Archiv für Dezember 2009

Hemden der Schöpfung

Dienstag, 22. Dezember 2009

Mann kann ja noch so abgerockt zur Weihnachtsfeier erscheinen, wenn über den ausgebeuelten Hosen und den Turnschuhen wenigstens ein frisches Hemd strahlt. Gleich sehen die Herren der Schöpfung hellwach aus und herausgeputzt. Das Modell “Tornedal” von Matthias Hebeler aus der Hemdenkollektion von “Brainshirt” (Motto: Verstand trifft Mode) ist aus Biobaumwolle und konfektioniert in Österreich und Ungarn.

Die weißen und blauen Hemden passen gut zu den arktischen Temperaturen draußen und glänzen dank Perlmuttknöpfen.  Auf eine Bügelfrei-Ausrüstung hat Brainshirt verzichtet, geht auch so dank guter Stoffqualität. Wer es ganz individuell geschneidert möchte, kann sich auch ein Hemd maßanfertigen lassen. Übrigens ohne einen Kredit aufnehmen zu müssen. Mit Herrenmode Marke Edel&Gut verabschiede ich mich in die Weihnachtspause. Seid alle gedrückt.

Vergangenes Jahr habe ich während dieser Zeit die grüne Liste erdacht. Wer auf das langangekündigte Update wartet, dem sei verraten: ich folge eurem Vorschlag ein Wiki zu erstellen, an dem die Internet-Community mitschreiben kann. Es ist im Entstehen - dank eines Computer-Experten von der Uni Dortmund. Martin, sei Dank! Ich bin also richtig faul.

Schälchen, nicht Hütchen

Donnerstag, 17. Dezember 2009

“Ja, es ist ein Schälchen”, antwortete mir Designerin Antje Julius aus Köln, der ich per Post ausgediente Kleider und Stoffreste geschickt hatte, um sie in etwas Neues verwandeln zu lassen. Ach herrje und ich dachte zunächst, es sei ein Hütchen. Aber tatsächlich ähnelt das Kunstwerk einem Schiffchen. Die Nutzung ist meiner Tochter vorbehalten, die ihre zu kurz gewordenen Jeans gespendet und den Beinkleidern so zu einer formschönen Renaissance verholfen hat.

http://zeigthereurekleider.files.wordpress.com/2009/11/schale2.jpg?w=360&h=241

Mit starken Farben glänzen die Tasche und vor allem die Kleideretiketten, die die Re-Designerin entworfen hat. Auf eines der überdimensionalen Hängerchen hat sie den Namen ihres Projektes genäht: “Zeigt her eure Kleider!”.

Sie hat sich zur Aufgabe gemacht, alten Stoffen neues Leben einzuhauchen. Bevor Altes ausrangiert wird, kann man es an Antje Julius schicken, die daraus in wenigen Tagen etwas Neues fertigt. Dabei entscheidet sie selbst, was aus dem Eingeschickten wird. Die Ergebnisse präsentiert sie auf ihrer Webseite. Da sie erst frisch am Start ist, lässt sich bisher erst Weniges bewundern - etwa die Satinsäckchen aus einem Rock oder die Schürze aus einer Tischdecke. Jüngstes Highlight sind aber zweifellos die Hamburger Teile, die das Zeug zum Lieblingsstück haben und damit ein langes Leben bei mir daheim. Die Geschichte der Jeans und der glitzernden Stoffreste, die ich dazu schrieb, lest ihr auf ihrer Seite.

Beigelegt hatte ich ihr nur das Rückporto für das Paket. Obendrein wünscht sie sich eine Spende für ihr Projekt. Jeder darf allerdings selber entscheiden, was ihm das Re-Design wert ist. Gerade denjenigen, denen die Zeit fehlt oder die Begabung, zeigt das Projekt einen Weg, wie sich liebevoll mit Altkleidern umgehen lässt. Irgendwann erobern Antjes Werke sicher einen Platz im Design-Museum, das Projekt bewegt sich eh an der Schnittstelle zur Kunst und ist nicht geeignet, um ganze Schränke auszumisten. Dazu dient dann eher eine Tauschparty oder eine Sammelstelle von Fairwertung.

Womöglich ermuntert euch meine Probe aufs Exempel, ebenfalls etwas beizusteuern? Schön wären Vorher-Nachher-Fotos auf Antjes Seite. Das prüft die Kölnerin jetzt als Idee.

Gibt was zu gewinnen

Dienstag, 15. Dezember 2009

Braucht noch jemand einen Stimmungsaufheller zum Jahresende? Dann schon mal dran denken, was sich in 2010 gewinnen lässt. Beispielsweise der Slow Fashion Award 10. “Aus Alt macht neu”, lautet die Devise der Macherinnen aus Österreich. Designer sollen den Charme gebrauchter Sachen erkennen und daraus etwas machen, was man wieder wirklich haben will.

