30 Aug, 2016

Grünschattierungen

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Grüne Mode wächst und bekommt auch (social-)medial immer mehr Aufmerksamkeit. Das ist natürlich super, aber wie immer, wenn auch nicht mit den Werten verwurzelte Unternehmen anfangen in einer nachhaltigen Nische mitzumischen, gerät der ethische Anspruch der Pioniere unter Druck. Ausgelöst durch die zunehmende Menge an hell- bis gar nicht grünen, aber dennoch grün präsentierten Labels bei der FashionWeek in Berlin sowie in vielen Modeblogs, möchte ich nochmal zu einer Frage zurückkehren, die auch am Anfang dieses Blogs stand. Was ist eigentlich grüne/öko-faire/nachhaltige Mode oder wie immer wir es nennen wollen und was nicht?

Mein Zugang zu Mode war geprägt von Streetwear. Skateboard- und Punk-/Hardcore-sozialisiert führte Mitte der 90er kein Weg vorbei an Baggy-Pants, Logo-Shirts und Sneakern der einschlägigen Brands wie Vision Street Wear, Volcom, Airwalk, Vans und Co. Jung und naiv war ich da noch in dem Glauben, die Produkte und Unternehmen der Subkulturen entstammten einer irgendwie weniger ausbeuterischen, ja weniger kapitalistischen Parallelwirtschaft. Leider ist in der Mode auch “small” sehr oft nicht “beautiful”, wenn es um Mensch und Umwelt geht. Die Hälfte dieser Brands gehört zudem inzwischen dem Textilriesen VF Corporation und die Hälfte des Skateschuhmarktes Nike SB (SB = SkateBoard), aber das soll hier nicht weiter interessieren.

Streetwear stand jedoch auch am Beginn der zweiten grünen Modegeneration. Brands wie kuyichihowies und bald auch Armedangels waren es, die in den Nullerjahren zeigten, dass zeitgemäße Streetweardesigns auch in grün umgesetzt werden können. Und wie zu dieser Zeit noch in keinem anderen Modesegment (abgesehen von der Outdoorbranche, soweit die als Mode zählt) experimentierten auch konventionelle Streetwear-Brands mit hellgrünen Linien. Davon ist nur wenig übrig geblieben. Etnies Seed Project, Volcom V.CO-Logical, Carhartt Organic – alles längst wieder Geschichte oder zumindest deutlich zusammengeschrumpft. Nur Element hat weiter stetig ein paar grün angehauchte Styles in der Kollektion. Ein grünes Brand ist Element damit für mich aber noch lange nicht.

Das grüne Thema erfährt jedoch jüngst erneut Auftrieb in der Streetwearbranche, die sich im Zuge der Auflösung der Grenzen zu Fashion und Casual neu zu definieren versucht. Waren schon die frühen grünen Vorstöße konventioneller Streetwearbrands meist nicht sehr ambitioniert und in der Verwendung von Bio-Baumwolle ohne ökologische Verarbeitung erschöpft, reicht heute bereits ein Baum als Logo oder der explizite “Verzicht” auf in Streetwear sowieso kaum verwendete tierische Materialien, damit sich ein Label die grüne Krone aufsetzt. Doch vegan = nachhaltig gilt auch in der Mode nicht. Gleichzeitig gibt es auch ambitioniertere Schritte Richtung grün, wie z.b. die GOTS-zertifizierten Teil-Kollektionen von Ragwear oder Skunkfunk. Die Mehrheit des Sortiments bleibt jedoch auch hier konventionell.

In grüne Modefachgeschäfte (Ethical Fashion Stores) gelangen entsprechend auch diese hellgrünen Teil-Kollektionen in der Regel nicht. Zum Einen fehlt ihnen meist eine soziale Zertifizierung, denn die Styles sind oft in sogenannten High Risk Countries hergestellt. So nennen NGOs wie die Clean Cloth Campaign und Zertifizierer solche Länder, in denen der Staat nicht Willens oder nicht in der Lage ist, grundlegende Arbeitsrechte zu garantieren. Der GOTS-Standard wiederum gilt NGOs wie Wissenschaftlern als ökologisch top, aber auf der sozialen Seite nicht ausreichend zur Absicherung von Mindeststandards. Zum Anderen bewerten viele Ethical Fashion Stores die von ihnen angebotenen Marken nach ihrem Gesamtsortiment. Damit schützen sie sich und die wirklich grünen Labels auch vor Trittbrettfahrern aus der konventionellen Industrie, die mit kleinen Nebenlinien die bewussten Konsument_innen mitbedienen wollen. Sonst läuft es schnell wie bei den veganen und vegetarischen Angeboten der Fleischindustrie, die in windeseile die Produkte der veganen und oft auch ökologisch orientierten Pioniere aus den Supermarktregalen verdrängt haben.

Ethical Fashion Stores richten sich bei ihrer Sortimentspolitik bisher häufig nach der Kriterienmatrix, die wir auch für die Grünen Listen hier im Blog verwenden. Erarbeitet wurde diese Einordnungs- und Bewertungshilfe von Expert_innen aus Wissenschaft, NGO-Sektor, Fachhandel sowie der Fachmessen Ethical Fashion Show und Green Showroom. Aufgrund der vielen verschiedenen Zertifikate und Materialien in der Textilindustrie ist sie leider ein kleines Abkürzungsmonster.

Der mit dieser Kriterienmatrix festgelegte Mindestanspruch ist nicht besonders hoch, aber es ist ein Doppelanspruch. Er besagt: “Öko und Fair gehört zusammen.” Auf unterstem Level genügt es in den Nähfabriken/Nähereien grundlegende Arbeitsrechte durch unabhängige Kontrollen nachzuweisen oder in einem Land mit ausreichenden garantierten staatlichen Standards zu produzieren. Gleichzeitig müssen für mindestens 70 % der Kollektion nachhaltige Materialien verwendet werden. Nachhaltig heißt hier mindestens so umweltverträglich wie Bio-Baumwolle. Besser ist natürlich in allen Dimensionen immer erlaubt und wird von sehr vielen grünen Labels erfüllt. Unter den konventionellen Brands sind hingegen auch die grünorientiertesten noch weit vom untersten Level des Mindestanspruchs entfernt.

Ursprünglich war auch das heute gerne als Primus gefeierte schwedische Brand Nudie Jeans “nur” ein fair produzierendes, aber kein grünes Label. Schritt für Schritt haben die Schweden erst die komplette Jeanspalette auf “bio” umgestellt und dann nach und nach auch fast alle anderen Materialien und Produkte. Der komplette Wandel vom konventionellen zum grünen Label ist also durchaus möglich und es ist großartig, wenn er gelingt.

Zugleich gibt es aber leider auch eine ganze Reihe von grünen Labels, die in den letzten Jahren vom nachhaltigen Pfad abgekommen sind. Das ist sehr schade, aber es scheint mir wichtig, dass wir das offen ansprechen. Diese Labels weiterhin in die grüne Schublade zu stecken wird auch denen nicht gerecht, die sich umso mehr anstrengen und den Anspruch wirklich einlösen. Im von mir mitbetriebenen Laden “gruene wiese” mussten wir uns vor einigen Jahren mit “howies” von einem meiner Lieblingslabels trennen, weil dieses nach Ausstieg des Gründerpärchens andere Prioritäten setzte. Heute verwendet howies nur noch dort nachhaltige Fasern, wo dies recht einfach und kostengünstig zu realisieren ist. Das junge Männer-Label ATF schwenkte nach wenigen Saisons um und verzichtet heute fast vollständig auf Organic-Stoffe. Beim surf-routet Label Twothirds wurde zuletzt oft Better Cotton (BCI) statt Organic Cotton eingesetzt, aber eine Rückkehr zur konsequenteren Verwendung nachhaltiger Fasern ist geplant. Deutlich mehr Better Cotton als Organic Cotton gibt es inzwischen auch in der Kollektion des niederländischen Jeans-Labels Mud, das vor einigen Saisons mit seinem Jeansleasing-Konzept für Schlagzeilen sorgte.

