21 Dez, 2015

Mikroplastik – reloaded

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Wenn es etwas Interessantes zu Fasern gibt, werde ich dazu schreiben, habe ich gesagt. Und Mikroplastik ist neben Recycling-Fasern sicher das Forschungsthema, wo momentan die Dynamik am größten ist.

Wo steckt überall Mikroplastik drin? Je mehr man sucht, desto mehr findet sich. Außer den bekannten Microbeads in Peelingscremes etc enthalten Kosmetika (z.B,. Shampoos, Make-Up, Sonnencreme) offenbar noch etliche andere Polymere, die von der Industrie aber nicht als Mikroplastik angesehen werden. Zum Teil handelt es sich wohl um wesentlich kleinere (Nano-)Partikel. Um welche Mengen es geht und wie gefährlich diese Polymere sind, ist weit gehend unklar. Jenseits der Kosmetikindustrie, die ja zumindest ihre Zutaten deklarieren muss, wird die Lage noch unübersichtlicher. Viele Reinigungsmittel und Farben enthalten ebenfalls Mikroplastik, die Industrie hält sich aber mit Informationen zurück. Da kommt noch einiges auf uns zu.

Es herrscht Einigkeit, dass sich Plastikpartikel in Kosmetika (Microbeads) leicht ersetzen lassen und daher umgehend eliminiert werden sollten. In einigen US-Bundesstaaten (etwa Kalifornien) gilt sogar bereits ein Verbot. Auf Druck von Organisationen wie Plastic Soup und BUND haben etliche Hersteller die Absicht verkündet, Microbeads aus ihren Produkten zu entfernen. Einkaufsführer und Apps zu diesem Thema sind der Renner. Das Problem dürfte sich in absehbarer Zeit also erledigt haben. Aber möglicherweise sind die Microbeads ja nur die Spitze des Eisbergs – siehe Shampoos, Make-Up, Sonnencreme, Scheuermilch, Farben…..

Und wie war das jetzt mit dem Abrieb von Fasern?

Was die Fasern angeht, könnten die Emissionsmengen wesentlich größer sein als bislang angenommen. Bei der Studie mit den berühmten 1900 Fasern pro Waschgang wurde nur mit klarem Wasser gewaschen, doch bei Zusatz von Waschmitteln lösen sich anscheinend mehr Fasern. Die Plastic Soup Foundation, die sich bislang erfolgreich auf Mikroplastik in Kosmetik konzentriert hat, hat nun auch das Thema Fasern aufgegriffen. Sie haben in Kooperation mit Wissenschaftlern ein Projekt namens Mermaids (www.life-mermaids.eu) ins Leben gerufen, das Lösungswege aufzeigen soll. Woher die ihre horrenden Zahlen haben, ist mir allerdings schleierhaft. Ich würde die jedenfalls niemals für eine Kampagne verwenden. 

Und sorry, jetzt kommt es: Auch Schuhsohlen produzieren Abrieb – eine weitere potenziell bedeutsame Quelle, da wir fast alle auf Gummisohlen rumlaufen.

Und was uns am meisten interessiert….. Lösung bei den Fasern?

Und obwohl hier Daten, Fakten, Info-Style herrscht, gestattet mir jetzt pure Ironie. Wenn man Textilforscher nach einer Lösung fragt, kommen die mit mehr Textilveredelung….. Und um die Krabben dieser Welt, sollte man jetzt sofort anfangen, sich Sorgen zu machen!

Denn in Köln waren Referenten des italienischen Forschungsrats (die mit der Plastic Soup Foundation im Mermaids-Projekt kooperieren). Sie sehen die Lösung in verbesserter Veredelung der Kunstfasern. Gute Ergebnisse zeige etwa die Behandlung mit Chitosan, einer modifizierten Form des Chitins, das aus Krabbenabfällen gewonnen wird (mit denen man aber vermutlich nicht weit kommt…Krabben, lauft!)

Die Abwässer von Waschmaschinen mit Filtern zu reinigen, halten sie für sehr schwierig. Die von ihnen verwendeten Filter setzten sich schnell zu und seien nicht regenerierbar. Sie haben aber von haushaltstauglichen Filtern gehört, die in Kanada erhältlich sind (das müssen die hier sein: http://www.environmentalenhancements.com/). Laut einer Vertreterin des spanischen Instituts LEITAT (die ebenfalls bei Mermaids beteiligt sind) ist das bei den in Europa üblichen Waschmaschinen aber alles viel komplizierter. Und stellt euch vor, sorry Klischee, die ordentliche Hausfrau nimmt den vollen Filter voll mit Mikrofasern aus der Maschine und kippt ihn ins Waschbecken….

Kurz und gut: Bei Kosmetika ist die Lage einfacher als bei Textilien – da kann man einfach tabula rasa machen. Spannend, wie die Entwicklung der Forschung weiter geht. Ich werde trotzdem mal ein paar Gespräche mit großen Waschmaschinen-Herstellern führen.

An dieser Stelle erstmals fröhliche Weihnachten euch allen und ein gutes Neues Jahr!

 

 

 

     
 Kirsten   Kirsten Brodde, Blog-Gründerin und Autorin von "Saubere Sachen", hat das Thema Ökomode quasi aus dem Nichts entwickelt. Sie arbeitet als Greenpeace Detox-Campaignerin bei Greenpeace Deutschland.

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Veröffentlicht in: News

1 Kommentar auf "Mikroplastik – reloaded"

1 | Redaktion ichtragenatur.de

Dezember 25th, 2015 at 20:09

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Danke für den tollen, informativen Artikel.

Nachhaltige Grüße aus Bayern