ausbeuterbetrieb bzw. eines von brutaler Ausbeutung profitierender Textilhändler schätzt es, wenn z.B. die neugierige internationale Presse (oder, auch schlimm: ein frecher Blogger auf Reisen) echte und vertiefte Kenntnisse über die Produktionsbedingungen erhält.</p>
<p>Schweigen ist Gold bwz.: Transparenz zerstört die Geschätsgrundlage und den auf Ignoranz beruhenden Freibrief für derlei Tun.</p>
<p>3. Es ist vom Informationshandling nicht so ganz einfach. Ein großer Textilhändler kann auch mal kurzfristig gezwungen sein, seine Chargen zu mischen, oder dazu, ganz unvorhergesehen eine neue Bezugsquelle zu nutzen. Wenn daraufhin gleich die ganze Unternehmenskommunikation, d.h. die Hinweise für die Kunden und/oder die Werbung umgestellt werden muss, dann ist das ein Desaster, jedenfalls: organisatorisch und finanziell aufwändig.</p>
<p>Also lieber garnichts sagen, jedenfalls, solange man damit als Firma<br />
durchkommt.</p>
<p>4. Es ist bislang auch noch nicht ein &#8222;so großes Thema&#8220; bzw. steht noch nicht so sehr im Fokus des öffentlichen Interesses. Ich würde Wetten darauf abschließen, dass eine Firma wie Tchibo durchaus (!) Interesse daran hat, dass man die ärgsten Ausbeuterpraktiken im weltweiten Warenhandel <i>nicht</i> unterstützt.</p>
<p>Nur benötigt man dafür &#8211; so ist das in der Hektik des Gechäfts mitunter &#8211; auch mal den einen oder anderne freundschaftlichen Hinweis und/oder Knuff.</p>
<p>Anders gesagt: Ohne kompetente Kritik geht es nicht. Firmen profitieren dabei durchaus von Anstößen aus der Gesellschaft. Und nur in den seltensten Fällen werden Firman von asozialen Arschlöchern oder rechtslibertären Kinderarbeitbeschönigern geleitet.</p>
<p>Im Grunde genommen wissen gute Kaufleute und weiß man allgemein in den besseren Firmen: Gewisse soziale Mindeststandards sind im weltweiten Warenhandel notwendig.</p>
<p>Es gibt viel zu tun!</p>
<p>P.S.</p>
<p>Vielen Dank für die couragierte Aktion!</p>
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