Die Tencel-Jägerin
Hat jemand mal ein Kleidungsstück aus Tencel in der Hand gehabt? Ein eigenartiges Gefühl. Es fühlt sich seidig weich an, fast ein wenig labberig, knistert und knittert aber nicht, wie ich es von Viskose (Kunstfaser) gewohnt bin.
Tencel, eine ökologisch optimierte Viskose, der eine große Zukunft vorhergesagt wird, wird gerade von H&M neu interpretiert und ist optisch eine lässige Alternative zu Jeans oder Jeanshemd aus konventioneller Baumwolle. Die Puffärmel an der Jeansbluse oben lassen mich zwar so aussehen, als würde ich gleich abheben, aber geschenkt. Den Praxis-Test besteht das Leibchen ohne böse Moleküle seit zwei Tagen.
Tencel ist wie Modal ein Produkt des österreichischen Herstellers Lenzing, der sich gerne als grüner Guru feiern lässt und Kongresse in Botanischen Gärten abhält. Tatsächlich kann sich die Bilanz des Viskose-Spezialisten sehen lassen.
Das Rohmaterial für Tencel ist Eukalyptus-Holz, welches nach Angaben der Firma auf Plantagen in Südafrika angebaut wird. Um die Faser spinnbar zu machen, ist ein umweltfreundliches Verfahren entwickelt worden ohne chemiegetränkte Ausfallbäder wie sonst üblich. Die Chemie, die noch nötig ist, kann zurückgewonnen werden. Dafür gab es viel Lob und auch Umweltpreise. Laut Ökobilanz einer US-Beratungsfirma, die Ulrich van Gemmeren von Made-by auf der Biofach vorstellte, schneidet Tencel ähnlich gut ab wie Biobaumwolle, besser liegen nur Recycling-Fasern.
Selbst Rolf Heimann von Hess Natur, der auf der Biofach eher puristisch für die klassischen Naturfasern plädierte und “nicht immer das Rad neu zu erfinden”, hält Tencel für einen interessanten Newcomer im Konzert der Textilfasern.
Üblicherweise wird Tencel wohl mit anderen Kunstfasern gemischt, meine neue Bluse ist allerdings aus 100 Prozent Tencel - so sagt es jedenfalls das Etikett.


02. März 2010 um 13:26
Hallo, Kirsten!
Ich freue mich sehr über deinen hier stehenden Erfahrungsbereicht mit Textilien aus Lenzing-TENCEL. Gerne würden wir diesen mit deinem Einverständnis auch auf unseren Lenzing-TENCEL-Blog einstellen, um so deine Erfahrungen auch unseren Lesern vermitteln zu können.
Umgekehrt stehe ich natürlich gerne dir und deinen Lesern mit weiteren Infos zur Verfügung.
Mit lieben Grüßen aus Österreich,
Hilmar Gamper für Lenzing TENCEL
02. März 2010 um 13:45
@Hilmar: So schnell wie Lenzing hat noch nie eine Firma auf meine Blog-Einträge reagiert. Und wenn hier schon mal ein Glashaus angeboten wird, würde ich gerne alle Leserinnen und Leser ermutigen, jetzt mal genauer nachzufragen.
Ich fange mal an. Muss ich mir Sorgen machen, dass für die Eukalyptus-Plantagen Wald fällt oder Bevölkerung verdrängt wird? Ist es nur Südafrika, wo die Plantagen stehen? Wie viel Wasser ist nötig?
Wie viel Chemie ist noch nötig, damit der Zellulosebrei spinnbar wird und um welche Substanzen geht es genau bei der Rückgewinnung? Und wieviel Tencel hat H&M denn jetzt eigentlich eingekauft - sind sie der größte Abnehmer?
Ihr seht, ich nehme gerne die ganze Hand. Und natürlich könnt ihr auf den Blog-Eintrag verlinken,
Knicks aus Hamburg,
02. März 2010 um 17:37
Super, Dein Tencel-Text!
Ich glaube auch, daß in der Faser made in Austria viel Potential steckt.
Eukalyptus und andere Baumarten brauchen keinen guten Boden wie Biobaumwolle, sind genügsam, brauchen nicht bewässert zu werden…..
eigentlich müssten sie in der Ökobilanz der Biobaumwolle überlegen sein, oder?
Liebe Frau Hilmar, wo kann man Ihre Stoffe als Meterware beziehen?
Ich kenne etliche DesignerInnen, die das interessieren würde!
02. März 2010 um 17:41
Sorry, Herr Gamper, jetzt habe ich Ihren Namen völlig falsch gelesen…:-)
02. März 2010 um 20:42
Liebe Kirsten,
Erstmal danke für dein Eonverständnis zur Blogverlinkung, wird auch gleich gemacht.
