Archiv für April 2009

Tauscht euch aus!

Donnerstag, 30. April 2009

Anziehen, ausziehen und vielleicht was tauschen - Freiburg veranstaltet am 22. Mai die erste, große Klamottentauschparty in einem Musikclub. Die Betonung liegt auf Party, Klamottentausch hat aber einen viel handfesteren Ansatz: Es geht darum, die Garderobe aufzufrischen, ohne dafür Geld auszugeben. Und ökologisch ist es obendrein, weil Müll vermieden wird.

Eine britische Wohltätigkeitsorganisation schätzt, dass die Briten jedes Jahr 900 Milliarden Kleidungsstücke wegschmeißen. Das wird bei uns nicht anders sein. Warum nicht einen Teil davon tauschen?

Und so wird es sein: Um 21 Uhr trudeln die ersten Besucher im Klub Kamikaze ein, von denen jeder vier Euro Eintritt zahlt. Eins ihrer mitgebrachten Teile - die Leopardenhose oder die rosa Reizunterwäsche - wird wegen seiner besonderen Geschichte auf einen Kleiderständer gehängt, der Rest der Mitbringsel landet in der pasenden Kiste: Jacke zu Jacke, Hose zu Hose. Um 22.30 Uhr geht es los. Erlaubt ist, unverschämt zu sein und mehr zu nehmen, als mitgebracht wurde. Was übrig bleibt, geht später in den Umsonstladen in Freiburg. (more…)

Plastic fantastic

Sonntag, 26. April 2009

Letzte Woche konnte ich nicht widerstehen. In meinem Kopf waren die fünf großen journalistischen “W”: Wer, Was, Wann, Wo, Warum? plötzlich mutiert zu “Wow!”, “Wumm”, “Wahnsinn”, “Warum nicht?” und “Was soll´s!”, als es ums Schuhe kaufen ging. Schuhe mit Absätzen hatte ich bisher nicht und bevor mir wieder jemand ein Podest im Fernsehen hinstellt, damit ich nicht so klein bin, mussten jetzt diese Wolkenkratzer her.

Im Hamburger Showroom von L`Anima Fashion, die auch die britische Schuhmarke Beyond Skin vertreten, standen Schuhe aufgereiht wie Preziosen und ich trage jetzt dieselbe Marke wie US-Schauspielerin Natalie Portman auf der Verleihung der Golden Globes. Das muss mir den Sinn vernebelt haben und als mein Denken geradegerückt war, habe ich auf meine Plastik-Schuhe gestarrt und meditiert. Nicht, weil ich hier manchmal wie der Philosoph Diogenes von Sinope Bedürfnislosigkeit predige, sondern weil mein Öko-Gewissen mich plagt. Die Schuhe sind vegan, aber sind sie öko? (more…)

Schlüsselerlebnis

Dienstag, 21. April 2009

Blind für die Zeichen der Zeit wirbt Verona Pooth seit neuestem für den Textildiscounter „kik“. Für zwei Jahre wird sie das Aushängeschild einer Modekette, die sowohl die Menschen in ihren Fabriken in Fernost als auch ihre Verkäuferinnen den Buckel krumm machen lassen, damit in den Läden billigste Kleidung hängen kann. Das sind gravierende Mankos, die Kik nicht kommentiert und Verona schönreden wird.Auch Berlin wird Anfang Juli wieder Schauplatz für diese Scheinwelt. Ob die Bread&Butter, die Berlin Fashion Week oder die Premium – alle drei Messen leisten Schützenhilfe, trotz XS-großen Alibis wie einem „trendlab“ (Berliner Modewoche) oder einer „Green Area“ (Premium).

theKEY.to

Kunden und Einkäufer, die das nicht mehr kritiklos schlucken wollen, verspreche ich zur selben Zeit ein Schlüsselerlebnis.

Buchstäblich. „The Key“ ist die neue internationale Messe für grüne Mode und Lifestyle, die bis zu 100 Labels Platz bietet, ihre grünen und gerechten Konzepte zu präsentieren. „Vibrant mix“ nennen die Macher Frans Prins (grass routes foundation) und Gereon Pilz van der Grinten (fairactivities) das, was uns - Aufgeschlossene - erwartet.

Mehr noch: Parallel eröffnet der „Green Showroom“ für den „Hochadel“ der Fair Fashion im Hotel Adlon. 15 bis 20 Labels werden in sechs Deluxe-Zimmern des Berliner 5-Sterne-Hauses präsentiert – auf Kleiderständern in lichtdurchfluteten Zimmern und in weit geöffneten Schränken. Eine Vernissage eröffnet die vier Tage des Showrooms und zeigt das kreative Potential der Mode, die schon lange keine Tristesse mehr versprüht. Zwei Designerinnen bürgen für den ökologischen Anspruch: Jana Keller von Royalblush aus der Schweiz und Magdalena Schaffrin aus Berlin. Hört sich hermetisch und nach Boheme an? Am letzten der vier Tage gibt einen „public day“ für alle Berliner, die allerdings mehr auf Alltagstaugliches stehen.

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Aus der Haut schlüpfen

Montag, 20. April 2009

Der Wunsch nach Veränderung hat Daniel Schramm getrieben. Seinen Job bei Sony Music war er los und auf der Suche nach was Neuem. Und so kam er auf die T-Shirts und was er vorher auf die Platten gepresst hatte, landete nun auf der Kleidung: Kunst. “Die Shirts sind eine Leinwand für die Künstler”, sagt Daniel, der mit Streetart-Künstlern arbeitet. Und weil die keine Massenware wollen, werden nur Kleinserien gemacht. Die Auflage sollte auf maximal 500 Stück begrenzt sein - daher der Label-Name 500godz.

