20 Jun, 2012

Mehr nachhaltige(re) Baumwolle bei den Großen?

Große Modekonzerne wie Puma, h&m, C&A, Otto aber auch IKEA übertreffen sich derzeit mit Quotenzielen zur Verwendung „nachhaltiger Baumwolle“.  100 Prozent „nachhaltige Baumwolle“ versprechen IKEA bis 2015, adidas bis 2018 und Otto, C&A und h&m bis 2020. Puma bietet nur 50 Prozent nachhaltige Materialien bis 2015, meint damit dafür aber das Gesamtsortiment und nicht nur die Baumwollprodukte. Steht Bio-Baumwolle also nach zuletzt deutlich rückläufigen Produktionsmengen kurz vor einem verstärkten Durchbruch in den Massenmarkt?

Leider wohl eher nicht, denn mit „nachhaltiger Baumwolle“ meinen die Textilriesen vornehmlich nicht Bio-Baumwolle, sondern Baumwolle aus den Vertragsanbausystemen Cotton made in Africa (CmiA) und Better Cotton Initiative (BCI). Deren Standards sind jedoch weit von ökologischer Landwirtschaft entfernt und die Sozialstandards beschränken sich weitgehend auf ein Verbot von Kinderarbeit und Zwangsarbeit. Baumwollabnahmepreisen über Weltmarktniveau (wie im Fair Trade Konzept) wird bei CmiA eine explizite Absage erteilt:

„Cotton made in Africa handelt nach den Regeln des Marktes und verzichtet auf Subventionen und Eingriffe in die Systematik der Weltmarktpreise, die sich, wie bei nahezu jedem Rohstoff, nach Angebot und Nachfrage richten.“

Bloß keine Eingriffe in den Weltmarkt. Da steckt also auch eine gute Portion Neoliberalismus in der Initiative, die Michael Otto von der Otto Group 2005 gemeinsam mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gegründet hat.

Die ökologischen Ansätze von CmiA und Better Cotton sind weitgehend identisch. Der Einsatz von Pestiziden soll durch Schulungen reduziert und auf solche Mittel beschränkt werden, die nicht in internationalen Abkommen verboten sind. Legal heißt nur eben leider noch lange nicht nachhaltig oder ungefährlich, wie unzählige Fälle von schweren Vergiftungen Jahr für Jahr beweisen.
Gentechnisch verändertes Saatgut ist bei Better Cotton explizit erlaubt. Bei CmiA gilt noch bis Sommer 2012 ein Verbot gentechnisch veränderten Saatguts. Begründet wird dieses Verbot mit keiner Silbe. Auf der Website werden dafür an gleicher Stelle die große Bedeutung gentechnisch veränderter Baumwolle auf dem Weltmarkt beschrieben und erste Anbauprojekte in Afrika angeführt.

Um es klar zu sagen. Tendenziell sind natürlich auch kleine Verbesserungen besser als keine Verbesserungen. Und alleine die Schulungen zum bewußteren Umgang mit Pestiziden sind zweifellos ein sinnvoller Schritt. Allerdings werden auch diese kleinen Fortschritte durch einen massiven Greenwashing-Effekt kontakariert. Denn hier wird – wiedereinmal – für nachhaltig erklärt, was eigentlich ganz offensichtlich nicht nachhaltig ist: erdölbasierte Pestizide und erdgasbasierte Düngemittel sind bei beiden Anbausystemen selbstverständlich erlaubt.

Und es steht zu befürchten, dass die als „nachhaltige Baumwolle“ beworbene Baumwolle von den allermeisten Konsumenten zumindest schnell als nachhaltig genug erachtet wird. Wenn der Unterschied zu „bio“ nicht gar für die meisten komplett verschwimmt.

