04 Sep, 2008

Vogue-Bashing

Liest jemand die Vogue? Das Blatt behauptet, sie seien die Erfinder von Secondhand. Zeit zum Nörgeln. Ich liebe Magazine. Ich knülle sie und reiße sie auseinander, wenn mir ein Artikel gefällt und ich ihn archivieren möchte. Seit ich über Mode schreibe, blättere ich auch in InStyle, Vogue oder Harper´s Bazaar. Und weil mich interessierte, ob Modezeitschriften statt immer nur den Nimbus des Neuen zu pflegen, auch nachhaltigere Ideen fördern könnten – so wie die Tauschparty aus dem letzten Blogeintrag oder Secondhand – habe ich die Chefredakteurin der Vogue, Christiane Arp, um ein Interview gebeten. Leider erfolglos.

“ Liebe Frau Brodde,

ich hatte gestern Gelegenheit mit Frau Arp über ihren Interviewwunsch zu sprechen – sicherlich wäre ein Gespräch zum Thema Vintage und nachhaltiger Mode sehr interessant, zumal gerade VOGUE diese Themen immer wieder aufgreift und den Trend Vintage mitgeprägt und thematisiert hat. Frau Arp ist zur Zeit in der Redaktion sehr eingebunden und es stehen die Modenschauen in New York, London, Mailand und Paris unmittelbar bevor. Diese Reisen werden sich bis Mitte Oktober hinziehen – ich kann somit leider keinen Interviewtermin mit ihr vereinbaren.“

Absagen gehören zum Business, aber geärgert hat mich die Chuzpe zu behaupten, sie hätten das Thema Secondhand eigentlich erfunden! Beim Vorgespräch hieß es noch, mein Anliegen sei wohl eine Schnapsidee, ich hätte nicht verstanden, dass die Vogue ein LUXUS-TITEL sei. Ich habe das Wort Secondhand noch nie so abfällig und gedehnt ausgesprochen gehört wie in diesem Telefonat. Nun ja, die Modezeitschriften sind Teil des Zirkusses und heizen den Trend zum immer Neuen an. Die Redaktionen könnten aber sehr wohl an ein paar gängigen Leitbildern in der Mode rütteln. Im Moment hält die VOGUE alles für nachhaltig, was die Erdfarbe Braun hat, so wie die Burberry-Tasche in der neuesten Ausgabe (Natur!)

Was lest ihr an Modezeitschriften? Und inspirieren sie Euch? Ich hatte diesen Monat bereits die „InStyle“ mit dem überraschenden Titel: „KAUFEN! – die neuen Looks“. Punk, Seventies, Folklore und Eleganz. Und falls ich nicht weiß, was ich anziehen soll, erfahre ich dort im Modereport alles über die Stil-Ikone Peaches Geldof, deren Vater Bob immerhin die Welt rettet. Aber dieser 19-jährige Pfirsich lässt mich kalt. Kann natürlich daran liegen, dass ich schon voll ausgewachsen bin. Immer, wenn ich mich ärgere, bekomme ich eine sehr tiefe Falte über der Nasenwurzel. Ich brauche dringend eine neue Modezeitschrift. Lektürevorschläge?

P.S. Liebe Blogkommentatorin Annette! Bist ausgelost. Wenn du mir per Mail deine Postadresse schickst, schicke ich dir Socken.

     
 Kirsten   Kirsten Brodde, Blog-Gründerin und Autorin von "Saubere Sachen", hat das Thema Ökomode quasi aus dem Nichts entwickelt. Sie arbeitet als Greenpeace Detox-Campaignerin bei Greenpeace Deutschland.

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Veröffentlicht in: News

2 Kommentare auf "Vogue-Bashing"

1 | michi

September 4th, 2008 at 18:26

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ich weiß nicht, ob man die „wienerin“ außerhalb österreichs bekommt – vielleicht als abo (https://www.wienerin.at/). auf jeden fall hat dieses magazin durchaus substanz, charme und ist nicht so abgehoben wie die vogue.

2 | Kasi

September 11th, 2008 at 16:51

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Ist doch klar, die können doch nicht zugeben, dass Du denen erst die Idee gegeben hast, das Thema Vintage-Clothing in ihrem nächsten oder übernächsten Heft anzugehen 😉