Der Doppelanspruch “Öko+Fair” ist für kleine Labels eigentlich nicht kompliziert. Viele produzieren wegen der geringen Stückzahlen eh in Low Risk Countries in Europa. Sie müssten also eigentlich nur noch nachhaltige Stoffe verwenden und hätten damit beide Seiten abgedeckt. Aber die ökologische Komponente schränkt in der Materialauswahl ein und steigert die Materialkosten teilweise deutlich. Das merken vor allem modischere Labels, die auch andere Fasern als Baumwolle verwenden wollen. Wo konventionelle Labels billige Viskose oder Polyester einsetzen, zahlen grüne Labels deutlich mehr, wenn sie alternativ mit Lyocell (TENCEL, Monocel) arbeiten. Gerade weil das so ist, finde ich es umso wichtiger, dass wir als Blogger_innen, Händler_innen, Kampaigner_innen und Multiplikator_innen den grünen Stempel nicht voreilig vergeben, sondern genau hinzuschauen. Geht es weiter wie bisher, wird die Vorstellung davon, was grüne Mode ist, bei Verbraucher_innen und Modemacher_innen weiter verschwimmen und die hellgrünen Trittbrettfahrer mit ihren geringeren Kostenstrukturen werden die dunklegrünen Pioniere auch in der Modebranche in immer größere Bedrängnis bringen. Und dabei hoffe ich ja eigentlich gerade auf das nächste Level (Close the Loop, please!). Mehr über geschlossene Kreisläufe bald!

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die gruene wiese in Münster - einen der größten grünen Concept-Stores in Deutschland mit angebundenem Onlineshop. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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Muss ein Irrtum sein, habe ich gedacht. “Feuerwear” – Taschen-Label aus Köln – will Rucksäcke machen und dann auch noch welche für Frauen!  2013 klang Firmengründer Martin Klüsener  – hier im Grüne-Mode-Blog – noch so:

“Sie sind einfach ein “Männerlabel”, sagt Martin Klüsener und wird auch bei seiner Zielgruppe bleiben und bei Taschen&Accessoires. Das macht übrigens auch vom Material her Sinn. Denn der Feuerwehr-Schlauch ist sehr geradlinig, hart und “eckig” – selbst komplizierte Schnitte, die etwa für Rucksäcke nötig wären, sind schon schwierig.”

“Man muss Entscheidungen in Frage stellen können”, erklärt Martin drei Jahre später selbstbewusst – viele Frauen kauften beim Kölner Kultlabel und jede Menge echte Feuerwehrfrauen hätten das Modell mega-gut gefunden plus die Ladies, die den kürzeren “Elvis” (Bild links) getestet hätten. Die Testerinnen seien nicht nur vom angenehmen Tragekomfort, sondern auch vom praktisch-strengen Design und den Farben Rot, Weiß und Schwarz begeistert gewesen. Der Grundschnitt ist übrigens derselbe wie beim Männer-Pendant “Eric” (im Bild oben rechts). Ab 31. August ist “Elvis” im Handel zu haben.

Man mag darüber streiten, ob der gebrauchte Feuerwehr-Schlauch nicht ohnehin ein bisschen zu schwer ist für Lasten-Taschen jeder Art, aber sicher ist auch, dass viele Rucksack-Modelle leichter, aber eher unpraktisch-originell sind und deshalb nicht alltagstauglich.

Ich teste also das Frauen-Modell bei einer Reise, denn Rucksäcke gehören zu meiner Dienstuniform als Greenpeace-Aktivistin. Früher hätte ich wohl als Begleiter einen Seesack gehabt. Ich brauche Platz für Laptop und sämtlichen Krimskrams, den man so mit sich rum trägt. Und ich will Fächer, in denen ich Hab und Gut unterbringen kann. Auf der Plus-Seite: Man kann dank etlicher Innentaschen total ordentlich mit dem “Elvis” sein und das wird viel zu selten mit Beifall belohnt. Auf der Minus-Seite: Der Stauraum ist mir zu klein – obwohl sich das Volumen sogar von 7 auf 13 Liter fast verdoppeln lässt. “Elvis” hat bereits einen Design-Preis bekommen, aber mir will der Rucksack zuviel. Er hat zwei markante Henkel an der Oberseite, damit er auch als Handtasche getragen werden kann. Mir sind diese beiden Henkel beim Befüllen des Rucksacks ständig im Weg – ich hätte darauf verzichtet. Kurz und gut: Das Frauenmodell ist keine Sommerliebe, mir gefällt das Männer-Modell “Eric” deutlich besser. Das Trageklima ist durch die Lochgewirke auf der Rückseite der Rucksäcke übrigens sehr gut, denn die Luft kann zirkulieren.

Aber gerade das Material des Lochgewirkes bringt mich zu der Frage, was eigentlich neben dem gebrauchten Feuerwehrschlauch (klares Upcycling) an NEUEM Stoff im Rucksack steckt? “Alles, was grau-anthrazit ist am Rucksack, ist neu”, sagt Martin Klüsener offen und klar, beispielsweise die Gurtbänder.  Aber sie verwendeten Verschnitte und Reste, die in der Autoindustrie abfallen würden, etwa PVC-Planen, die sie direkt vom Produzenten bekommen. Das umweltschädliche PVC ist eigentlich ein absolutes No-Go für mich, auch wenn es hier “Pre-Consumer-Waste” ist und sonst auf dem Müll landete.

Feuerwehrschlauch als einziges Material machte das Produkt tatsächlich zu schwer – Klüseners Team experimentiert mit Materialien und ist ständig auf der Suche nach Alternativen, etwa aus der Recycling-Material. . “Wir sind schon viel filigraner geworden”, ergänzt Martin. Die Nähereien in Polen und Serbien, mit denen sie seit langen Jahren arbeiten, hätten viele neue Lösungen gefunden. Mit seinem Upcycling-Konzept ist Feuerwear seit 1o Jahren am Markt und verarbeitet täglich 100 Meter Schlauch in neue Produkte.

2013 hatte Martin mir von einer möglichen US-Expansion erzählt, aber dann heraus gefunden, dass die amerikanischen Schläuche ganz anders seien und ein Riesen-Problem in der Verarbeitung. “Wir springen nicht leichtfertig auf Sachen auf”, sagt Martin. Sie überlegten dreimal, was sie finanzierten. “Wir sind spießig, was die Finanzplanung angeht”  und hätten nie einen Kredit aufgenommen, auch um unabhängig zu bleiben. Tatsächlich haben viele Label ihre konsequente ökologische Identität eingebüßt, als die Gründer Geld von außen nahmen, um zu wachsen (etwa Howies oder Kuyichi). Das muss nicht passieren, aber ein “spießiger” Umgang mit Geld ist in dieser Hinsicht echt liebenswert.