Einige BCI und CmiA Mitglieder gehören derzeit zu den größten Abnehmern von Bio-Baumwolle (h&m, C&A, Wal Mart), auch wenn diese an ihren jeweiligen Gesamtsortimenten nur einen sehr geringen Anteil hat. Wenn jetzt Bio-Baumwolle, BCI und CmiA zusammengefasst als „nachhaltige Baumwolle“ beworben werden, wie groß ist dann noch der Anreiz den Anteil von Bio-Baumwolle zu erhöhen oder auch nur zu halten? Der biologische Baumwollanbau dürfte somit wohl noch weiter zurückgedrängt werden.

Dass hinter beiden Initiativen vor allem auch wirtschaftliche Interessen stehen, ist offensichtlich und wird auch nicht zu verbergen versucht. Dabei könnte es allerdings noch um deutlich mehr als um ein grüneres Image zum Schnäppchenpreis gehen. Die globale Nachfrage nach konventioneller Baumwolle steigt durch die Wachstumsmärkte Asiens enorm. CmiA und BCI können daher auch als Versuch der Textilriesen gesehen werden, sich den sicheren Zugriff auf qualitativ akzeptable Baumwolle zu kalkulierbaren Preisen zu sichern. Gut gemanagter Anbau sichert gegen größere Ertragsschwankungen ab und Verträge von BCI und CmiA mit den Baumwollproduzenten sichern den Zugriff auf diesen Ertrag.

Die eigentliche Problematik ist ja, dass die große Nachfrage nach Textilfasern allein mit Baumwolle generell nicht nachhaltig befriedigt werden kann. Auch beim Bio-Anbau mit gutem Wassermanagement ist der Flächenbedarf zu groß, um diese Fasermengen nur aus Baumwolle zu erzeugen. Die Antwort darauf sollte jedoch nicht eine weitere Umdefinierung des Nachhaltigkeitsbegriffs, sondern die Entwicklung alternativer Fasern, Faserecycling, sowie zuforderst auch die Entschleunigung von Konsumzyklen sein.

Es gilt also die Textilriesen mit diesem plumpen Versuch sich als grüne Vorreiter zu präsentieren nicht durchkommen zu lassen und ihr Engagement bei der Entwicklung echter Alternativen einzufordern. Und auch den Mitwirkenden auf Seiten der staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen sollten Verbraucher und die progressiven Kräfte der grünen Modebewegung auf die Finger klopfen. Daran, dass der WWF bei jeder grünwaschverdächtigen Initiative mit am Runden Tisch sitzt, haben wir uns ja schon gewöhnt. Aber bei CmiA mischen auch staatliche Institutionen, die Welthungerhilfe und der NABU mit.

Vermutlich fehlt es in den Organisationen häufig schlicht an Expertise, um die Tragweite von Konzepten wie CmiA und Better Cotton sowie vor allem auch der Unterstützung dieser Konzepte durch zivilgesellschaftliche und staatliche Akteure richtig einzuschätzen. Grüne Modeaktivisten, Label-Macher und Ladenbetreiber sind gefragt, um diese Wissenslücken durch Vernetzung und Austausch zu füllen. Eine gute Gelegenheit bietet der Workshop „Change your Cotton“ auf der Ethical Fashion Show (Anmeldung und Beschreibung weiter unten auf der Seite), an dem auch Vertreter von CmiA und Puma teilnehmen.

Von den Mitgliedern der Better Cotton Initiative und CmiA ist zu fordern, dass sie ihre Konzepte maximal als „nachhaltigere„, auf keinen Fall jedoch als wirklich „nachhaltige Baumwolle“ vermarkten. Und auch darüber hinaus ist eine ehrliche und transparente Kommunikation unabdingbar, findet auch Baumwollexpertin Alexandra Perschau von Future for Cotton.

Perschau benennt 3 zentrale Vorraussetzungen, unter unter denen CmiA und Better Cotton tatsächlich einen positiven Beitrag zu einer nachhaltigeren Faserproduktion leisten könnten:

1. Wir brauchen jährliche Fortschrittsberichte, um zu sehen, ob die anvisierte Komplettumstellung auch wirklich umgesetzt wird.

