14 Jul, 2008

Nicht gerade bunt getrieben

Nachdem ich ja nun die „Weiße Weste“ präsentiert habe, zeige ich euch heute zum Vergleich, was die Macher des „Global Organic Textile Standard“ (GOTS) sich ausgedacht hat. Der GOTS gilt derzeit als das ökologische Nonplusultra. Leider fehlte bisher ein Bildzeichen. Jetzt ist es fertig.

Manche mögen einen Kaftan sehen, manche einen Sari, wieder andere ein Hemd – Ziel war es, etwas zu zeigen, was weltweit als Kleidungsstück zu erkennen ist, denn das Logo soll sowohl Kleidungsstücke in München, Maastricht, Mumbai oder Melbourne zieren.

Die Macher hoffen, dass mit dem neuen Zeichen auch die Verkäufe von grüner Mode explodieren – ähnlich wie bei dem sechseckigen Siegel, was die Biolebensmittel adelt.

So richtig mein Typ ist das Logo nicht. Es sieht ein bißchen nach Kirchgang aus und macht erschreckend wenig Lust auf die grüne Mode, von der ich immer behaupte, sie sei ein absolutes Must Have und man könne unmöglich mehr darauf verzichten. Aber das Logo schreit weder: „Kauf mich!“ noch: „Sprich über mich!“. Das ist schade, denn der Standard hätte eine raketenhafte Karriere verdient.

Sofern ich das erste Teil einer großen Marke ergattert habe, dass das neue Logo trägt, führe ich es vor. Gerüchteweise soll es sich um die korrekten Beinkleider der Jeansmarke Levi´s handeln. Der Konzern hat zwar über hundert Jahre gebraucht, bis er die ersten Eco-Denim anbot, aber jetzt soll die Farbe Blau halt grün werden. Mal sehen, wie lange die Hosen halten. Ich sticke jetzt in meine Kleidung immer eine Jahreszahl ein, um mal zu prüfen, wie lange ich Sachen trage. Zehn Jahre sollten bei einer Jeans schon drin sein. 2018 hätte sie dann ausgedient.

     
 Kirsten   Kirsten Brodde, Blog-Gründerin und Autorin von "Saubere Sachen", hat das Thema Ökomode quasi aus dem Nichts entwickelt. Sie arbeitet als Greenpeace Detox-Campaignerin bei Greenpeace Deutschland.

Hier finden Sie alle Artikel von .

Veröffentlicht in: News

9 Kommentare auf "Nicht gerade bunt getrieben"

1 | lila_lotte

Juli 15th, 2008 at 11:40

Avatar

Besonders leidenschaftlich ist diese Logo-Entwurf wirklich nicht.
Dabei gefällt mit die Idee mit der Welt-Kugel.

Könnte man nicht die Erdkugel nehmen und die Kontinente als Kleidungsstücke darstellen? Bin leider grafisch unbegabt. Hat jemand Zeit und Lust?

Afrika als T-Shirt, Europa als Socke …. Asien als Hose…. oder so ähnlich?

2 | annikki

Juli 16th, 2008 at 16:50

Avatar

das wäre zu detailreich. so ein logo muss ja auf ein kleines schildchen passen und erkennbar sein. darum ist im grunde genommen mit logodesigns keine große sprünge zu machen und daher nicht gerade leicht, so etwas zu entwickeln.

3 | mojo

Juli 18th, 2008 at 10:06

Avatar

Das erinnert mich ein bisschen an ein altes Symbol der gepa: Heute haben Sie es besser modifiziert , siehe https://www.gepa.de/p/index.php/mID/4.6.1/lan/de. Aber neben dem A von GEPA sieht man noch die alte Version – mit der 3 im Kreis. Das war früher auch grün und erweckte den Eindruck „3. Wahl“.

Hier macht das Logo auf mich eher den Eindruck einer unverständlichen Waschanleitung. Okay, ich übertreibe.

@Kirsten: Du würdest Dir und den Lesern Deines Blogs einen Gefallen tun, wenn Du die Bilder vor dem Upload etwas verkleinerst. Rund 9MB für so ein kleines Logo sind zu groß und BMP kein Format auf das jeder gut zu sprechen ist ;-).

4 | Jochen

Juli 20th, 2008 at 11:36

Avatar

Hmm, ich bin ja schon einigermaßen beruhigt. Nachdem ich hörte, dass es ein Kaftan sein soll, hatte ich schon das Schlimmste befürchtet. Im Großen und Ganzen geht das Zeichen aber so in Ordnung. Es muss ja nicht hübsch sein, um auf dem Waschetikett eine Aussage zu machen.