“Feuerwear” lädt im September übrigens zum Blick hinter die Kulissen ein und weil die Mädchen-Produkte jetzt ja im Einsatz sind, warte ich logisch nun auf: KULTURBEUTEL.

     
 Kirsten   Kirsten Brodde, Blog-Gründerin und Autorin von "Saubere Sachen", hat das Thema Ökomode quasi aus dem Nichts entwickelt. Sie arbeitet als Greenpeace Detox-Campaignerin bei Greenpeace Deutschland.

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Wer wie ich immer geglaubt hat, dass die Innatex etwas piefig ist und ein Reiseziel für die älteren Semester, der sollte mal hinfahren nach Wallau. Es ist nicht alles toll auf den 11.000 Quadratmetern, aber der Wille zur Erneuerung ist allerorten zu beobachten. Frische Labels sind da, interessiertes Großstadt-Publikum, junge Blogger-Szene und viele der Pioniere. Außen ist es immer noch ein bisschen “Fachwerk”, aber innen ist es modern. Manchmal fragt man sich, wer wohl die Nachfolge bei etlichen etablierten Naturtextil-Labeln antreten wird – aber wenn die Familie nicht parat steht, gibt es eine ganze Generation von jungen Modedesignerinnen, die vielleicht einsteigt?

Neue Töne gab es durch das Bloggertreffen mit den Gründerinnen und Macherinnen von TerraVeggia, Fashion Fika (schwedisch für “Pause machen), Jäckle und Hösle oder Aethic oder Farbenfreundin, die Bloggen als Business sehen und keine Lust mehr haben, nur mit Goodie Bags, Handcremes und Duschgels honoriert zu werden (“Meine Wohnung ist ja kein Warenlager”). Und nicht jeder Blog-Eintrag müsse der “deepeste Scheiß” sein, nicht alles Hardcore, es ginge eben auch mal darum, sich beim Lesen berieseln zu lassen. Kann ich verstehen, obwohl ein tragender Gedanke und ein schöner Satz eigentlich trotzdem in jeden Blog-Beitrag gehört. Gerne zugehört habe ich den offenen Schilderungen und praktischen Ratschlägen von Franziska Schmid von Veggie Love (“Wo ist eigentlich euer Mega-Schmerzpunkt beim Bloggen?), die beispielsweise beschrieb, wie schwer es nach einer Pause ist, wieder Reichweite zu erzielen. Ihre Rezepte sind für jeden Neu-Einsteiger Gold wert.

Mich plagt ja eher das Gefühl, alles schon gesagt zu haben. Deshalb ist es gut zu sehen, dass Jüngere angefixt sind, über Öko-Mode und das Bekenntnis zu einem anderen Lebensstil zu schreiben. Dass ich zuviel Nettigkeit nichts abgewinnen kann, habe ich auch gesagt. Aber was erwartet ihr von jemanden, der sich dem politischen Aktivismus verschrieben hat? Die Welt ist noch nie im Konsens verändert worden, sondern immer gegen den Widerstand derjenigen, die sich nicht auf neue Verhältnisse einstellen wollten.

Die Bloggerinnen saßen auch in der ersten Reihe bei der Panel-Diskussion, auf welchen Social-Media-Kanälen man eigentlich Eco-Label bekannter machen kann. Mit dabei waren Michael Spitzbarth von “Bleed”, Benjamin Itter von “Lebenskleidung”, Mimi Sewalski vom “Avocado-Store” und ich (Greenpeace Detox-Kampagne). Gut moderiert war der Experten-Talk von Fernsehjournalistin Janine Steeger (Green Janine). Der Konsum von Mode hat sich mehr und mehr ins Netz verlagert. Die Deutschen geben Milliarden aus in Online-Shops. Am liebsten bestellen sie Kleidung und Computer. 2015 im Wert von 11,8 Milliarden Euro plus Schuhe im Wert von 3,4 Milliarden Euro – keine Frage: Shopping ist Entertainment geworden. Dabei sollte eigentlich Handeln cool sein und nicht Haben.


Das war jetzt mein schöner Satz.


Auf dem Panel klingt das alles viel amüsanter, wenn es darum geht, auf welchen Kanälen – Twitter, Facebook, Instagram oder Snapchat – man denn präsent sein soll, um sein eigenes Eco-Label, seinen Laden oder seinen Online-Store bekannt zu machen. Patentrezepte gab es nicht, außer dass es nicht nötig ist, jedes angesagte neue digitale Tool auszuprobieren, sondern es gelte, sich zu überlegen, was man denn eigentlich sagen will und zu wem. Die Innatex wird die Expertenrunde für alle auf Youtube abrufbar machen. Und die Mode?

Als ich mit Bloggerin Hindi Kiflai (“Daily Rewind”) über die Innatex schlenderte, fiel uns auf, dass etliche Label wirklich unter verkauft sind und trotz guter Produkte nicht wirklich aus dem Quark kommen. Beispiel gefällig?  Das schwedische Schuh-Label “Kavat” mit ihren eher derben pflanzlich gegerbten Lederschuhen, die dennoch gut zum Rock passen oder zu einer hochgekrempelten Nudie-Jeans. Hier braucht es aber weniger Twitter-Schnipsel als ein hübsches It-Girl, das die Treter auf einem Musik-Festival trägt, so dass die Schuhe zum “ganz großen Ding” werden und als neuer “Statement-Schuh” gefeiert.

Mit meinem Hang zum Minimalismus gefiel mir die neue “Essentials”-Linie von Lanius. Acht ausgeklügelte Business-Basics, die sich perfekt untereinander kombinieren lassen. Feiner sommerlicher Pikee – einmal als Slim-Fit-Zigarettenhose, einmal als Marlenehose in Dark Blue werden kombiniert zur Seidenbluse in Weiß oder Pink. Absolutes Lieblingsteil: der Summerwoolcoat im Farbton Creme in kbt – einfach überwerfen, perfekt für die Übergangszeit. Für mich zu lang, kann man aber einfach unten abschneiden, riet mir Claudia Lanius. Lanius lässt sich übrigens in der “Kleiderei” ausleihen – mein Geheimrezept für einen nachhaltigen Kleiderschrank. Und Schmuck leihe ich dort inzwischen auch. Ansonsten hat mir alles gefallen, was nach Reise aussah und bei mir Fernweh auslöste (floral oder oriental).

 

Kavat

Abends auf der Party habe ich dann schwarze Pluderhose getragen mit einem etwas bekifft aussehendem Seiden-Oberteil von Mandala. Und dann nichts fotografieren und nichts zitieren. Einfach Zusammensein – das ist notwendiger denn je. Danke an Sabine Lydia Müller, ihre Team und die Innatex.

Und jetzt gehe ich in Urlaub.

 

     
 Kirsten   Kirsten Brodde, Blog-Gründerin und Autorin von "Saubere Sachen", hat das Thema Ökomode quasi aus dem Nichts entwickelt. Sie arbeitet als Greenpeace Detox-Campaignerin bei Greenpeace Deutschland.

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Etwas früher als gewohnt liegt die Berliner FashionWeek in diesem Jahr in der letzten Juni Woche. Während auf den konventionellen Messen weiterhin wenige, aber dafür vorrangig die etabliertesten grünen Brands zu sehen sind, hat die Ethical Fashion Show nocheinmal an Ausstellern zugelegt. Es bleibt eine echte Herausforderung, einen Überblick über die grünen Angebote zu bewahren, denn sie werden auf den konventionellen Messen nicht in den Übersichten gekennzeichnet. Wir haben es wieder versucht, aber sicher auch einiges übersehen. Daher freuen wir uns auch dieses Mal über Ergänzungen per Kommentar!