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Nadelneues Kleid

Freitag, 17. April 2009

Genauso habe ich mir das vorgestellt. Ganz am Ende eines Tages in meinem Schreibbüro, wo ich den Stunde um Stunde im Internet gesurft bin auf der Suche nach INPUT, stolpere ich leichenblass auf die Straße und finde eine Geschichte.

Ich residiere nämlich schräg über Altonas Kilo-Shop, einem Secondhand-Laden, den das Deutsche Rote Kreuz führt. Nomen est omen: Bezahlt wird dort, was die Kleidung auf die Waage bringt. Gab aber auch was Niegel-Nagel-Neues. (more…)

Der kleine Jobberater

Donnerstag, 16. April 2009

http://www.bmvbs.de/Bild/original_916179/Fahrraeder-in-Muenster.jpg

Ihr sucht einen Job in der Öko-Hauptstadt Deutschlands? Münster ist nicht nur ein Mekka für Fahrradfahrer, dort residiert auch die Christliche Initiative Romero (CI Romero), einer der bekannten und renommierten Träger der Kampagne für Saubere Kleidung. Aktuelles Highlight: das Engagement gegen die fünf Supermarktgiganten Aldi, Lidl, Carrefour, Walmart und Tesco, die schamlos die Preise drücken, ohne an die Folgen für die Fabrikarbeiterinnen zu denken, die über 80 Stunden die Woche für einen Hungerlohn schuften. CI Romero ist auch Mitbegründer des Transfair-Siegels. Sie suchen jemanden, der für sie Fulltime Presse- und Öffentlichkeitsarbeit macht und der Job ist auch noch fair bezahlt. Ein Prachtbau ist ihr Büro nicht, aber dennoch eine gute Adresse, wie ich finde.

Das A bis Z der Ökomode: G

Mittwoch, 15. April 2009

http://www.iprt.iastate.edu/assets/images/shirts_ingeo_4151.jpg

Sicher habt ihr euch schon den ganzen Tag gefragt, ob in eurer Kleidung auch Gentechnik steckt. Jetzt, wo Verbraucherministerin Ilse Aigner den Anbau von Genmais in Deutschland verboten hat, weil die Sorte eine Gefahr für die Umwelt darstellt. Zeit für Teil eins des kleinen A bis Z der Ökomode. (more…)

Wildes Meinen

Mittwoch, 08. April 2009

Man soll ja seinen Lesern reinen Wein einschenken. Reden wir vielleicht zuviel über das Thema grüne Mode und schaffen es trotzdem nicht, uns umzuziehen? Wann habt ihr zuletzt Fair Fashion gekauft? Sind alte Gewohnheiten vielleicht doch stärker als ich wahrhaben will?

Oh je, werdet ihr denken. Bloggerin hat vor-österliche Krise und braucht dringend Schokolade. Stimmt. Ich bekomme schon Mails von Freunden, die behaupten: SCHATZ, jetzt hast du mir die Laune verdorben. Wird es noch schlimmer?

Im Kern geht es um eine Erfahrung, die ich beim Tingeln durch die Medien gemacht habe. Wie diese Woche beim Radiosender N-Joy, einem Ableger des Norddeutschen Rundfunks. Isa und Jonas, die beiden Moderatoren der Nachmittagsshow, hängten flott meinen hellen Trenchcoat aus Biobaumwolle auf und erkundigten sich nach meiner Jeans und worauf man so achten solle. Alles für die Hörer.

Selber hatten sie kein einziges Öko-Leibchen im Schrank. (more…)

Rezessionista Rick Owens

Freitag, 03. April 2009

http://nymag.com/images/2/daily/fashion/08/04/23_rickowens_lg.jpgEr hasst Political Correctness und hält den aktuellen Trend seiner Branche, ökologisches Denken und ethisches Bewusstsein zu fördern, für “scheinheilig”: “Wir machen Kleidung, die sehr teuer ist und die niemand braucht. Wie in aller Welt soll man das ökologisch rechtfertigen können?”.

Rick Owens, amerikanischer Modedesigner und immer gut für zornige Kommentare, wird also sicherlich nicht auf Grün umschwenken, zumal er nichts mehr liebt als Pelze (über schwarzen Tanktops).

Aber trotzdem liegt Herr Owens ganz im Trend. Geradezu inflationär überhauft uns seine Zunft mit Tipps, wie wir uns in Zeiten knapper Kassen kleiden sollen. (more…)

Jacke wie Hose

Mittwoch, 01. April 2009

Hamburg, meine Heimatstadt, der ich gelegentlich gern huldige, holt in Sachen Green Fashion gerade gewaltig auf. AnSTändig benehmen tun wir uns ja schon lange (nein, wir sind nicht spießig!), aber einzig das Duo von Fairliebt kleidet uns bisher ökologisch und ethisch korrekt ein. Leider gab es bislang nur Shirts. Die Vormacht des schnöden T-Shirts in der grünen Modebranche habe ich ja schon öfters beklagt, aber jetzt ist Licht am Horizont.

Fairliebt macht seit neuestem auch Fashion und füllt den ganzen Kleiderschrank. Mir gefallen der mädchenhafte Stil und die pastelligen Farben der Kleider und Röcke, die man sicher gut mit den angesagten knallbunten Strumpfhosen kombinieren kann, bis es e n d l i c h heiß genug draußen ist, um mehr Bein zu zeigen. Die Kollektion nennt sich “Tropen” - in Hamburg ist so ein Name hoffnungsfroh. Wir haben mehr Regentage als Irland - I swear.

Jedenfalls handelt Fairliebt tapfer gegen den Trend. In einer Zeit, wo alle Designer Molltöne anschlagen und einzig Konkursverwalter Konjunktur haben, gibt es eine ganze Kollektion. (more…)