Schutzschirm

Erst wenn die Not unerträglich wird, passiert etwas. Seht euch das an! Bangladesch verkauft ab sofort das lebensnotwendige Grundnahrungsmittel Reis an drei Millionen Textilarbeiter billiger - 40 Prozent unter Marktpreis. Das meldet die Nachrichtenagentur AFP direkt aus der Hauptstadt Dhaka.  Denn sie können von ihrer Arbeit nicht leben, nicht mal genug Nahrung einkaufen, sie schuften und hungern trotzdem, weil die Preise für Lebensmittel explodiert sind. Noch Fragen, was gegen billige Schnäppchen aus Textildiscountern spricht, die dort für Hungerlöhne produziert werden? Letzendlich gehen jetzt Steuergelder in Bangladesch dafür drauf, die Textilarbeiterinnen mit Reis zu versorgen. Eigentlich müssten das aber Tchibo&Co, H&M und C&A bezahlen, die dort schuften lassen und nicht ordentlich bezahlen.

Eine Antwort zu “Schutzschirm”

  1. Kirsten sagt:

    Brandaktuell und aus berufenem Munde. Das sagt Dirk Saam, Bangladesch-Experte bei NETZ zu den Reisständen in Bangladesch. Tenor: Als Brücke erstmal hilfreich, langfristig muss es daraum gehen, den Textilarbeiterinnen existenzsichernde Löhne zu zahlen, damit sie für solche Krisen gewappnet sind.

    “Es handelt sich hierbei um Open Market Sales (OMS), von der Regierung
    eingeführte Verkaufsstände (siehe unten). Bedürftige können hier zu
    subventionierten Preisen Güter der Grundbedürfnisbefriedigung (dazu
    gehört natürlich auch Reis) kaufen. Diese Stände wurden verstärkt
    während des akuten Anstiegs für Nahrungsmittel im letzen Jahr
    eingeführt.
    >
    Mittlerweile sind die Weltmarktpreise für Grundnahrungsmittel seit
    ihrem Höchsstand Mitte 2008 zwar um etwa 50% gefallen sind. Sie liegen
    aber immer nochum 28% höher als 2006. In Bangladesch ist der Rückgang zudem noch nicht so stark zu merken. Daher auch jetzt noch die mal OMS. Und da sie speziell für Textilarbeiterinnen und TeepflückerInnen eingeführt werden, zeigt wie sehr diese Gruppen trotz Fulltime-Jobs auf den Verkauf dieser subventionierten Güten angewiesen sind.
    >
    Als Mittel der sozialen Grundsicherung übergangsmäßig sicherlich zu
    begrüßen. Mittel- und langfristig sollte es aber darum gehen
    Strukturen zu schaffen, die Existenz sicherende Löhne gewährleisten,
    damit Arbeiterinnen für solche Krisen besser gewappnet sind und eben
    nicht auf Transferleistungen angewiesen sind.
    >
    Überdies stellt sich die Frage, wie die hohen Preise zustande kommen.
    Denn die steigenden Nahrungsmittel- und Rohstoffpreise auf dem
    Weltmarkt sind nicht allein verantwortlich. Vielmehr sind es mafiöse
    Strukturen in Bangladesch, durch die Preise in die Höhe getrieben
    werden. Insofern darf OMS auch kein Feigenblatt sein, sondern die neue
    Regierung muss auch dafür sorgen, dass korrupte Händler, die durch
    Spekulation und Horten von Reis die Preise künstlich in die Höhe
    treiben, zur Verantwortung gezogen werden.”
    >
    Siehe dazu ausführlicher die NETZ-Ausgabe 3/2008 “Nahrungsmittelkrise
    in Bangaldesch”, Interview mit dem Ökonomen Prof. Abul Barkat, unter: http://www.bangladesch.org

    Vielen Dank, lieber Dirk Saam.
    Kirsten

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