Wie immer können wir keine Gewähr übernehmen, dass alle gelisteten Marken auch wirklich so grün sind, wie sie selbst oder die Messen es versprechen. Gerade bei den neuen Brands ist uns aufgefallen, dass diese häufiger neben grünen auch konventionelle Kollektionen anbieten oder es manchmal nicht so ganz passt mit den ökologischen Materialien (z.b. als Bambus vermarktete Viskose) und sozialen Standards (z.b. WRAP oder BSCI als Beleg einer fairen Produktion). Auch Baumwolle aus den grün-gewaschenen Anbauprogrammen Better Cotton Initiative (BCI) und Cotton made in Africa (CmiA) wird inzwischen leider von vermeintlich grünen Labels verwendet und dann meist als “nachhaltige Baumwolle”/”sustainable cotton” ausgewiesen.  Also bitte immer nochmal nachfragen nach sozialen und ökologischen Standards, Zertifizierungen und Multistakeholder-Initiativen.

Allen Berlinreisenden wie immer eine gute Zeit im Messedschungel. Wir sehen uns auf der Innatex Lounge und sicher auch auf den Messen. Bis Berlin!

 

TRADESHOWS

ETHICAL FASHION SHOW

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GREEN SHOWROOM

ACKERMANN TASCHENMANUFAKTUR | AIKYOU | ALINA SCHUERFELD | ADRIANE’S THREAD | BLUE VALLEY | CARPASUS | COCCON | CUS | DEEPMELLO | DIAMA | ELEMENTUM BY DANIELA PAIS | ELISA F. | FLAVIA ARAHNA | HEART COUTURE | INFANTIUM VICTORIAINTI FERREIRA | JAN `N JUNE | JOHANNA RIPLINGER | JUNGLE FOLK | KARA WEAVES | MARAVILLAS BAGS | MASKA | MUKA VA | NINE TO FIVE | SOMYSO | SOOMESTUDIO ELSIEN GRINGHUIS | STUDIO JUX | SUITE 13 | TUSCHIMO | WERNER SCHUHE | XESS + BABA | ZURITA

 

PREMIUM EXHIBITIONS

ARMEDANGELSLANIUS | LES RACINES DU CIEL | OGNXPHIL & LUI | PHILOMENA ZANETTI | SWELL | WUNDERWERK


SEEK

BROOKS ENGLAND | DEDICATED | DR. BRONNER’S | ECOALF | EKN FOOTWEAR | KAVAT | KNOWLEDGE COTTON APPAREL | K.O.I KINGS OF INDIGO | LEVIT 02 | NUDIE JEANS | PINQPONQ | VATTER | VEJA


PANORAMA BERLIN

NATURAL WORLD | THINK!

 

BRIGHT
AEVOR

 

UPCYCLING FASHION STORE

SEMINARS AND PANEL DISCUSSIONS

TUESDAY 28.06.2016
ETHICAL FASHION SHOW
und GREEN SHOWROOM

10 Uhr Eröffnung. Auf Deutsch.

10.30 Uhr (im Anschluss an die Eröffnung)
Presserundgang (Treffpunkt: Presselounge)

11 Uhr Pressekonferenz TransFair e.V. „Lieferketten nachhaltig gestalten – Fairtrade-Textilstandard und -Textilprogramm“  (Ort: Presselounge, OG Postbahnhof). Auf Deutsch.

14 Uhr
Presserundgang (Treffpunkt Presselounge)

WEDNESDAY 29.06.2016
ETHICAL FASHION SHOW und GREEN SHOWROOM

DTB Infotag: „Responsible Management of Supply Chains Social Compliance and Chemical Input“
Moderation: Rolf Heimann, Vorstand, hessnatur Stiftung
Das offizielle Einladungsschreiben des DTBs mit Informationen zu Programm, Anreise, Hotelempfehlungen und Tagungsgebühren finden Sie hier. Melden Sie sich an per Antwortformular an info@dialog-dtb.de oder per Fax an 089-90129557.

10 Uhr Begrüßung und Einführung durch den DTB und Messe Frankfurt

10:15 Uhr
„Die Folgen des globalisierten Freihandels“, Dr. Sabine Ferenschild, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Südwind e.V.

10:45 Uhr
„Corporate Responsibility Review 2016 – Jahresbericht zur globalen Unternehmensverantwortung“, Lisa Häuser, Senior Analyst, Oekom Research AG

11:30 Uhr
„Transparentes und nachhaltiges Sourcing“, Deniz Thiede, Managing Director, ATICS GmbH

11:50 Uhr
„Nachhaltigkeit, REACh & Co. – Quo Vadis?“, Dr. Dirk von Czarnowski, Vice President Global Chemical, Intertek Holding Deutschland GmbH

12:15 Uhr
Geführte Tour/en über die Messen

12:30
Pressegespräch Bündnis für nachhaltige Textilien / GiZ (diese Veranstaltung ist kein Bestandteil des DTB-Infotags; Ort: Presse Lounge, OG Postbahnhof)

13:45 Uhr
Update Textilbündnis, Dr. Bernhard Felmberg, Ministerialdirigent, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

14 Uhr
Präsentation eines Verbundprojektes zur Förderung der Nachhaltigkeit, Carolin Bohrke, hessnatur Stiftung

14:20 Uhr
„Best Practices Supply Chain Management Transparence”, Prof. Patrick Kugler, HAW Hamburg

14:40 Uhr
„Unternehmen-Kunden-Beziehung im CSR-Kontext“, Prof. Dr. Rudolf Voller, Hochschule Niederrhein

15:15 Uhr
„Des Königs neue Kleider – kommt Transparenz in Mode?“ Diskussionsrunde mit Referenten, Ausstellern und Unternehmen aus der Praxis

 

 

THURSDAY 30.06.2016
ETHICAL FASHION SHOW und GREEN SHOWROOM

10 – 14 Uhr Noveaux Magazin Blogger Lounge. Plattform für Dialog und Netzwerkarbeit zwischen Printmedien und Social Media, mit geführtem Rundgang über die Messen (Treffpunkt für den Rundgang um 11 Uhr in der Lounge).

10 Uhr
„Die wahren Kosten für Baumwolle“, Mariska Przyklenk, Fairtrade Deutschland. Auf Deutsch.

11:30 Uhr
„GOTS und IVN-Best auf den Punkt gebracht.
Wie die Zertifizierung sicher stellt, Forderungen von Gesetzgebern und Nichtregierungsorganisationen zu erfüllen“, Claudia Kersten, GOTS und Heike Scheuer, IVN. Auf Deutsch.

13 Uhr
„Nachhaltigere Fasern und Materialien – von der Planung zum POS“, Simone Seisl, Textile Exchange. Auf Englisch.

14 Uhr
Podiumsdiskussion „Transparenz in der Lieferkette“, mit Renate Künast (MdB, Bündnis 90/Die Grünen), Stefan Genth (Hauptgeschäftsführer HDE Handelsverband Deutschland), Matthias Hebeler (Geschäftsführer Brainshirt). Auf Deutsch.

