27 Mrz, 2012

Good Jeans Guide

Am 5. März 2012 hat die ARD einen 45-minütigen Dokumentarfilm „Der Preis der Blue Jeans“ gezeigt. Die hervorragende Dokumentation zeigt, wer die Kosten der konventionellen Jeansproduktion in China trägt. Wer diesen Film gesehen hat, will keine konventionelle Jeans mehr kaufen. Aber es geht auch anders: Netzwerk Faire Mode stellt im „Good Jeans Guide“ Jeansfirmen vor, die großen Wert auf Arbeiterrechte und auf Umweltschutz in der Jeansproduktion legen. Anbei ein kurzer Ausschnitt aus dem Film.

 

Recycling, repair, reuse: King of Indigo & Denim Therapy

Die niederländische Denim-Brand Kings of Indigo (K.O.I) wurde von Tony Tonnaer gegründet, der bereits Kuyichi gross gemacht hat (Grüne Mode berichtete). Bei der Firma stehen drei „R“s im Vordergrund: Recycle: K.O.I nutzt so viel recycelte Baumwolle wie möglich. Weil dies bisher nicht für alle Waschungen und Blautöne möglich ist, wird auch Biobaumwolle genutzt. Repair: K.O.I bietet kostenlose Repair Kits and Repair Events an. Reuse: K.O.I plant Pop-Up-Events, wo die Kunden ihre alte Jeans zurückgeben können und einen Rabatt auf eine neue K.O.I Jeans bekommen. Die Stoffe für die Jeans werden vor allem in Italien, in der Türkei und Japan produziert, genäht werden die Jeans in Tunesien. K.O.I kooperiert seit Anfang an mit der Fair Wear Foundation (FWF) und plant seinen Beitritt in diesem Jahr. Die Hosen kosten zwischen 100 und 240 Euro.

Die schwedische Denim-Brand Nudie Jeans bietet öko-faire Jeans für Männer und Frauen für 100-150 Euro an. Ein Teil der Nudie Jeans sind aus 100% Biobaumwolle (Türkei/Indien) und davon sind bislang 40% GOTS-zertifiziert (Plan ab July 2012: 100% Biobaumwolle oder recycled). Die Hosen werden zu fast 90% in Italien genäht, 10% in Portugal und in der Türkei. Nudie hat verschiedene interessante Projekte, z.B. ein Empowerment Projekt. Ferner engagiert sich die Firma im Recycling / Reparieren: Wie bei K.O.I bekommt man einen Rabatt, wenn man die alte Nudie-Jeans im Laden lässt und eine neue kauft: “Customers will get a discount on new purchases if they leave their old jeans to us. We remake and repair each pair in a personal way and sell them again, tagged with the new Good Environmental Choice label.”

Die holländische Brand Kuyichi wurde im Jahr 2000 von der niederländischen NGO Solidaridad gegründet. Kuyichi bietet modebewusste Jeans in unterschiedlichsten Schnitten und Waschungen für 100 – 165 Euro an. 96% aller insgesamt verwendeter Stoffe für Jeans sind aus Biobaumwolle, beim Rest wird auf Nachhaltigkeit geachtet (siehe Sustainable Concept). 80% der Biobaumwoll-Produkte von Kuyichi werden GOTS-zertifiziert weiterverarbeitet und 20% Organic Exchange, weil der Mischfaseranteil zu hoch für GOTS sei. Die Konfektion findet zu 65% in der Türkei und zu 35% in Tunesien statt. 2012 nutzt Kuyichi erstmals auch recycelte Baumwolle für die Jeansproduktion. Wir sind gespannt. Kuyichi ist Mitglied der Organisation Made-By, welche eine Art Nachhaltigkeits- und Sozialbericht in Form einer Scorecard veröffentlicht. Die Firma ist Mitglied der stark kritisierten Business Social Compliance Initiative (BSCI), die sich beispielsweise im Gegensatz zur FWF nicht zum Ziel gemacht hat, Existenzlöhne umzusetzen.

Die Denim Therapy Company aus New York produziert keine Hosen, sondern hat sich zum Ziel gesetzt, jedes Loch in einer Jeans zu reparieren. Das Prinzip ist einfach: Man schickt die zu reparierende Jeans an Denim Therapy und bekommt eine reparierte Jeans zurück. Die Denim Doctors können die Lebensdauer der alten Lieblingsjeans nochmal deutlich verlängert werden. Mittlerweile hat sich das Konzept als so erfolgreich herausgestellt, dass es sich über Los Angeles bis nach Chicago und Miami ausgebreitet hat. Vielleicht nimmt es ja auch jemand in Europa auf?

Regionale Produktion: Manomama

Manomama ist eine beeindruckende Alternative, wenn es um Nachhaltigkeit bei Neuwaren geht. Die Firma wurde 2010 von der Werbefrau Sina Trinkwalder als „Social Business“ gegründete. Die 100% öko-sozialen Textilien werden komplett 250 km um Ausgsburg herum gefertigt, nur die Biobaumwolle für die Hosen kommt aus der Türkei. Die Firma ist Mitglied im Internationalen Verband Naturtextil (INV) und die Produktion ist entsprechend zertifiziert.

Die Augschburgdenim für knapp 140 Euro ist eine gerade geschnittene Jeans, die an jedem Hintern gut aussieht und individualisierbar ist (z.B. mit Knopfleiste oder Reissverschluss). In der Jeans werden gezwirnte Stoffe verwendet, die die Hose besonders haltbar machen. Diese Jeans ist weder gebimst, geäzt, stone gewashed oder sonst kaputt gemacht, und die Zutaten sind vollkommen ökologisch. Ein schönes Konzept ist auch der manomama-Mittmachtreff.

