11 Feb, 2015

FashionWeek Winter Part 3
SEEK BERLIN

SEEK | Herbst/Winter 2015/2016 | Fasion Week Berlin | Foto: Alf-Tobias Zahn

6 aus 49 kennt ihr sicherlich von den Lottozahlen am Wochenende. 6 aus 250 ist allerdings meine Losung für meinen Rückblick auf die diesjährige SEEK. Doch genug der Vorrede – tauchen wir ein in die Grünen Menswear Kollektionen Autumn/Winter 2015/2016, die zum Großteil mitten in einem Grünen Tranformationsprozess stecken und umso spannender sind.

SEEK | Herbst/Winter 2015/2016 | Fasion Week Berlin | VEJA | Foto: Alf-Tobias Zahn

Auf fast 6.500 Quadratmetern zeigten 220 nationale und internationale Labels fast ausnahmslos Menswear. Dem Zeitgeist entsprechend, dem Trend voraus. Das trifft auf die französische Sneaker-Marke VEJA bereits seit Jahren zu. Beeindruckt haben mich vor allem drei Re- und Upcycling-Ideen, die es so im Modebereich noch nicht gab. Tilapia dürfte euch wie mir erst einmal nichts sagen. Der Buntbarsch ist der beliebteste und meist verzehrte Fisch in Brasilien und hat bis auf seine schimmernden Schuppen selbst kein modisches Selbstverständnis. VEJA nutzte die Gelegenheit, an die Haut des Tilapia zu gelangen und aus diesem Abfallprodukt ein eigenes Obermaterial herstellen zu lassen, welches geruchsneutral ist und pflanzlich gegerbt wird. Die Optik ist sicherlich einzigartig.Auch das zweite Highlight hat mit Wiederverwertung zu tun, ist aber eher dem Upcycling zuzuordnen: VEJA verwendet aus alten Armeebeständen noch gut erhaltene Stoffe von Jacken und Hosen und verarbeitet diese in der Produktion zu einem Camouflage-Obermaterial. Last but not least haben VEJA für einen Teil ihrer Kollektion aus recycelten Plastikflaschen ein wabenartiges Upper für unterschiedliche Modelle entwickelt, die kaum einen Unterschied zur konventionellen Konkurrenz von NIKE oder Adidas erkennen lassen. Nur mit dem signifikanten Alleinstellungsmerkmal, dass das Obermaterial aus 100 Prozent wiederverwertetem Plastik besteht – zu gleichen Verkaufspreisen bei deutlich höheren Produktionskosten. Eine gute Prise Idealismus gepaart mit Geschäftssinn zog nach diesem Gespräch mit Sèbastian durch die große Halle und ich fühlte mich erneut darin bestärkt, dass VEJA tatsächlich eine ernst zunehmende und vor allem modische Sneakerbrand ist, die sich vor keinem großen Player verstecken muss.

SEEK | Herbst/Winter 2015/2016 | Fasion Week Berlin | ECOALF | Foto: Alf-Tobias Zahn

Nur wenige Meter weiter vertiefte ich mich in das Gespräch mit Ecoalf-Gründer Javier Goyeneche. Das Label konzentriert sich auf die Produktion von Taschen und Jacken aus Plastikmüll. An der spanischen Küste etwa hat Ecoalf eine Kooperation mit knapp 400 Fischern geschlossen, die bei einem normalen Fang jeweils 3 Kilo Müll mit an Land bringen. 1,2 Tonnen Müll pro Tag! Natürlich ist das nicht ausschließlich Plastikmüll, doch Javier Goyeneche kann mit dem, was an unterschiedlichen Kunststoffen gesammelt wurde trotzdem gut arbeiten. So werden knapp 20 Tonnen Plastik pro Material dann zu Daunenjacken ohne Daunen, einem Trenchcoat aus zusätzlich wiederverwerteten Bestandteilen von Fischernetzen oder einer Funktionsjacke aus zusätzlich 44 Tassen Kaffee.

SEEK | Herbst/Winter 2015/2016 | Fasion Week Berlin | Uniforms for the Dedicated | Foto: Alf-Tobias Zahn

„Zeitgeist beyond trends“ heißt die Losung der SEEK – und wenn dies auf ein Label zutrifft, dann auf Uniforms for the Dedicated. Einem Label, dessen Kollektion sehr im Trend des urbanen Hipsters liegt. Einem Label, dass auf dem Sprung ist, sich mehr und mehr der Nachhaltigkeit im Unternehmen und im Einkauf der Materialien verschreibt. Einem Label, dass interessante Ansätze verfolgt und noch nicht am Ende einer grünen Transformation ist. Mehr und mehr verwendet Uniforms for the Dedicated zertifizierte Materialien für ihre Jacken, Hemden und Hosen (ich selbst habe ein GOTS-zertifiziertes T-Shirt in meinem Schrank hängen). Gleichzeitig setzen sie vor allem auf die Wiederverwertung von Wolle und Wollabfällen. Plus, und das finde ich wirklich charmant, ermöglichen sie jedem Mann, den Anzug seiner Wahl lediglich zu leihen. Für besondere Anlässe oder das wichtige Bewerbungsgespräch. Eine Art Kurzzeitleasing für den Mann mit gehobenem Anspruch. Gerade bei den Anzügen gibt es noch großen Spielraum für Verbesserungen. Clever ist das Team dennoch, denn jeder Anzug wird in der Rag Bag zugestellt. Die Einkaufstasche wird zur Versandtasche, das neue Kleidungsstück (oder der geliehene Anzug) weicht einem alten Kleidungsstück aus dem eigenen Schrank, welches gespendet oder verschenkt werden soll. Das ist charmant, aber vor allem eine sinnvolle Wiederverwertung der zumeist wieder aus Plastik bestehenden Einkaufstaschen.

