30 Aug, 2008

Tausche Socken

Ich plane eine Kleider-Tauschparty mit meinen Freundinnen. Es kann ja etwas Befreiendes haben, sich von Sachen aus seinem Kleiderschrank zu trennen. Aber es geht nicht nur darum, etwas loszuwerden, sondern auch darum, etwas zurückzubekommen.

Bisher frönen wir unserer Lust am Neuen und an der Abwechslung ja durch den Kauf von neuen Klamotten. Anders als bei Autos oder Möbeln ist das bei Kleidung auch mit überschaubarem finanziellem Aufwand möglich, oft genug kosten die neuen Fummel nicht mehr als ein Panini und ein Milchkaffee in der Mittagspause und irgendwie scheinen Modeschnelldreher wie Zara und H&M ja auch jede Woche etwas Neues zu haben. Je schneller wir aber Nachschub im Schrank brauchen, desto mehr Druck machen die Textilhersteller auf ihre Lieferanten und letztendlich baden diesen Druck die Näherinnen aus, die dann extra lange arbeiten müssen und schon mal unter ihrer Nähmaschine schlafen, wenn es eng wird.

Deshalb möchte ich mit einer Tauschparty ein Experiment starten. Können wir unsere Lust auf einen Frische-Kick auch anders befriedigen? Nachhaltiger? Und dabei noch Plaudern und Spaß haben? Ich meine, wenn meine Tochter sich verwandeln will, geht sie in den Keller, kramt in der Verkleidungskiste und macht dann mit ihrer Digitalkamera ein Mode-Shooting.

Als Ersatz für Verkleidungskiste und Kostüm-Fundus schiele ich auf die Kleiderschränke meiner Freundinnen und der Familie. Vorsichtige erste Anfragen brachten folgende Ergebnisse: Annette spendet einen hochgeschlossenen lila Blazer, den sie in Mailand gekauft hat und zuletzt auf einem Geburtstag getragen. Jetzt topmodern, meint sie. Und die Unterwäsche-Garnitur in Pink, die ihr eine allzu kreative Freundin geschenkt hat, soll auch getauscht werden. Sie sei doch eher auf Baumwolle geeicht und nicht auf Samt und Seide. Monika wiederum hat eine Schneiderin gefunden und lässt sich ihre Sachen Maß anfertigen. Ob das jemand anders passt? Und meine Schwester trägt XXS, da bin ich noch ein paar Brechdurchfälle von entfernt (Ich entschuldige mich schon jetzt bei allen Bulimikerinnen, die ihr Leiden nicht ernst genommen finden). Ach ja, ich habe einen Speedo-Badeanzug, der meinen Busen platt drückt. Will den jemand?

Nein, im Ernst! Ich frage mich, ob schon irgendjemand von euch mal an einer Tauschparty teilgenommen hat, was ihr davon haltet und was ihr eigentlich zum Tauschen hättet? Oder seid ihr im Grundsatz alle brutal – und schmeißt Sachen, die ihr nicht tragt, ruck zuck raus?

P.S. Ich verlose unter allen Kommentatorinnen zwei Paar Biosocken, die ich heute bei Budnikowsky gekauft habe. Könnt ihr oben im Bild sehen. Die langen Kniestrümpfe in Schwarz sind total angesagt!

     
 Kirsten   Kirsten Brodde, Blog-Gründerin und Autorin von "Saubere Sachen", hat das Thema Ökomode quasi aus dem Nichts entwickelt. Sie arbeitet als Greenpeace Detox-Campaignerin bei Greenpeace Deutschland.

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Veröffentlicht in: News

6 Kommentare auf "Tausche Socken"

1 | Monika

August 30th, 2008 at 22:17

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Ich hab so einiges im Schrank, das mal spontan gekauft und dann nicht angezogen wurde oder wenig Getragenes, das nicht mehr passt. Für die Kleidersammlung ist es zu schade und deshalb finde ich Tauschen eine klasse Idee. Lad viele Freundinnen ein, damit es nicht nur Annettes Unterwäsche gibt!

2 | Annette

August 31st, 2008 at 00:45

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Ich würde schon an einer Tauschparty teilnehmen, bezweifle aber das man/frau dort etwas finden würde, das dann auch angezogen wird. Spaß macht es bestimmt. Ansonsten gebe ich nicht getragene, gut erhaltene Kleidung im Oxfam-Shop ab.

3 | admin

August 31st, 2008 at 11:10

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@Annette: Die Engländerinnen, die viel Erfahrung mit swap parties haben, meinen, zehn Frauen, die jeweils mindestens fünf Stücke mitbringen, sind das Minimum, damit man auch was findet. Ich habe aber auch schon überlegt, wie viele Frauen ich mit 1,60 cm und Kleidergröße 36 kenne, damit auch was dabei ist.
Wie das im Riesenmaßstab aussehen kann, zeigt London jedes Jahr. Die Kreditkartenfirma Visa (schuldenfrei einkaufen!) mietet für drei Wochen einen Laden in der Innenstadt und man kann Sachen abgeben, für die man je nach Güte und Chic Punkte auf seiner Tausch-Karte gut geschrieben bekommt. Am Ende gab es ein Wochenende, von man seine Punkte einlösen, sprich sich aus dem Fundus Sachen aussuchen konnte. Sie hatten dieses Jahr 12.000 Kleidungsstücke. Da finden wir alle was.

4 | MQ

September 1st, 2008 at 02:40

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Ich finde die Idee ziemlich gut – nur bislang hat das richtige Event gefehlt. Aber Shopping plus jede Menge soziale Interaktion, das sind zwei Fliegen mit einer Klappe, so was kann sich eigentlich keine Frau entgehen lassen. (;

Das Tauschen beschränkt sich bei mir auf Bücher, CDs, Filme und Spiele. Die Sachen ist quasi kostenlos, nur Porto-, Internet- und Stromkosten für den PC sind selbst zu tragen. (:

Weitere Infos zu der besagten Seite hier:
https://www.tauschticket.de/c/?rec=1818173685

5 | Zeraph

September 1st, 2008 at 17:01

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Ich denke die Idee ist durchaus praktikabel und eine nette Antwort auf die Tupperware- und Dessous-Parties, zu denen sowieso niemand mehr gehen möchte.

Die Voraussetzung wären dann nur Teilnehmerinnen mit ähnlichen Kleidergrößen… und ein Minimum von 5 Kleidungsstücken halte ich für untertrieben.

Die meisten Frauen, die ich kenne könnten mindestens zwei große Einkaufstüten voll beisteuern!

6 | Andrea

September 2nd, 2008 at 15:57

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Ausmisten und Altes loswerden – „Neues“ geschenkt bekommen. Tauschparties sind eine großartige Idee. Ich habe früher mit meinen Freundinnen oft Tauschabende veranstaltet. Meistens kam ich mit Schätzen nach Hause.

Allerdings, es ist schon nicht unwichtig, dass Größe und Geschmack ähnlich sind. Sonst wird’s schnell ne Trashparty.

Als Flohmarkt-Addict hätte ich das eine oder andere Kleid oder Oberteil, das ich aus dem Köfferchen zaubern könnte.