2. Es muss deutlich gemacht werden, welche Anteile die unterschiedlichen Konzepte am Gesamtvolumen haben.

3. Es braucht Ausbauziele auch für Bio- und Bio-Fairtrade-Baumwolle, damit diese höheren Standards nicht zugunsten von Better Cotton und CmiA zurückgedrängt werden.

Mal sehen was die Herren von Puma und CmiA in Berlin dazu sagen.

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die gruene wiese in Münster - einen der größten grünen Concept-Stores in Deutschland mit angebundenem Onlineshop. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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21 Kommentare auf "Mehr nachhaltige(re) Baumwolle bei den Großen?"

1 | faireni

Juni 21st, 2012 at 13:34

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Das ist zwar schon ein Schrit in die richtige Richtung, aber aus meiner Sich noch weit entfernt von dem was möglich wäre. Es geht ja nicht nur um die Fasern, sondern auch um die Menschen die die Textilien herstellen und das ist nach meinem Kenntnisstand noch alles andere als fair.

2 | Lars

Juni 21st, 2012 at 15:14

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@faireni: auch schon auf Ebene des Baumwollanbaus sind Better Cotton und CmiA ja weder fair noch bio.

Wegen der Absage an Preise über Weltmarktmarktniveau, der täuschenden Nutzung des Nachhaltigkeitsbegriffs und der Zulassung von gentechnisch verändertem Saatgut im Falle von Better Cotton frage ich mich, ob diese Schritte überhaupt in eine wünschenswerte Richtung gehen.

Zumindest leisten sie einer weiteren Neoliberalisierung des Nachhaltigkeitsbegriffs Vorschub und dass dieser eh bereits ruiniert ist, lasse ich hier nicht als Entschuldigung gelten.

Was meint ihr? Sind sind CmiA und Better Cotton ein Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Textilindustrie oder schlicht Greenwashing oder was sonst?

3 | Marco

Juni 21st, 2012 at 17:55

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Lieber Lars,

könnte ja auch rumkommen und es Dir persönlich sagen, aber so mag ja vielleicht noch jemand anders mitlesen. Im Prinzip stimme ich Dir 100 % zu, diese ganzen Schein-Nachhaltigkeits-Projekte sind totaler Quatsch und sorgen nur für Verwirrung bei den Menschen.

Ein klein wenig Kritik habe ich trotzdem. So hat der Rückgang in der Produktion laut Textile Exchange v.a. mit Mangel an nicht-genmanipuliertem Saatgut und strengeren administrativen Regularien in Indien zu tun, wo der Markt deshalb fast um 50 % eingebrochen ist. Vielleicht ist das aber gar nicht schlecht, schließlich gab es zuletzt Wachstumsraten von 30 % p.a. und mehr vermeintliche Bio-Baumwolle auf dem Markt, als geerntet wurde. Und die Gefahr, dass am Ende ein Haufen konventionelle Baumwolle als Bio-Produkt verkauft wird, schadet der ganzen Sachen enorm.

Davon abgesehen finde ich, dass man die Green-Washing-Keule nicht immer gleich der ganzen Branche überziehen muss. Wir reden hier schließlich von riesigen Konzernen, bei denen viele Interessengruppen – nicht zuletzt Mitarbeiter, aber natürlich auch Aktionäre – ihre Finger im Spiel haben. Also von heute auf morgen sind da Veränderung nicht zu erwarten. Außer mit einer Revolution, aber das lassen wir jetzt mal.