Zu deinen Frageb:
das Einfachste ist natürlich ein Besuch in Lenzing um alle Details der Faserproduktion kennen zulernen. Die Einladung steht. Ich versuche kurze Antworten auf die sehr komplexen Fragen zu geben:
Eukalyptus Plantagen:
Für die TENCEL-Faserproduktion wird Zellstoff aus Eukalyptus eingesetzt. Weltweit gibt es nur wenige Zellstoffproduzenten, die Faserzellstoff erzeugen. Lenzing bezieht diesen aus Südafrika. Eukalyptus wird in Plantagen angebaut und ist ein rasch wachsender Baum und wird in sogenannten „Holzfarmen“ angebaut für die industrielle Nutzung. Es gibt hier keine künstliche Bewässerung oder Genmanipulation und Pestizide werden nicht eingesetzt, wie das beim Baumwollanbau vorkommt. Weiters werden die Plantagen auf Grenzertragsflächen angebaut, und können für die Lebensmittelproduktion nicht verwendet werden. Die Plantagen sind FSC zertifiziert.
2) Wasserverbrauch
Lenzing hat eine Lebenszyklusanalyse durchgeführt. Das Ergebnis ist gegenüber Baumwolle gesehen sehr positiv für TENCEL. Für die gesamte Produktion der Faser wird bis zu 100-mal weniger Wasser verwendet.
3) Rückgewinnung
Das Produktionsverfahren von TENCEL basiert auf einem Lösungsmittelspinnverfahren und stellt die größte Errungenschaft in der Cellulosefasertechnologie dar. Der Produktionskreislauf ist geschlossen und die eingesetzten Lösungsmittel werden beinahe zu 100 % rück gewonnen und wieder verwendet. Der Herstellungsprozess selbst wurde von der EU mit dem „European Award fort he Environment“ ausgezeichnet.
4) H&M und TENCEL®
Dazu können wir keine Angaben machen – tut uns leid.
Ich hoffe, ich konnte dir damit weiterhelfen.
02. März 2010 um 21:03
@Herr Gamper,
ich würde mich einem Besuch in Ihrer Firma gerne anschließen.
Noch dazu wohne ich “ums Eck”, in OÖ…
Und nochmals meine Frage: Wo können Designerlabels Ihre Lenzingstoffe kaufen?
03. März 2010 um 10:46
Hallo,
interessant die Infos über Tencel!
Und schön, dass so schnell jemand vom Hersteller antwortet!
Mich würde durchaus auch interessieren, wo man Lenzingstoffe kaufen kann.
03. März 2010 um 11:06
Ja, ich finde das auch sehr interessant. Habe zuvor noch nie von dem Stoff gehört bzw. mich nicht bewusst damit beschäftigt, obwohl ich als modebegeisterte sogar einen eigenen YouTube Channel mit Modeinfos habe: http://www.youtube.com/user/Modeberatung Würd mich freuen, wenn ihr mal vorbeischaut
Achja, und mich würde es auch interessieren, wo man Lenzingstoffe kaufen kann.
03. März 2010 um 12:29
@Hilmar: Danke für eure Antworten. Bei H&M hake ich dann mal selbst nach….
Wenn ich gefragt werde, wonach im ersten Zug das Öko-Engagement von Firmen beurteile, ist es Offenheit. Entscheidend ist zunächst, ob ich überhaupt Antwort auf Fragen bekomme. Alles andere schürt nur Misstrauen. So gesehen finde ich Lenzing gut.
Gibt es denn einen Outletstore für Lenzingstoffe, wo die begeisterten Designerinnen und Do-it-yourself-Näherinnen, die sich hier im Blog tummeln, eine Chance auf ein paar Meter haben?
03. März 2010 um 16:10
Klasse sache, hatte ich noch nicht in der Hand.
Ich würde mich auch beteiligen….
Liebe Grüße Claudia
03. März 2010 um 20:48
Ein Outletstore von TENCEL(R) selbst gibt es leider nicht. Es kann natürlich sein, dass Markenhersteller unsere Fasern im Programm haben.
Ansonsten beantworten wir Eure Fragen über Stoffangebote gerne unter:
marketing@lenzing.com.
- bitte setzt euch einfach für weitere Details da mit unser Marketing-Abteilung in Verbindung.
Mit lieben Grüßen, Hilmar Gamper
08. März 2010 um 11:48
Hi Kirsten,
als Stoffwindel-Mama kenne ich Tencel schon länger - und zwar als hyper-saugfähige Faser, aus der z.B. die Firma Popolini sehr gute Höschenwindeln herstellt - fürs ganze Wickelalter passend, sehr weich auf Babys Haut und eben sehr saugfähig, gute Nachtwindel
Ich benutze die total gerne, weil meine Jüngste sie besonders gut verträgt, und hoffejetzt bloss, dass das mit dem Eukalyptusanbau so in Ordnung ist!?!