15:30 Uhr
Vortrag und interaktives Spiel: „Fair Wear Foundation towards sustainable global garment supply chains”, Andrea Spithoff and Maaike Payet, Fair Wear Foundation. Auf Englisch.

 

 

FASHION SHOWS

TUESDAY 28.06.2016
GREEN SHOWROOM

15 Uhr Salonshow mit Outfits von Austriandesign.at, Bhusattva, Carpasus, Cocccon, Elementum by Daniela Pais, Elisa F., Heartcouture, Inti Ferreira, Lanius, Soome, Studio Elsien Gringhuis, Studio Jux, Tuschimo.
Im Rahmen der Salonshow wird zudem eine von Lanius entworfene limitierte Kollektion anlässlich des 90-jährigen Jubiläums der Weleda Skin Food Hautcreme präsentiert.
Nur auf Einladung!

ETHICAL FASHION SHOW

17 Uhr Ethical Fashion on Stage mit Outfits von Anzüglich organic and fair, Chapati, Daily´s Nothings Better, De´qua, Get Lazy, JAN ‘N JUNE, La Robe d’Inna, Milena with Love, Mud Jeans, Najha, Noumenon, Päälä, Tijar, Tranquillo, Verena Bellutti.
Nur auf Einladung!

 

 

PARTIES

TUESDAY 28.06.2016
19:00: Innatex Lounge (Nur auf Einladung)

THURSDAY 30.06.2016
17:00 – 22:00 Happy 5th Birthday WESEN (Format Concept Store)

 

 

 

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die gruene wiese in Münster - einen der größten grünen Concept-Stores in Deutschland mit angebundenem Onlineshop. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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livingwages

Die Zahlung existenzsichernder – also fairer – Löhne ist ein Menschenrecht. Aber leider verdienen die wenigsten Arbeiterinnen und Arbeiter in der Modeindustrie einen existenzsichernden Lohn.

Das Fair Fashion Network Get Changed! will die ändern und bittet per Crowdfunding um Unterstützung, um entsprechendes Aktionsmaterial zu drucken.
Viele Konsumentinnen und Konsumenten wollen, dass die Menschen, die ihre Mode produzieren, faire Löhne verdienen. Das Zahlen fairer Löhne kostet jedoch Geld, das häufig weder Fabrikbetreiber noch auftraggebende Textilmarken bereit sind zu geben. Mit dem FAIR SHARE Projekt hat Continental Clothing gemeinsame mit dem Fair Fashion Network Get Changed! gezeigt, dass es in Indien bei der Herstellung eines T-Shirts nur 14 Cents kostet die Löhne um 50% anzuheben. Nun möchte das Fair Fashion Network das Projekt nutzen, um Firmen zum Nachmachen zu motivieren und Konsumierende sowie Einzelhändler für das Thema zu sensibilisieren.

Deshalb starten sie über den Sommer eine Kampagne zu fairen existenzsichernden Löhnen.
Online und über Postkarten werden Unterschriften mit zwei Forderungen gesammelt:

1. Ich fordere, dass Modemarken in der Produktion faire Löhne umsetzen (es geht, siehe FAIR SHARE).
2. Ich fordere, dass Modefirmen transparent darüber sind, was für Löhne in der Produktion gezahlt werden.

Zudem erklären die Teilnehmenden sich bereit, mehr für Mode zu bezahlen, wenn die Marke mir faire Löhne garantieren kann.

Das Fair Fashion Network wird die Forderungen an konkrete Marken kanalisieren. Alle Teilnehmenden können selbst bestimmen, an welche Marke sie sich wenden wollen.

Das Crowdfunding zur finanziellen Unterstützung der Kampagne sowie weitere Informationen findet ihr hier. Bei der FashionWeek in Berlin Ende des Monats soll es bereits den Kampagnenauftakt geben.

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die gruene wiese in Münster - einen der größten grünen Concept-Stores in Deutschland mit angebundenem Onlineshop. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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24 Mai, 2016

Nächstes Level bitte!

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Foto: FREITAG® F-ABRIC, http://www.freitag.ch/fabric/compost

Es wird Zeit für das nächste Level. “Close the Loop” ist das Nachhaltigkeitsthema der Stunde in der Textilindustrie und es sollte dabei um mehr gehen als einmaliges Recycling. Echte Kreislauffähigkeit im Sinne von Ökoeffektivität/Cradle to Cradle lautet die Zielmarke.

Seien wir doch mal ehrlich, grüne Mode machen ist keine Raketenwissenschaft. Zumindest aus Sicht eines Labels oder Auftraggebers. GOTS-zertifizierte Basics schaffen sogar Tchibo oder Aldi. Man kaufe einen GOTS-zertifizierten Stoff von der Rolle und suche sich einen GOTS-zertifizierten Konfektionsbetrieb. Fertig ist die ökomäßig durchzertifizierte Klamotte.

Klar, die Auswahl an Stoffen ist nach wie vor sehr viel geringer als im konventionellen Bereich und wer seine Materialien exklusiv haben will, der muss meist schon beim Garn anfgangen. Doch im Weg stehen bei der Herstellung eigener Stoffe eigentlich vor allem die zu kleinen Stückzahlen und die deshalb hohen Mindermengenaufschläge. Nicht die technischen Herausfordungen.

Nachhaltige Labels sind die Avantgarde der nachhaltigen Mode. Das galt auch für die Einführung neuer Materialien in die Mode, wie Lyocell (TENCEL®, Monocel), Lenzing Modal® Edelweiß, Recyceltes Polyester oder Kork. Trotz großer Potentiale sind diese neuen Möglichkeiten allerdings auch von grünen Modemachern bisher nur selten genutzt worden, um Kollektionen kreislauffähig zu gestalten. Im Gegenteil. Vielfach sehen wir inzwischen Fasermixe aus einzeln betrachtet durchaus nachhaltigen Materialien, die jedoch in einer Weise kombiniert werden, die Kleidungsstücke nach ihrer Nutzungsphase zum wertlosen Abfall macht. Besonders häufig passiert das durch den bisher nicht hochwertig recycelbaren Mix von Bio-Baumwolle und Recyclingpolyester in Sweat- und Jerseystoffen. Ein Materialmix, dessen Ökobilanz zudem wegen des Polyesteranteils durch Erkenntnisse über das Auswaschen von Mikroplastik bei der Wäsche deutlich in Frage gestellt wird.

Doch auch Kleidung, die laut Textilkennzeichnung nur aus Naturfasern und/oder ebenfalls biologisch abbaubaren Regeneratfasern wie TENCEL® besteht, ist in der Regel nicht kreislauffähig im Sinne von Kompostierbarkeit, also der Rückgabe in einen natürlichen Kreislauf. Schuld daran sind die Zutaten: von Nähgarn aus Polyester über Knöpfe aus Plastik bis hin zu den Wasch- und Zusammensetzungsetiketten. Nicht selten wird auch für das Branding mit Loop-Labels, Patches oder Stitching Polyester eingesetzt. Neben den Zutaten müssen wir zudem einen Blick auf die Färbungen und Ausrüstungen zu werfen. Auch viele in der Textilindustrie eingesetzte Chemikalien sind nicht biologisch abbaubar.

Wie echte Kreislauffähigkeit geht, hat prominent das Schweizer Taschen-Label FREITAG® mit der F-ABRIC-Kollektion gezeigt. Mit Avour und Mela Wear verschreiben sich weitere Labels der Ökoeffektivität. Während dies bei Mela Wear noch ein Ziel ist, sind die Avour Basic-Shirts bereits C2C-Silver zertifiziert.