Wenn dann ein Unternehmen wie C&A konsequent seinen Bio-Anteil erhöht und mittlerweile die Nr. 1 weltweit ist, ist das respektabel. Wir reden schließlich von einem Konzern mit vergleichsweise kleinem Markt (= Europa), asiatische Unternehmen tauchen hier gar nicht auf. Klar, jetzt haben wir noch nicht über Arbeitsbedingungen gesprochen, ein super wichtiger Punkt. Trotzdem bleibt C&A zumindest in punkto bio am Ball. Und irgendwer muss das Zeug halt zu den Massen bringen … Der viel zitierte Wal Mart ist aus den Top 10 übrigens mittlerweile raus, H&M verarscht die Leute mit irgendwelchen Mix-Produkten. Ich finde, das kann man unterscheiden.

Grüße, Marco

4 | Sascha

Juni 21st, 2012 at 19:34

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Für mich passen solche Maßnahmen in den aktuellen Zeitgeist nach dem Motto: ‚Wir verbessern ein bisschen, damit alle ein besseres Gewissen haben, aber packen die Probleme nicht substanziell an‘.

Rio+20 zeigt doch ziemlich genau wohin das führt. In den letzten 20 Jahren ist der CO2-Austoß weiter gestiegen, die Weltmeere leerer gefischt und weiter Wälder abgeholzt worden.

Glaubhaft sind solche Initiativen nur, wenn der Begriff ‚nachhaltig‘ auch wirklich ‚nachhaltig‘ meint:
Nur so viele Ressourcen zu verbrauchen, dass auch in 100 Jahren noch welche da sind; sichere und gute Arbeitsplätze schaffen, damit auch ein wenig Wohlstandszuwachs entstehen kann.
Und wenn eine solche ‚echte Nachhaltigkeit‘ nicht tatsächlich als Ziel formuliert wird, dass mit einem konkreten Zeitplan erreicht werden soll, halte ich das für Augenwischerei.

Interessant finde ich in einem solchen Zusammenhang die Forderung nach einem ‚Level Playing Field‘ also verbindlichen Regeln, was als nachhaltig oder CSR bezeichnet werden darf. Nur wenn sowas auch mit Rechtsmitteln eingeklagt werden kann, kommen wir da weiter.
Und am besten sollten dann auch noch nicht-nachhaltige Produkte mit Strafzöllen belegt werden.

5 | anna Meier

Juni 22nd, 2012 at 07:29

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klar sind die Nachhaltigkeit des Anbaus, Transport und die Arbeitsbedingungen wichtige Punkte beim heutigen Verständnis des Bio-Anbaus, doch für mich als Verbraucher sind der Verzicht auf chemische oder biologische Pestizide und chemische Verarbeitungsmehoden am wichtigsten.
Mein primäre Antrieb Bio-Produkte zu kaufen ist meine Gesundheit.
Beim Lesen solcher Artikel wird jedoch etwas immer deutlicher – der Begriff „Bio“ ist nicht nur nicht geschützt, sondern auch den Meisten in der Definition nicht klar. Es wäre schön einen klar definierten und geschützten Begriff zu kreieren, der die Gesundheit des Verbrauchers schützt. Dieser soll vor Pestiziden aller Art, Weichmitteln und sonstigen chemischen Substanzen geschützt werden. In einem weiteren Schritt könnte man unter einem zweitem Begriff die Nachhaltigkeit, die Arbeitsbedingungen und ähniche soziale und ökologische Aspekte zusammenfassen. Der dritte Begriff „faire trade“ existiert bereits und könnte sich dann auf den gerechten ökonomischen Handel begrenzen.
Im Moment verliert man jedoch den Überblick und das Vertrauen in die meisten Organisationen, die ohne externe Kontrolle den Markt mit Pseudo-Bio-Ware überschwämmen. In wieweit ist der Konsument heute informiert und geschützt?

6 | Bernd W.

Juni 22nd, 2012 at 13:45

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GOTS-Zertifikat und Mitgliedschaft in der fairwearfoundation sind für mich Kriterien, nach denen ich meine Entscheidungen in Sachen Kleidungskauf ausrichte. Der Begriff „bio“ ist meiner Meinung nach auf dem Weg zum Pejorativum.