Das Gros der Recycling-Mode heute sind Accessoires wie Taschen, Gürtel oder Mützen. So ist es auch hier gedacht. Aus afrikanischen Textilien - die die Organisatorinnen liefern - soll ein schönes Accessoire werden, was mit Basteloptik nichts gemein hat. Die Bewerbung läuft bis 10. Februar 2010. Mitmachen kann, wer in der Schweiz, Österreich oder Deutschland wohnt. Im ersten Schritt wählt eine Jury, zu der ich auch gehöre, die zehn Aspiranten aus, die sich so mit Text&Skizze so gut präsentiert haben, dass sie im zweiten Schritt nun ihr handwerkliches Können zeigen sollen. Aufs Treppchen schaffen es dann drei Labels, prämiert wird am 13. April 2010 in Wien. Bewerbungsunterlagen gibt es per Mail: award@slowfashion.at.

Ich habe über die Halbwertszeiten meiner Klamotten nachgedacht. Das kürzeste Leben haben zweifellos Strumpfhosen. Wie ist es bei Euch?

Zu holzschnittartig

Montag, 14. Dezember 2009

http://www.suedwind-institut.de/images/U1_2009-01_som_titelseite_1.jpg

Die gute Nachricht zuerst: In Sachen bio ist die kleine, grüne Modeszene weit vorne. Nur in Sachen Ethik hängen sie noch hinterher. Zu diesem Fazit kommt eine neue Studie des kirchennahen Südwind-Instituts aus Siegburg. Erstmals haben die Siegburger nicht die Goliaths der Textilindustrie unter die Lupe genommen, sondern diskutieren die Fortschritte der boomenden kleinen Konkurrenz. Von 204 angeschriebenen Labels antworteten nur 23, so dass ein verzerrtes Bild der Szene entsteht. Das Gros der Anbieter kommt also nicht vor. (more…)

Wie läuft sich´s…..

Donnerstag, 10. Dezember 2009

auf Snipes? Das wollte ich wissen und teste deshalb seit zwei Tagen den neuen Ökoschuh Ripple. Eines vorneweg: Bei allem, was ich diesen Schuhen vorwerfen kann, bin ich froh, dass sie das maue Angebot von Ökotretern bereichern. Die Schuhe lösen ein Wechselbad der Gefühle aus. Euphorie wechselt ab mit Frust. Applaus mit Schmährufen. Unterm Strich sind die Newcomer made in Valencia gut gemacht.

(more…)

Kinderarbeit - aus der Mode

Mittwoch, 09. Dezember 2009

Peter Ingwersen vom Luxusmode-Label Noir ist Schirmherr der Kampagne gegen Kinderarbeit der Welthungerhilfe. Auf der DVD “Kinderarbeit - aus der Mode! - wie ethische Mode die Armut bekämpft” sind deutsche und englische Fassungen der Filmproduktion mit Ingwersen (jeweils 6 und 45 Minuten). Die DVD ist kostenlos bei der Welthungerhilfe entleihbar und ein wunderbares Kino zum Auftakt jeder Diskussionsveranstaltung. Antje Paulsen von der Welthungerhilfe arbeitet obendrein an einer handlichen Broschüre, welche Textillabel in Sachen Kinderarbeit was leisten. Eine prima Navigationshilfe für diejenigen, denen dieses Thema besonders am Herzen liegt.

Star gesucht

Dienstag, 01. Dezember 2009

http://www.greenpeace.de/typo3temp/GB/c88c5b29e7.jpg

Nehmen wir mal an, wir wollten ein bisschen Chichi machen nächstes Jahr. Und einen Öko-Designpreis  vergeben. An Mode-Nachwuchs. Und wir würden eine Jury besetzen müssen. Und wir hätten schon rasend viel Kompetenz versammelt und suchten noch einen Hauch Glamour und einen deutschen Star, der optisch und ökologisch überzeugt. Welcher VIP-Öko fiele euch ein?

Ich werfe jetzt mal ein paar Namen ins Rennen und küre auch offenherzig meinen amtierenden Favoriten. Also: Sandra Maischberger und Axel Milberg (eigentlich zu sehr mit Utopia verbandelt), Cosma Shiva Hagen (Otto-Katalog-Gesicht und Fairtrade-Baumwollpatin), Dieter Mohr (Fernsehmoderator TTT und Biobauernhof-Besitzer), Jürgen Vogel&Co. (Armedangels-T-Shirt-Träger), Esther Schweins (leider jetzt für einen Henkel-Reiniger am Start, der wahrlich nicht bio ist).

Ihr merkt schon, ich gucke keinen Fußball (gibt es ökobewegte Kicker außer bei St. Pauli?) und bin mit Musikern nicht so bewandert. Mein Lokalmatador Jan Delay reimt zwar “Schlampe” auf “Energiesparlampe”, aber ich fürchte, das genügt nicht. Ehrlich gesagt tendiere ich zur Zeit zu Hannes Jaenicke, der jetzt im Fernsehen mit den Eisbären tanzt und den Haien taucht. Kirsten sucht Promi mit Öko-IQ, help!