Trigima hat schon 2012 mit der Change Linie die erste zertifizierte C2C-Textil-Kollektion auf den Markt gebracht, bietet jedoch weiterhin überwiegend konventionelle Bekleidung an. Eine einzelne kleine C2C-Kollektion gab es auch bei Puma. Die erreichte jedoch nur das Basic-Level unter den C2C-Zertifizierungen, welches als wenig anspruchsvoll gilt.
Überhaupt geht es weniger um eine Zertifizierung, sondern um das dahinter steckende Designprinzip. So ist auch F-ABRIC von FREITAG® nicht C2C-zertifiziert. Dennoch ist die Modelinie der Schweizer Taschenspezialisten die bisher erste Umsetzung von Ökoeffektivität mit einem kompostierbaren Mix aus Natur- und nachhaltigen Regeneratfasern. Bei den Hosen inklusive abschraubbaren Knöpfen.

Ich würde mir wünschen, dass das Ziel Ökoeffektivität bei den grünen Labels schon bald zum Standard wird. Oft ist dafür nur eine Umstellung des Nähgarns (z.b. auf TENCEL®-Nähgarn) und der Etiketten (z.b. auf Bio-Baumwolle) nötig. Klar ist es nicht realistisch bei Skinny-Jeans (die uns wohl noch eine Weile begleiten werden) und einigen körpernahen Damenschnitten auf Elasthan zu verzichten. Aber viele Oberteile brauchen keine petrochemischen Kunstfasern. Und auch für Polyester und Elasthan sind bereits kompostierbare Alternativen in der Entwicklung.

Eine technische Kreislaufführung für Kleidung ist ebenfalls denkbar, insbesondere bei sortenreinen Polyester- oder Nylonprodukten. Also eher bei Sportswear wie Windbreakern oder Badeshorts als bei Fashion oder Casual Wear, bei der wohl die wenigsten reine Kunstfasern tragen wollen.

Bei der FashionWeek in Berlin im Juni werde ich verstärkt die Augen offen halten nach Konzepten, die echte textile Kreisläufe ermöglichen. Wenn ihr weitere Beispiele von Labels oder Kollektionen kennt, die in diese Richtung gehen, schreibt gerne einen Kommentar.

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die gruene wiese in Münster - einen der größten grünen Concept-Stores in Deutschland mit angebundenem Onlineshop. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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25 Feb, 2016

Männer in Arbeit

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Ich treffe Uli Ott am einem Freitagabend, kurz bevor wir uns beide den Dokumentarfilm „The True Cost“ ansehen. Wir plaudern darüber, ob Männer beständiger sind in ihrem Stil und ihren Look nicht so oft ändern wollen. Und wie viel starke Öko-Kollektionen es für Herren eigentlich gibt? Uli und Manfred Ott werden im März den bundesweit einzigen Ökomode-Laden nur für Männer eröffnen – schräg gegenüber von „Marlowe nature“, ihrem Frauen-Mode-Laden im Hamburger Grindelviertel. Unter Hochdruck renovieren sie gerade den Laden – momentan gilt: “Men at work”.

Ist es schwieriger, Mode für Männer zu verkaufen als für Frauen?

Uli: Wir waren früher einfach limitierter. Wir hatten Männermode – gleich ganz am Anfang. Aber  Mitte bis Ende der 90er Jahre gab es noch keine wirklich coolen Marken und das brachte keinen Spaß. Also haben wir die Männerecke wieder abgeschafft. Manfred hat noch einen Tweed-Anzug der ersten Stunde im Schrank. Aber in den vergangenen drei Jahren kam immer mehr Männer in den Laden – Jungs und Herren – und fragten, ob es auch für sie was zum Anziehen gäbe. Und dann haben wir in unserem minikleinen Laden in Ottensen wieder eine Männerecke eingerichtet mit Bleed, Hempage, Good Society. Und plötzlich hört unsere Nachbarin am Schlump mit ihrem Blumenladen auf und es findet sich kein Nachfolger. Da habe ich Manfred angerufen und er sagte spontan: Und jetzt möchtest du, dass wir da einen Männermode-Laden aufmachen. Ich war völlig aus dem Häuschen. Und jetzt haben wir 70 Quadratmeter mit Terrazzo-Boden und großem Schaufenster und bauen behutsam um.

Aber wie füllt ihr den Laden? Die Orderzeit ist doch längst vorbei.

Gottseidank haben wir zu vielen Labeln lange Beziehungen und die haben ihr Lager für uns geöffnet. Wir haben durchdachte und urbane Kollektionen von Knowledge Cotton,  Armedangels, Recolution, aber auch T-Shirts und Rucksäcke vom jungen Label Mela Wear aus Lüneburg. Übrigens sind wir jetzt auf unserer Ecke ein richtiges „Kompetenzzentrum“ mit vier Läden – Maas, Paletti, Marlowe für Frauen und Marlowe für Männer. Da lohnt es sich auch schon mal von weiter her zu kommen.

Die Zeit ist also reif für einen Männer-Laden?

Ich denke schon. Das liegt vor allem an der Mode, die sich entwickelt hat im Jeans-Bereich und auch im Sportbereich. Es gibt genügend starke Label mit grünem Hintergrund. Und deshalb muss auch die Zahl der Einzelhändler wachsen, um Sichtbarkeit für diese Label zu schaffen. Gerade weil immer noch so viele Menschen sagen, sie wüssten nicht, wo die alternative Mode zu finden ist, es sieht nicht aus oder sie sei ihnen zu teuer. Im Gespräch lässt sich das meistens entkräften.

Unterscheiden sich nicht Männer und Frauen beim Modekauf extrem? Was bedeutet das für eure Boutique?

Männer gelten als beständiger in ihrem Stil. Wenn ihnen ein T-Shirt gefällt, dann kaufen sie gleich fünf davon. Aber wir leben im Jahr 2016 und auch Männer kaufen mehr als früher und wollen mal ein ausdrucksstärkeres Teil. Also brauchen wir neben einer breiten Auswahl an Basics auch in unserer Boutique Abwechslung. Männer beißen sich aber eher an einer Marke fest ist meine Erfahrung. Zur Eröffnung kommt aber tatsächlich ein Hamburger Schauspieler, der geschlechtsspezifisches Einkaufsverhalten auf die Schippe nimmt. Wir proben ja auch gerade – mit unserem Laden und sind gespannt, wie es laufen wird.

Das Team von Grüne Mode drückt euch ganz doll die Daumen!

 

 

     
 Kirsten   Kirsten Brodde, Blog-Gründerin und Autorin von "Saubere Sachen", hat das Thema Ökomode quasi aus dem Nichts entwickelt. Sie arbeitet als Greenpeace Detox-Campaignerin bei Greenpeace Deutschland.

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Leider habe ich es dieses Mal nicht zur Innatex geschafft und damit auch das superspannende Panel zum Thema “Vegan oder natürlich tierisch? – Wie nachhaltig soll Ecofashion sein?“ verpasst. Zum Glück gibt es das nun wie auch die Panels der vorigen Messeausgaben online zum nachsehen (siehe oben), was ich hiermit wärmstens empfehle!