7 | Lars Wittenbrink

Juni 23rd, 2012 at 18:36

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@Marco: Von C&A gibt es meines Wissens bisher auch keine mittel- und langfristigen Anteilsziele für Bio-Baumwolle. Allgemein wird eine weitere Steigerung versprochen. Allerdings auf einer Website, die auch behauptet, dass man sich seit jeher stark für Mensch und Umwelt einsetzt und die Kooperation mit Shell in Sachen Bio-Baumwolle abfeiert (Video angucken!):
http://www.c-and-a.com/at/de/corporate/fashion/highlights/bio-cotton/

h&m ist dafür bei den Nicht-Baumwollfasern weiter mit den ökologischen Alternativen Tencel und Recyclingpolyester. Substanziell nachhaltiger Wirtschaften – insbesondere bei Themen wie Arbeitsbedingungen, Produkt-Recycelbarkeit, Verlangsamung der Konsumzyklen, Langlebigkeit der Produkte – tun beide nicht.

8 | Lars Wittenbrink

Juni 23rd, 2012 at 18:51

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@Sascha: Der „Level Playing Field“-Ansatz klingt gut. Schwierig wirds nur, wenn das Einstiegslevel zu gering ist und plötzlich alles auch noch mit Absegnung von „unabhängiger Stelle“ grüngepinselt wird. Das Problem haben wir ja z.b. beim Global Compact. Gibts da bereits Initiativen?
Sozial-ökologische Marktzugangsbarrieren finde ich auch ein unverzichtbaren Konzept. Aber auf welcher Ebene (Staat, EU, Welthandel?) und wie durchsetzen?

9 | Lars Wittenbrink

Juni 23rd, 2012 at 18:51

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@Anna: Ja, das „Bio“ im Zusammenhang mit Kleidung nicht wirklich geschützt ist, ist ein Problem. Die Textilriesen nennen ihre hellgrüne Baumwolle aber auch nicht „bio“, sondern „nachhaltig“, was sie natürlich genausowenig ist.

Geschützte Begriffe funktionieren in diesem Kontext denke ich nur, wenn es ein unabhängiges Kontrollsystem samt Siegel und Sanktionen bei Verstößen gibt. Wie bei Bio-Lebensmitteln braucht es dafür einen staatlich geschützten Standard. Über das Für und Wider eines staatlichen „Bio“ und/oder“Fair“-Standards für Kleidung wurde schon viel diskutiert. Erkennbarkeit/Eindeutigkeit vs. Gefahr des kleinsten gemeinsamen Nenners sind da die Hauptachsen.

„Schadstofffrei“ zu schützen wäre weniger problematisch. Könnte aber auch dazu führen, dass Gesundheitsbiokäufer dann wieder konventionell einkaufen und einige Hersteller schlicht noch ein paar Waschgänge hintendranhängen, um schadstofffrei draufdrucken zu können.

Nicht absolute Freiheit von petrochemischen und synthetischen Substanzen, aber Unterschreitung strenger Grenzwerte für das Endprodukt bieten bluesign, IVN, GOTS, Naturland und auch Ökotex. Letzteres sagt dann aber zumindest in der Ökotex 100-Version wirklich überhaupt nichts über die umweltverträglichkeit der Produktion aus.

Wenn es vorrangig um Schadstofffreiheit geht, dann reicht es eigentlich auch, wenn Sachen gut gewaschen sind. Secondhand-Klamotten sind daher gesundheitlich, aber auch ökologisch top. Natürlich sind auch in gewaschenen Klamotten noch Spuren von dem drin, was so im Produktionsprozess verwendet wurde. Gesundheitlich gefährlich ist das aber in der Regel nicht.

Problematisch sind weniger die Substanz-Konzentrationen in der hier verkauften konventionellen Kleidung, als die Konzentrationen in den Flüssen der Produktionsländer. Etwas anderes ist es natürlich, wenn individuelle Allergien oder andere Reaktionen auf bestimmte Substanzen vorliegen.