Dennoch fehlen mir noch immer zusätzliche Informationen, die das Logo in dieser unkommentierten Form einfach übergeht. Was ist mit der Unterscheidung zwischen „Organic“ und „Organic in Conversion“, was mit der Zusatzangabe „made with X% organic material“…
Das sind alles Punkte, die im Standard enthalten sind und auch unterschieden werden müssen. In dieser unkommentierten Form ist das Siegel einfach nur ein Gleichmacher und enthält dem Kunden wichtige Informationen vor.

5 | John Dean

Juli 22nd, 2008 at 15:01

Avatar

Ich muss zugeben, dass ich mit den Öko-Labels auf Textilien ein Riesenproblem habe. Mit einem Wort: Misstrauen. Ich traue diesen Labeln nicht.

Warum?

Nehmen wir mal ein verbreitetes Textilien-Label wie „Öko-Tex“. Die Farbe Grün und eine fast schon freundlich dreinschauende Sonnenblume suggerieren: Hier geht es wirklich um „Öko“. Das Label gibt es im Wesentlichen in zwei Geschmacksrichtungen.

A) Öko-Tex 100:

Keine ökologische Produktion. Kein Verzicht auf Pestizide bei der Fasergewinnung. Keine Verpflichtung zu ökologisch verträglichen Praktiken bei der Herstellung. Nix. Nada. Die Hersteller verpflichten sich lediglich (man könnte sagen: immerhin), dass sie freundlicher Weise bereit sind, die gesetzlichen Normen einzuhalten in Bezug auf die enthaltene Rest-Chemikalienmenge in den Textilien. Die Hersteller zertifizieren sich dabei selbst (gegen eine Gebühr an den Vermarkter und Organisator von „Öko Tex“ bzw. seinem Rechtsinhalber. Achja, und rund 15 % der Zertifikakte werden in einem intransparenten un der Öffentlichkeit nicht bzw. nur schwer zugänglichen Verfahren „überprüft“.

Ja, ist ja echt „super“. Ich halte es aber immerhin für möglich, dass derartig zertifizierte Textilien ein klein wenig hautverträglicher als der Rest sind. Die angeblich „strengen Anforderungen“ von Öko Tex 100 sind in meinen Augen:

Nichts als Irreführung

Und, was den schmalen Restgehalt dieses „Zertifikats“ (vergleichbar etwa mit einer Teilnehmerbestätigung eines ) betrifft: Ich würde sogar Wetten darauf abschließen, dass sog. „Öko Tex“-Textilien in Bezug auf ihre Chemikalienbelastung sogar schlechter abschneiden als der Rest (also: die nicht-„Öko Tex“-Textilien) im deutschen Handel, und zwar genau dann, wenn man eine „Öko Tex“-Textilie, direkt nach dem Kauf, vergleicht mit einer Nicht-„Öko Tex“-Textilie, die man zuvor zwei mal gewaschen hat.

Ich bin mir da ganz sicher. Mit anderen Worten:

„Öko Tex 100″ taugt nichts. Dieses Label bietet dem Verbraucher keine relevante Information. Es ist dem Verbraucher gegenüber vielmehr täuschend, in seiner Konstruktion, Natur und Praxis: Ich würde echten Öko-Mode-Anbietern dazu raten, die Zertifikanten von Öko-Tex 100 (z.B. ALDI) wegen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht zu verklagen.

Einer nach dem anderen. Solange, bis dieser Info-Schmutz und dieses „strenge Anforderungen“ vortäuschende Label vom Markt verschwindet.

B) Öko-Tex 1000:

Hier geht es tatsächlich um ökologische Produktion und die Vermeidung von Kinderarbeit. Abgesehen von ein paar wenigen Schweizer Firmen, ist das Label aber völlig unrelevant. Daher auch: Keine Kritik. Wozu etwas kritisieren, was es – aus Verbrauchersicht – nicht gibt?

„Öko Tex“ ist also weit überwiegend, nahezu ausschließlich „Öko-Tex 100″.

Das Problem ist: Das prinzipielle Misstrauen gegenüber „Öko Tex“ ist leider berechtigt. Bei „Öko Tex“ handelt sich im Kern um eine Verbraucher täuschendes Label.

Noch einen Nebenbemerkung zum Thema „Chemikalien in der Produktion“:

Ich persönlich habe nicht viel dagegen, wenn z.B. bei der Viskose-Produktion reichlich Chemikalien eingesetzt werden, sofern diese (das ist möglich) in einem weitgehend abgeschlossenen System eingesetzt werden. Ich finde Chemie auch nicht per se schlecht. Was ich aber sehr schlecht finde, das ist z.B. die Verpestung von Umwelt und Natur.