Die Frage der Vereinbarkeit von ökologischer Nachhaltigkeit und Tierrechten in der Mode beschäftigt mich seit vielen Jahren. Bei vielen Produktgruppen ist das kein Problem. Jeans brauchen keine Lederpatches, Knöpfe von Hosen und Blusen können statt Perlmutt und Horn auch aus Steinnus oder gepresstem Papier hergestellt werden, wenn auf Kunststoff verzichtet werden soll. Lyocell/Tencel und Modal können können Seide bei Kleidern, Röcken, Blusen, Futterstoffen oder Garnmixen ersetzen.
Eine Herausforderung bleiben die klassischen Lederanwendungen Schuhe, Gürtel und Handtaschen sowie Wolle für wärmende Strickwaren im Winter.

Ich glaube allen ist klar, dass auch erdölbasierte Leder- und Wollersatzprodukte in Sachen Nachhaltigkeit die Nase vorn haben, wenn wir sie mit den konventionellen tierischen Materialien vergleichen. Genauso klar sein sollte auch, dass dieser Vergleich Nichts über den Vergleich zu ökologischen Tierfasern und vegetabilen Ledern aussagt. Darum ging es im Panel und darum soll es auch hier gehen.

Auch wenn es an vergleichenden Ökobilanzen mangelt, ist es denke ich gar nicht so schwer, tendenzielle Aussagen zu treffen, insbesondere wenn man die Nutzungsphase miteinbezieht. Ein vegetabil gegerbter Lederschuh mit hochwertiger Sohle oder eine Lederhandtasche können bei guter Pflege über viele Jahre getragen werden und sehen auch dann noch so gut aus, dass sie nicht aus rein ästhetischen Gründen ausgetauscht werden müssten. Der Vorteil echten Leders ist, dass man es Nachfetten und damit geschmeidig halten kann. Auch ein Nachfärben ist recht einfach möglich. Für erdölbasierte Kunstleder gilt das nicht. Letztlich wird also jemand der Kunstlederschuhe kauft diese vermutlich häufiger ersetzen als jemand der vegetabil gegerbte Lederschuhe trägt. Immer vorrausgesetzt, dass es um Personen geht, die ihre Sachen pflegen und tragen, solange sie in einem guten Zustand sind. Selbst wenn das Obermaterial aus recyceltem Kunststoff hergestellt wird, fehlt bei dem Kunstlederschuh die realistische Kreislauffähigkeit. Wer nimmt schon seine alten Schuhe auseinander und wo sollte er die einzelnen Materialien abgeben? Theoretische technische Recyclingfähigkeit der einzelnen Materialien hilft hier nicht weiter. Der Lederschuh mit Kautschuk- oder Ledersohle kann theoretisch weitgehend CO2-neutral thermisch verwertet werden und wäre auch einem ökologischen Kreislauf zuführbar.

Hier stehen sich nun längere Haltbarkeit und dadurch geringere Ressourcenverbräuche und Senkeneinträge bei vegetabil gegerbten Lederschuhen und die Achtung von Tierrechten durch vegane Alternativen bisher technisch unvereinbar gegenüber. Die Ziele Ressourcengerechtigkeit unter den Menschen und Tierrechte bilden also bei festerem Schuhwerk derzeit noch einen Zielkonflikt. Zumindest bis Kork oder Pinatex (Ananasfaser) zeigen, dass sie ähnliche Haltbarkeit wie vegetabile Leder erreichen können, wird hier immer eine Priorisierung notwendig sein, wie immer diese auch individuell ausfallen mag.

Auch bei Wolle ist es mit dem Ersatz nicht so einfach. Natürlich kann gänzlich auf tierische Fasern verzichtet und nur Bio-Baumwolle und andere ökologische Natur- und Regeneratfasern verwendet und getragen werden. Diese Fasern haben aber auch alle eine sehr viel geringere Wärmeleistung als Wolle und führen vermutlich schnell zu höheren benötigten Heiztemperaturen in Wohnungen und Büros. Zudem haben sie nicht die natürliche Antigeruchsbildene und antibakterielle Wirkung der Wollfasern, sodass die entsprechenden Textilien sehr viel häufiger gewaschen werden müssen. Heizen und Waschen führen somit auch bei den ökologischen veganen Wollalternativen in der Nutzungsphase zu mehr Ressourcenverbrauch, selbst bei Verzicht auf zusätzliches Heizen.
Eine wärmendere vegane Alternative wäre Polyesterfleece. Dieser ist problemlos auch aus recycelten Fasern herstelltbar. Allerdings wissen wir inzwischen, dass sich aus Kunstfasertextilien bei der Wäsche Mikroplastik auswäscht und damit in die Wasserläufe und letztlich die Meere gelangt.

In Bezug auf Wolle sind zumindest alle Menschen in kühleren Regionen und nicht ausordentlich großer köpereigenen Wärmeleistung auch wieder vor eine Wahl gestellt. Auch hier sind optimale Ressourcenschonung und Tierrechte bisher technisch unvereinbar. Wird mit Polyesterfasern gearbeitet besteht zudem eine Notwendigkeit zwischen individuellen Tierrechten und den Rechten allen maritimen Lebens auf unversehrten Lebensraum abzuwägen.

Andersherum werden Tierrechte auch nicht durch die Regeln zur “artgerechten Haltung” der Bio-Zertifikate eingelöst. Vegan im Sinne von Anti-Speziesismus bedeutet eben eine Gleichbehandlung von Mensch und Tier und damit auch einen Ausschluss von jeglicher Nutzung von Lebewesen, egal unter welchen Bedingungen.

Es soll hier nicht darum gehen, die verschiedenen Prioritäten zu bewerten. Mir geht es nur darum, diese Bewusst zu machen.

In langfristiger Perspektive hoffe ich auf technische Lösungen, die bestehende Zielkonflikte beseitigen. Bis dahin hoffe ich, dass ein Bewusstsein für eben diese Zielkonflikte zu einem noch respektvolleren Umgang der Vertreter_innen beider Perspektiven führt. Dazu gehört auch, dass zumindest konventionelle Kunstleder nicht als nachhaltiges Material bezeichnet werden, wie dies leider bei veganen Schuhen immer wieder passiert.

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die gruene wiese in Münster - einen der größten grünen Concept-Stores in Deutschland mit angebundenem Onlineshop. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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BERLIN, GERMANY - JANUARY 19: Greenshowroom/Ethical Fashion Show, at Postbahnhof Berlin, 19.01.2016. Visitors and buyers at Ethical Fashion Show. (Photo: Thomas Lohnes/gettyimages for Messe Frankfurt)

Photo: Thomas Lohnes/gettyimages for Messe Frankfurt

Die beiden grünen Messen waren diesmal stark wie nie zuvor. Ich erinnere mich an Saisons, wo es für viele grüne Conceptstores hier mehr um das Familientreffen ging, während die besten grünen Kollektionen eher auf anderen Messen zu finden waren. Mit Lanius, KnowledgeCotton und Oh My Bag leisteten sich hingegen diesmal gleich 3 auch im konventionellen Handel erfolgreiche Labels einen Doppelauftritt und eine ganze Reihe langjährigerer und neuer Aussteller überzeugten auf einem Level, das mich wirklich begeistert hat.