10 | Lars Wittenbrink

Juni 23rd, 2012 at 18:52

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@Bernd: Mit Wikipedias Hilfe, Zustimmung! Die Riesen aller Branchen werden aber auch jeden neuen Begriff mit dem wir eine ökologischere, fairere und solidarischer Weise zu leben und zu wirtschaften bezeichnen und damit von ihren Konzepten abgrenzen mit allen Mitteln an sich reißen, verwässern und umdeuten.
Ich bin nicht bereit diese Begriffe herzugeben. Wir sollten denen lieber ihr CSR vor die Füsse spucken und deutlich machen, dass das eigentlich nur eine Abkürzung für Greenwashing, Geschwätz und Papierverschwendung ist.

11 | derisa reson

Juni 26th, 2012 at 23:44

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guter artikel, nur die schriftart macht das lesen zur tortur (so schön sie auch anzusehen ist)

12 | Lars Wittenbrink

Juni 27th, 2012 at 09:17

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@Derisa: Dankeschön! Wir werden mal eine Schriftart suchen, die zugleich schön anzusehen und schön zu lesen ist.

13 | Sascha

Juli 11th, 2012 at 10:25

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@Lars:
– Es gibt ja zumindest von der EU eine Definition von CST, die deutlich strenger ist, als das was allgemein so bezeichnet wird. Da müssen grob gesagt echte Verbesserungen im Kerngeschäft der Unternehmen stattfinden. Das sollte natürlich noch strenger werden, aber immerhin wäre es schon ein Fortschritt, wenn diese Richtlinien auch eingehalten und CSR-Reports verpflichtend für größere Unternehmen werden. Ich kann da nur das Buch von Gisela Burckhardt ‚Mythos CSR‘ empfehlen. Hier auch ein Link zu einem Interview mit ihr: http://www.evidero.de/artikel/mythos-csr-interview-mit-gisela-burckhardt

Politisch müssen wir da erstmal in der BRD und auf Ebene der EU ansetzen. Den Welthandel können ‚wir‘ (als in Deutschland lebende) ja nur – zumindest institutionell gesehen – über diesen Ebenen beeinflussen. Schlimm ist doch, dass BMZ und Co. bei diesem Greenwashing mitmachen.
Auf kommunaler Ebene ginge ja z.B. ganz konkret was. Nachhaltige Beschaffung kommunaler Einrichtungen hat z..B. eine wichtige Multiplikator*innenfunktion. Und schließlich hat der Staat einen nicht unerheblichen Anteil am BIP, so dass die Summe von Geld, das von konventionell zu ‚wirklich nachhaltig‘ umverteilt würde nicht unerheblich wäre.

14 | Lars

Juli 12th, 2012 at 08:39

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Hey Sascha,

finde ich einen sehr guten Ansatz mit dem verpflichtenden Reporting. Auch wenn die breite Masse diese Reports nicht liest, haben andere Akteure die Chance diese auszuwerten und die Informationen zugänglicher aufzubereiten.

Allerdings bräuchte es schon auch eine externe Prüfung der Berichte in Bezug auf Kriterien wie sie im Leitfaden der Global Reporting Initiative vorgesehen sind: Wesentlichkeit, Einbezug von Stakeholdern, Nachhaltigkeitskontext, Vollständigkeit, Ausgewogenheit, Klarheit, Genauigkeit, Aktualität, Vergleichbarkeit und Zuverlässigkeit.
Was die darunter verstehen hier:
https://www.globalreporting.org/resourcelibrary/German-G3-Reporting-Guidelines.pdf
Zwischen Unternehmenskommunikation und Unternehmenshandeln klafft ja nun einfach oft eine große Lücke.