Und wo wir gerade dabei sind: für Windeln wird auch gern Bambusviskose benutzt, wo die Bambusfaser chemisch aufgeschlossen werden muss. Ist DAS denn dan wohl auch koscher? *michfrag*…Hoffe auf weitere Tencel-Infos etc. hier…
09. März 2010 um 11:27
@kirsten c.
im grunde ist bambus wie auch viskose, tencel, etc eine faser, die durch chemische prozesse entsteht. antibakterielle eigenschaften- was der bambusfaser gerne nachgesagt wird- sind ein reiner verkaufsgag.
diese fähigkeit geht bambus im laufe des chem. prozesses verloren- sie wird dann wieder “nachgerüstet”. da bambus schweiß, etc gut aufsaugt …wäre sie sonst das gegenteil von antibakteriell…:-)- eher bakterienfreundlich.
was zumindest ein lenzingvertreter mal kritisch angemerkt hat, ist die tatsache, daß die bambusfaser in china produziert wird und man nicht kontrollieren kann, welche Chemie verwendet wird.
Es wurden schon Schwermetalle in Mambus gefunden( von wegen grüne faser)….was wiederum bei Lenzingprodukten nicht so leicht passieren kann- weil besser kontrolliert.
09. März 2010 um 16:26
Für Menschen, die sich für Stoffe aus Viskose, Tencel und weitere interessieren, deren fasern von Lenzin kommen.
Ich habe für Interessierte eine Liste an Firmen, die Stoffe anbieten.
mail an: fraujonason@gmail.com
09. März 2010 um 18:44
Bei Eukalyptus als Rohstoff habe ich ein ungutes Gefühl.
Freunde aus Entwicklungszusammenhängen habe mir aus Indonesien und Südamerika berichtet, dass nach Beerntung einer Eukalyptusplantage die Gebiete ökologisch tot seien.
Aber vielleicht kommen die Böden in Südafrika besser mit der Monokultur klar?
Mit freundlichem Gruß
Jan
09. März 2010 um 20:53
Soweit ich weiß, wächst der Eukalyptus sogar von Lenzing teilweise im Waldviertel.
Wie der Boden nach einer solchen Bewirtschaftung aussieht, müßte man Herrn Gamper von Lenzing fragen.
11. März 2010 um 10:33
Tencel klingt auf den ersten Blick ja wirklich sehr erfolgversprechend, aber auch mir macht die Eukalyptus-Monokultur Kopfschmerzen, da ich die Bilder von Kahlschlag, Bodenerosion und ausbeuterischer Holzwirtschaft mit Eukalyptuspflanzungen während eines Besuches in Südamerika letztes Jahr noch vor Augen habe.
20. März 2010 um 23:07
Hallo zusammen!
ich habe mich in meiner Bachelor Arbeit mit den Alternativen zur Baumwolle befasst und muss Hilmar nur zustimmen: Lyocell ist genial! Da kann unsere “geliebte” Baumwolle nicht mithalten!
Literatur gelesen, dass die Blätter und Zweige der Eukalyptus Bäume auf dem Erdboden ausgelegt werden und diesen somit wieder mit Nährstoffen versorgen.
Eukalyptus muss weder künstlich bewässert werden noch ist der Einsatz von Dünger nötig.
Da sich die Plantagen auf Grenzertragsflächen befinden, auf denen keine Lebensmittel angebaut werden können, wird dieser enorm wichtigen Spate (man bedenke die Wachstumsrate unserer Bevölkerung!) kein Ackerland genommen, so wie es leider bei der Baumwolle der Fall ist!!!
Zu der Monokultur Frage: Ich habe in der Lenzing-unabhängigen
29. März 2010 um 15:49
Hallo,
toll, es es die Seite hier gibt. Ich schreibe gerade eine Seminarhausarbeit zu Cellulosische Chemiefasern aus Eukalyptus: Viskose, Modal, Lyocell.
Kann mir jemand sagen, wo ich die Lebenszyklusanalyse bzw. die Ökobilanz herbekomme? Auf der Seite von Lenzing ist sie entweder nicht oder sie so so gut versteckt, dass ich sie nicht finde.
Im Netz finde ich sonst eher Negativberichte, und ich würde ja auch gerne was positiveres schreiben als über Proteste indigener Völker und die Einebnung von Eukalyptusplantagen in Afrika, weil Flüsse versiegten.
19. Mai 2010 um 23:31
Hallo,
ich würde mich auch sehr für die unabhängigen Literatur und Quellen zum Thema Eukalyptusanbau und Monokultur interessieren. Habe bisher auch eher Kritisches gefunden.
Kannst Du Deine Quellen nennen Anna?