SEEK | Herbst/Winter 2015/2016 | Fasion Week Berlin | QWSTION | Foto: Alf-Tobias Zahn

Für Männer sind aber nicht nur Sneaker und Shirts interessant, sondern auch Taschen. Deswegen nahm ich Sebastian Kruit von QWSTION einmal zur Seite und sprach mit dem Mitbegründer des Schweizer Labels über die aktuellen Highlights. QWSTION arbeiten zum Teil mit wiederverwerteten Materialien und setzen bereits auf biologisch angebaute und zertifizierte Materialien, können dies auf Grund von finanziell unrentablen Margen allerdings nur für einen kleineren Produktkreis anbieten. Die Produktion der Taschen findet im Norden Chinas statt, an der Grenze zu Tadschikistan. QWSTION hat hier eine Gründergeführte Produktionsstätte gefunden, die nach der Business and Social Compliance Initiative (BSCI) zertifiziert ist und EU-Standards in den Bereichen “Arbeitsbedingungen” und “Umwelteinflüsse” in Nicht-EU-Ländern implementiert. Das Label versucht vor Ort auf erneuerbare Energiequellen zu setzen und ausschließlich natürlich gegerbtes Leder zu verwenden. Die Schweizer sehen sich dabei immer noch auf einem Weg, der noch nicht zu Ende ist und noch weitere Anstrengungen und Verbesserungen vorsieht. Im Mittelpunkt der Produkterweiterung für die Herbst/Winter 2015/2016 Saison stand die sinnvolle Weiterentwicklung der Produktpalette um Taschenklassiker wie eine Schminktasche, das Reisenecessaire oder kleinere Taschen als Innentaschen für die bereits bestehenden Weekender, Overnighter und Shopper.

SEEK | Herbst/Winter 2015/2016 | Fasion Week Berlin | ekn Footwear | Foto: Alf-Tobias Zahn

Zu guter Letzt gibt es noch zwei Highlights für alle mit sehr kleinen und ganz normal großen Füßen – wobei ich bei dem wunderbaren Noel und seinem Label ekn footwear beginnen möchte. Mit der neuen Designlinie von Daniel Bailey macht das Label einen sehr großen Schritt nach vorne. Der Look der verschiedenen Modelle hat sich über die vergangenen Seasons immer wieder verändert, allerdings nicht so radikal (im positiven Sinne) wie für den Herbst/Winter 2015/2016. Selbstverständlich werden die Schuhe weiterhin in Portugal handgefertigt und bestehen aus pflanzlich gegerbtem und chromfreien Rindsleder (gilt auch für das Futter). Verwendet werden nur chrom- und nickelfreie Metallteile und werden mit 2 Paar Schnürsenkeln und in Kartons aus recyceltem Papier geliefert. Die Rahmenbedingungen stimmten weiterhin. Doch beim Style haben Noel und Daniel eine große Schippe draufgelegt. Die Sneaker, Boots oder Deserts wirken noch mehr aus einem Guss, haben eine noch bessere Form und sind zudem an kleinen Stellen neu justiert worden. Dazu gibt es jetzt auch Gimmicks wie individuelle Stecker für die Enden der Schnürsenkel – feines Zeug für alle Schuhfetischisten. 

SEEK | Herbst/Winter 2015/2016 | Fasion Week Berlin | KAVAT | Foto: Alf-Tobias Zahn

Eine Trennwand entfernt, mit einem schönen großen Stand direkt am Anfang der Reihe zeigte das schwedische Label KAVAT, was aus dem anfänglichen Kinderschuhlabel alles geworden ist. Das Label verwendet für die in Schweden designten und umweltfreundlich produzierten Lederschuhe für Kinder, Jugendliche und Erwachsene ausschließlich 3 Ledersorten, wobei in erster Linie das mit dem EU Eco-Label zertifizierte schwedische Premium Leder verwendet wird. Außerdem kommt Eco Performance Leather, chromfreies Vollleder, und Cross Country Leather, italienisches und holländisches Leder, zum Einsatz. Über allem steht aber die ausgezeichnete Verarbeitung und der hohe Tragekomfort. Natürlich hat das Label wieder seine Familienmodelle dabei – ein Modell, dass sowohl für Kleinkinder als auch Jugendliche und Erwachsene aufgelegt wurde und sich großer Beliebtheit erfreut. Schwerpunkt waren allerdings die Boots, Slipper und Halbschuhe aus der “1945”-Kollektion, die auf das Gründungsjahr von KAVAT zurückgehen und zeitlos schon geworden sind.

     
 Alf-Tobias Zahn   Alf-Tobias Zahn führt mit seiner Initiative Designmob Kinder und Jugendliche spielerisch an das Thema "öko-faire Mode" heran und schreibt als freier Modejournalist über "Grüne Mode" für Groß und Klein, unter anderem für das Berliner Blogazine Kalinka.Kalinka und seinen eigenen Blog www.grossvrtig.de.

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Veröffentlicht in: News

2 Kommentare auf "FashionWeek Winter Part 3
SEEK BERLIN"

1 | Noel

Februar 13th, 2015 at 11:19

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DANKE!

2 | Sabrina

Februar 23rd, 2015 at 12:33

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Die grünen Schuhe haben was besonderes. So was sieht man nun auch nicht jeden Tag.