Das Problem ist für mich also nicht der Chemikalieneinsatz, sondern die Frage, erstens, wo und wie (!) Chemikalien eingesetzt werden, zweitens, welche Emissionen dabei stattfinden und, drittens, welche Belastungen sich daraus ergeben.

Eher noch als bei Lebensmitteln lege ich als Konsument Wert darauf, dass bei der Produktion der Fasern tatsächlich ein ökologischer Landbau betrieben wird.

Kann ich schwer erklären. Nunja, ein wenig Irrationalität ist ja schließlich auch Teil meiner Konsumenten-Souveränität. Aber es ist einfach so: Ich möchte gerne massenhaft Öko-Textilien. Ich glaube sogar, jedenfalls, wenn man es vernünftig gestaltet, dass diese echten Öko-Textilien lediglich 10 Prozent teurer als der Rest wären – und dieser Aufpreis wäre es mir wert.

Und nicht nur mir.

6 | Jochen

Juli 23rd, 2008 at 11:55

Avatar

@dr dean:

also beim oekotex 100 folge ich Dir auf ganzer Linie, im Grunde ist das Zertifikat redundant, bestätigt also nur noch einmal, dass die Richtlinien, die in der EU ohnehin Gesetz sind, eingehalten werden. Dass beim Oekotex1000 auf die Vermeidung von Kinderarbeit geachtet wird, höre ich heute zum ersten Mal. Wenn das tatsächlich irgendwo drinstehen sollte, wäre es blanker Hohn. Ungefähr so, wie der Unterschied zwischen Verfassungstext und Verfassungswirklichkeit in China.

Anders allerdings beim GOTS. Der ist tatsächlich ein sehr hochwertiger Standard und hat allein schon durch seine konsequente Bekenntnis zu Biobaumwolle und ökologischen Verfahren, massive soziale Verbesserungen in der Produktion und v.a. im Baumwollanbau zur Folge. Außerdem, das habe ich hier glaube ich schon mal gesagt, ist das Zertifizierungsverfahren äußerst transparent, erstens, weil jedes Unternehmen in der Lieferkette selbst für die Zertifizierung sorgen und zahlen muss und zweitens, weil es ein Waren- und kein Herstellerzertifikat ist. Der Hersteller kann also sicher sein, dass die Zertifizierer wirklich jedes Unternehmen in der Kette in Augenschein nehmen und über die nach oben durchgereichten Zertifikate einwandfrei nachprüfen ob in der Kette alles o.k. gelaufen ist, bzw. welche Unternehmen genau an der Produktion eines T-Shirts oder einer Hose beteiligt waren. Die in der Textilbranche sonst so verbreitete Vergabe von Aufträgen durch Zulieferer an Subunternehmer (der Fall, wo in der Produktion am häufigsten Kinderarbeit stattfindet), ist damit nahezu ausgeschlossen und auch die Herkunft der Baumwolle kann nachvollzogen werden.

Insofern war mein obiger Einwurf Jammern auf hohem Niveau. Aber ich finde es eben nicht besonders gut, wenn man einen tollen Standard hat, der sehr viele Einzelheiten regelt, dies dem Kunden aber über das Siegel nicht nur nicht weitergibt, sondern auch die Unterschiede, die der Standard macht, verschweigt. Das Siegel wird dadurch angreifbar und zwar pauschal, nicht nur im Detail. Welcher Konsument prüft denn schon wirklich nach, wenn einmal die pauschale Kritik kommt, die ja dann nicht einmal unberechtigt ist? Dann heisst es plötzlich wieder „Sack drum und draufhauen, es trifft immer den Richtigen“.

Daher bleibe ich dabei, ohne die Nennung der Zusatzspezifikationen wird das Siegel es nicht schaffen, das Verbrauchervertrauen im intendierten Maße zu erwerben.

7 | admin

Juli 24th, 2008 at 11:05

Avatar

@John Dean: Über Ökotex brauchen wir nicht lange diskutieren, abgehakt. Heißt aber nicht, alle Label in Bausch und Bogen zu verdammen. Ich hätte nur gerne e i n s, was dann wirklich viele kennen – ehrlich gesagt, fände ich es dann sogar okay, wenn da bei den Standards Kompromisse gemacht werden oder so etwas, wie: in Umstellung, auch erlaubt ist.
@Jochen: Ein bißchen GOTS-Bashing! Wie schwach auf der Brust ist GOTS bei den Sozialstandards? Ich habe ja mehrfach geschrieben, es handele sich um das ökologische Nonplusultra, aber Branchenkenner meckern über die allzu niedrigen sozialen Mindesstandards.
Und welche Kontrollstellen prüfen eigentlich? Ist das nur das hervorragende Institut für Marktökologie (IMO) in der Schweiz? Wer noch?
Und letzte Anmerkung: Ich war gestern in einer Pflanzenfärberei in Brandenburg, die sehr viel können, aber nicht GOTS-zertifiziert werden können, weil es keine Standards dafür gibt. Wäre schon schön, man könnnte beim Färben auch noch etwas vorankommen.