So läuft das ja auch im Gemeinwohl-Ökonomie-Konzept. Es gibt ein standardisiertes Reporting, das extern geprüft wird und die Gemeinwohl/Nachhaltigkeitsperformance gibt dann auch Ausschlag für Steuervorteile und öffentliche Beschaffung. So werden positive Anreize zu mehr ernsthafter Gemeinwohlorientierung gesetzt.

Was wiederum „Gemeinwohl“ ist, erarbeiten offene Wirtschaftskonvente und wird letztlich per Volksabstimmung festgelegt.

15 | Grüne Mode – Kirsten Brodde – Blog » Blog Archive » Rückblick Berlin Fahion Week 2012

Juli 12th, 2012 at 18:01

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[…] werden diese Ansätze schön täuschend als “nachhaltige Baumwolle” zusammengefasst (Grüne Mode berichtete). Neu war für mich dieses schon etwas peinliche Video, das mit einem Aufruf endet, jetzt ganz […]

16 | Grüne Mode – Kirsten Brodde – Blog » Blog Archive » Baumwoll-Grünwäscher schließen Partnerschaft

August 9th, 2012 at 09:02

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[…] in der Pressemitteilung. Ein ausgehöhlterer Nachhaltigkeitsbegriff ist mir selten untergekommen. Wie Grüne Mode berichtete ist die vermeintlich “nachhaltige” Baumwolle schließlich weder ökologisch […]

17 | Grüne Mode – Kirsten Brodde – Blog » Blog Archive » Have you cottoned on yet?

Oktober 15th, 2012 at 12:13

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[…] sowie ihre Mitgliedsunternehmen ihre Baumwolle ganz dreist als “nachhaltige Baumwolle” (Grüne Mode berichtete). Und das obwohl sie weder “bio” noch “fair trade” […]

18 | Bernd W.

November 4th, 2012 at 11:21

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Habe genau zu dem Thema einen sehr passenden Spruch gelesen:
„Sustainable Development is like Teenage Sex. Everybody claims to do it but most aren’t and those who are doing it very bad. “
Ich sehe Bioprodukte immer skeptisch und denke dabei an diesen eingänglichen Spruch.

19 | Grüne Mode – Kirsten Brodde – Blog » Blog Archive » Grüne Harmonie bei den Textilriesen

November 7th, 2012 at 20:09

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[…] Generell gibt es nur Pluspunkte für positiv bewertete Materialien und Prozesse, aber keine Abzüge für die Verwendung besonders umweltschädlicher Materialien wie PVC oder konventionelle Baumwolle oder das fehlen jeglicher Kläranlagen. Das Produkt ist dann einfach nur etwas weniger gut. Brisant auch: für die Verwendung von Bio-Baumwolle gibt es genauso viele Punkte wie für die Verwendung von Baumwolle aus den weder biologischen und fairen Anbausystemen Cotton made in Africa (CmiA) und Better Cotton. […]

20 | Manuela

Februar 11th, 2014 at 11:39

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Bei allem was sich heutzutage „fair“, „nachhaltig“ oder sonst wie nennt gibt es doch ein Grundproblem: das Label soll immer mehr versprechen als es wirklich beinhaltet. Will heißen: dem Konsumenten wird ständig ein größtmögliches Maß an Nachhaltigkeit vorgegaukelt. Ich denke kaum, dass Puma da irgendetwas dran ändern wird. Denn wirklich nachhaltige Kleidung würde auch die Preise zu stark erhöhen und damit doch den Kunden verschrecken. Da stecken die CEOs lieber Geld in große Werbekampagnen, die billig produzierte Kleidung schmackhaft machen. Ich denke, es muss sich etwas Grundsätzlicheres an der Marktstruktur ändern. Sonst wird dieses Spiel der Täuschung einfach immer weitergehen.

21 | Beate Rukschcio

Oktober 23rd, 2014 at 14:50

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Ich wünsche mir den persönlichen Kontakt via Telefon
danke