Hosen für die gesamte Familie: hessnatur

Das 1976 gegründete Unternehmen hessnatur ist eines der Pionierunternehmen für Naturtextilien. Alle hessnatur-Jeans (40-100 Euro) werden entsprechend dem firmeneigenen hessnatur-Standard produziert, der höchste ökologische und soziale Aspekte umfasst. Die Baumwolle stammt aus Biobaumwollprojekten in Burkina Faso und der Türkei. Konfektioniert werden die Jeans zu 90% in der Türkei, wobei die Stoff-Verarbeitung in verschiedenen Ländern erfolgt: EU (56%), Türkei (11%) und Peru (8%). hessnatur ist Mitglied im Internationalen Verband für Naturtextilien (IVN) und bei der Fairwear Foundation.

Nur für Frauen: Pearls of Laja, SEY

Pearls of Laja ist ein deutsches Denim-Brand speziell für Frauen. Motto: „Wundervolle Kurven in jeder Größe“. Verwendet wird ausschließlich Biobaumwolle aus der Türkei, die in GOTS-zertifizieren Produktionsstätten in der Türkei und in Polen weiterverarbeitet und dort werden die Hosen auch konfektioniert. Die Jeans kosten zwischen 150 und 200€.

Für SEY Premium Organic Cotton Jeans (130 bis 170 Euro) werden 100% GOTS-zertifizierte Stoffe aus Biobaumwolle verwendet. Die Weiterverarbeitung und Konfektion erfolgen in der Türkei – wobei ab April 2012 in Deutschland konfektioniert werden soll. Wie jede verantwortungsvolle Jeansmarke verzichtet SEY explizit auf die gefährliche Sandstrahltechnik. Die Firma ist Mitglied von Made-By; im Laufe des Jahres soll erstmals für SEY eine Scorecard veröffentlicht werden.

Maßjeans: Gebrüder Stitch

Wiener mit einem Hang zum Individuellen sollten mal die Gebrüder Stitch aufsuchen, die Manufaktur für lokal gefertigte Maß-Jeans. Gegründet wurde die Firma von „zwei ehemaligen Marketing-Fuzzies, die 2010 beschlossen haben, dass sie von ihren Jobs die Schnauze voll haben und statt dessen ‚in Jeans‘ machen wollen“. Die maßgeschneiderten Jeans werden ab der Meterware in Wien produziert und kosten zwischen 240 und 500 Euro. Termine und Anfragen zum Beratungsgespräch im Hosenlabor können per Email gestellt werden. Die Gebrüder Stich Radljeans gibt es in Standardgrößen auch online.

Good Jeans im Überblick

Hier als PDF: GOOD Jeans Guide03-2012

In Planung …

… ist der Good Jeans Guide Teil 2 mit weiteren rund 10 Firmen. Wir freuen uns über Hinweise auf nachhaltig produzierende Jeansfirmen: ms(at)netzwerkfairemode.com.

Text: Sophia Opperskalski & Mark Starmanns (Netzwerk Faire Mode)

 

     
 Mark Starmanns   Mark Starmanns promovierte am Wuppertal Institut für Umwelt, Klima und Energie zu CSR in globalen Bekleidungslieferketten. Derzeit arbeitet er an der Uni Zürich, berät in Sachen CSR und baut das NETZWERKFAIREMODE auf, bei dem seine Artikel hier zeitgleich erscheinen.

Hier finden Sie alle Artikel von .

Veröffentlicht in: A bis Z

7 Kommentare auf "Good Jeans Guide"

1 | Kirsten

März 28th, 2012 at 19:17

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Lieber Mark, nehmt ihr die Hanf-Jeans mit auf? Die finde ich auch eine gute Alternative.

2 | Mark

März 28th, 2012 at 20:14

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Ja, das machen wir. Hempro Int & HempAge stehen auf der nächsten Liste. Sonst noch Hanfjeans?

3 | Grüne Mode – Kirsten Brodde – Blog » Blog Archive » Eine Sache richtig gut machen

März 30th, 2012 at 16:35

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[…] zum Good Jeans Guide hier nun der versprochene Artikel über das jüngste Ethical Denim Brand aus Großbritannien. Hiut […]

4 | Christine Kok

März 31st, 2012 at 12:09

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Hi. Wisst Ihr ob Sanuk wirklich eine Ökomarke ist? Schuhe riechen nämlich ziemlich streng und wo und wie sie produziert werden, kann ich auch nocht rausfinden. Vielen Dank

PS tolle Seite von Euch

5 | Lars Wittenbrink

März 31st, 2012 at 15:27

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@Christine: Ich denke nicht, dass Sanuk eine Ökomarke ist. Sanuk wurde letztes Jahr von der Deckers Outdoor Corporation gekauft und war der Grund, warum Deckers die Ökoschuhmarke Simple Shoes eingestellt hat. Vom Design her gibts eine gewisse Ähnlichkeit zu Simple und Sanuk sieht optisch eher noch etwas ökiger als Simple aus. Von irgendwelchen ökologisch vorteilhaften Materialien oder Produktionsweisen habe ich da aber noch nichts gelesen oder gehört.
Über das Ende von Simple durch den Zukauf von Sanuk schrieben wir hier:
http://www.kirstenbrodde.de/?p=1407

7 | Auf der Suche nach einer korrekten Hose « Jakoblog — Das Weblog von Jakob Voß

Mai 20th, 2013 at 23:30

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[…] nicht gut beraten und führt die Marke anscheinend nur weil es schick ist. Dafür habe ich einen Good Jeans Guide gefunden. Vor allem Manomama ist eine tolle Initiative von Sina Trinkwalder. Ihr Buch, das sie […]