8 | Jochen

Juli 25th, 2008 at 06:44

Avatar

@kirsten:

Also die Sozialstandards selbst sind nicht nicht niedrig, es sind ja im Grunde die ILO-Kernarbeitsnormen ergänzt um die Living Wages. Die Kritiker mit denen ich gesprochen habe – die stehen allerdings der FWF nahe, deshalb kann ich nicht wirklich sagen, ob da nicht zum Teil auch ein wenig Eigeninteresse dabei ist – führen eigentlich nur einen Punkt an und zwar, dass die Inspektoren eben für das Öko- und nicht das Sozialmonitoring ausgebildet sind. Das ist sicherlich ein Schwachpunkt, ich habe ja schon an anderer Stelle geschrieben, dass wir von hier die Qualität des Sozialmonitorings leider nicht evaluieren können. Was mir, wie gesagt, am GOTS gefällt, ist die schöne Regelmäßigkeit mit der die Inspektoren vor Ort sein müssen.

Zertifizieren tun meines Wissens das IMO, die Control Union, Soil Association und Oregon Tilth. Das von Dir gelobte IMO ist da leider ein wenig schwach auf der Brust und da sehe ich auch die Kritik der FWF-Anhänger gerechtfertigt. In Indien sind derzeit wohl nur ein oder zwei Inspektoren vor Ort, weshalb sich die Lieferzeiten für GOTS-zertifizierte Ware stark hinauszögern kann. Außerdem sind es nach Angaben von Produzenten Europäer, die bei der Belegschaft nicht das nötige Vertrauen für ein erfolgreiches Sozialmonitoring genießen. Im Grunde also das gleiche Problem, wie wir es bei der FLA oder ETI haben. Gut machen soll es anscheinend die Control Union. Sie sind gut belegt und arbeiten mit lokal ausgebildeten Inspektoren.

Insgesamt würde ich mir wünschen, dass der IVN zusammen mit der FWF einen Modus finden könnte, wie man die GOTS-Zertifizierung gemeinsam gestalten kann. Doch das ist wohl auch eine Frage der Finanzierung.

9 | Christine

Oktober 5th, 2008 at 18:52

Avatar

Noch mal ne Frage zum Thema GOTS:

Z.Z. finden sich bei der Kette PLUS (gehört wie KiK zu Tengelmann) immer wieder Bio-Wäsche der Marke Vitality auf (z.B. Online das „Baby-Kapuzenhandtuch“ auf /www.plus.de unter Sonderangebote.

Die ist GOTS zertifiziert!

Würde ich mal sehr interessieren, wie dieser Deiner Meinung nach „harte Standard“ schon in der Massenproduktion nachgeprüft wird, speziell was die sozialen Kriterien betrifft.
Wo lassen die herstellen?
Kannst Du da mal recherchieren? Ich werd mich auch mal dahinterklemmen – vielleicht auch ein paar Andere?
Bin gespannt, was wir herausbekommen.
Gruß,
Christine

10 | admin

Oktober 6th, 2008 at 14:20

Avatar

@Christine: Am besten ist es direkt, bei Plus nachzufragen, woher sie beziehen. Ich habe mich umgehört und es heißt, dass Plus die Ware von einem Mitglied des Naturtextilverbandes bekommt (IVN), der seine Ware auch unter eigenem Namen vertreibt und nicht sichtbarer haben möchte, dass sie auch für Plus produzieren. Das läuft ja auch bei anderen Markenartiklern so, die an Discounter liefern, aber nicht möchten, dass das jemand weiß.
Die IVN-Mitglieder (deren Standards jetzt in den GOTS aufgegangen sind) lassen ihre Sozialstandards von der IMO, dem Institut für Marktökologie in der Schweiz überprüfen. Ich halte die für solide und vor allem für transparent, was Nachfragen angeht.
Im übrigen fände ich es immer noch eine gute Idee, wenn diejenigen, die was von Umweltsiegeln verstehen und diejenigen, die was von Sozialsiegeln verstehen, sich an einen Tisch setzten und zusammenarbeiteten und den GOTS weiterentwickelten. Das kann der Nukleus von etwas Besserem sein. Ich sehe immer noch, dass jeder sein eigenes Süppchen kocht.