Frieda Sand debütierte mit einer so ausgereiften Kollektion, wie sie eben nur erfahrene Modeprofis hinlegen können. Kirsten Weihe-Keidel ist bereits seit 20 Jahren mit der Kindermodemarke Sense Organics am Markt. Mit Frieda Sand kommt nun Damen-Label hinzu, das alltagstaugliche Casual Wear, aber auch Higher Fashion im Programm hat. Kuschelweicher FairTrade-Cashmere und feine Merinowollgewebe sind die Materialhighlights für den Winter 2016. Neben Kleidern, Blusen und Röcken darf hier natürlich auch eine Culotte-Hose nicht fehlen. Gut kombinierbare lange Cardigans und Mäntel runden das Programm ab.

Frieda-Sand

Ebenfalls erstmalig dabei war das spanische Taschenlabel Maravillas Bags. Die lässigen bis schickeren Alltagsbegleiter begeistern nicht nur durch klare Formsprache und tolle Verarbeitung im eigenen Betrieb auf Mallorca. Neben IVN zertifizierten Bio-Ledern bietet Maravillas alle Modelle auch in Pinatex an. Schon lange habe ich darauf gewartet das neue vegane Lederersatzmaterial endlich mal live zu sehen und anzufassen. Pinatex wird auf Ananasblättern gewonnen und in einem chemisch-mechanischen Prozess zu einem nicht-gewobenen Material mit lederartiger, strukturierter Oberseite gepresst. Die Hoffnung ist, dass dieses Material schöner altert und besser nachfärbbar ist als erdölbasierte Kunstleder es sind. Zudem ist es biologisch abbaubar.

Die vegane Lederalternative ist nicht nur für Taschen interessant, sondern ganz besonders auch für Schuhe. Beim Schuhwerk könnte Pinatex neben der einfacheren Pflege auch durch eine bessere Atmungsaktivität gegenüber konventionellen Kunstledern glänzen. Beim veganen Schuhlabel Nae waren erste Modelle mit Pinatex zu sehen. Ich bin supergespannt, wie sich das Material im Alltag verhält und hoffe bei Zeiten darüber berichten zu können. Die in Berlin gezeigte Variante ist leicht strukturiert und sieht etwas so aus wie Crinkled Leather (“geknittertes Leder”). Das Material ist weicher und leichter als Leder, macht aber einen robusten Eindruck.

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Neben ökologischen veganen Lederalternativen ist ökologische Bademode seit Jahren ein Lücke immer ansonsten mittlerweile recht umfassenden grünen Modeangebot. Das gerade gestartete spanische Label allSisters schickt sich an diese Lücke zu füllen. Die “Responsible Swimwear” der Spanierinnen besteht aus recyceltem Nylon mit Elasthananteil. Das Material fühlt sich sehr gut an und macht einen hochwertigen, langlebigen Eindruck. Dazu sehen die Badeanzüge und Bikinis auch noch sehr schick aus, wobei mir die symetrischen Formen besser gefallen, als das Design im Bild unten. Alle Styles gibt es ausschließlich in schwarz und weiß, was gut zu den klaren und modernen Schnitten passt. Im eigenen Onlineshop gibt es bereits die gesamte derzeite Kollektion zu sehen.

allSisters

Auch eng mit dem Element Wasser verbunden sind die Jungs und Mädels von Langbrett, bei denen es um Wellenreiten und Longboarden geht. Langbrett betreibt eigene Läden in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und Hamburg und ist einer der wenigen Händler in Deutschland, bei denen es die Patagonia Surf und Beach Kollektion zu kaufen gibt. Von Anfang an haben die Langbrettler auch eigene Produkte entwickelt und dabei stehts großen Wert auf eine maximal transparente und nachhaltige Produktion gelegt. So gibt es Strick-Sweater, Troyer und Mützen aus Mulesing-freier Merinowolle made in Germany sowie Hoodys und Shirts aus GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle made in Portugal. Seit letztem Jahr sind auch Schuhe im Programm, aus vegetabil gegerbtem Leder und mit einer Sohle aus Naturkautschuk und recycleten Autoreifen oder alternativ vegan mit Obermaterial aus Bio-Baumwoll-Canvas. Meines Wissens die ersten fairen und nachhaltigen Skate- und Longboardtauglichen Sneaker überhaupt. Sehr gut gefallen haben mir auch die mit vorgestellten Rucksäcke und Taschen von Millican. Das verwendete Material nennt sich “Bionic Canvas” und ist ein Mix aus Bio-Baumwolle und recyceltem Polyester mit sehr angenehmem und festen Griff. Imprägniert wird das Ganze mit Paraffin.

Langbrett

Schon ihren zweiten bzw. dritten Auftritt auf den grünen Messen hatten die Newcomer JAN ‘N JUNE, Lovjoi und Cus. Alle drei erweisen sich als Senkrechtstarter für moderne Streetfashion und haben mit ihrer tollen Entwicklung einen großen Anteil an meiner Begeisterung für diese Ausgabe der grünen Messen.
Das junge Team um Lovjoi-Gründerin Verena Paul hat seinen Sitz in der kleinen süddeutschen Stadt Riedlingen. Dort hat Lovjoi eine eigene Produktion in einer alten Werkstatt aufgebaut und liebt die Nähe zur Natur. Das Design der Kollektionen ist hingegen absolut urban und großstadttauglich. Farblich dominieren Schwarz, grau und weiß, aber auch ein paar blaue Teile sind dabei. Für den nächsten Winter gibt es unter anderem lange Sweat-Coats mit und ohne Kapuze und das sogar unisex, also auch für Männer. Aber auch sehr feminine Schnitte sind dabei, wie das Kleid Elling dessen Rockteil vorne kürzer gehalten ist. Alle Lovjoi-Styles sind vegan.

Lovjoi

Photo: Lovjoi

Aus der Großstadt Hamburg stammen JAN ‘N JUNE. Auch ihre Kollektionen sind komplett vegan und auch hier dominieren schwarz, weiß, grau und blau die Farbpalette. Besonders gefallen haben mir die Mäntel, Kimono-Cardigans und Stehkragen-Pullover aus kuscheligem Bio-Baumwollfleece. Sehr modisch, aber auch sehr tragbar und dazu wärmend auch ohne Wolle. Wie schon in vorrigen Kollektionen arbeitet JAN ‘N JUNE auch bei dieser Kollektion für einige Teile mit recyceltem Polyester. Diesmal sind ein Top, eine Bluse und ein Jumpsuit aus einem stark glänzenden, seidenartigen Material in petrolblau dabei. Echte Blickfänger.

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Photo: JAN ‘N JUNE

Mehr Farbe, aber ebenfalls sehr klare und moderne Schnitte gibt es beim spanischen Label CUS aus Barcelona. Rot bis rosé ist dabei und auch ein dunklerer Curryton. Eine Stange mit viel schwarz gab es aber auch. Anders als in früheren Kollektionen gibt es bei CUS im Winter 2016 keine gemusterten Stoffe. Die Besonderheit liegt in den Schnitten mit häufig recht aufwendiger Nahtführung und vielen Panelen. Die Stil ist sportlich, aber fein. Richtig kombiniert können gerade auch die Kleider aus fließendem Lyocell/Tencel-Gewebe auch sehr gut als Abendgarderobe getragen werden. Da es mir komplett an Fotomaterial fehlt empfehle ich diesen auch sonst sehr lesenswerten FashionWeek-Rückblick vom Blog Green Friday für einen ersten Eindruck.

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die gruene wiese in Münster - einen der größten grünen Concept-Stores in Deutschland mit angebundenem Onlineshop. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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Foto: Premium Exhibitions

Nach dem Wegfall der Bread&Butter ist die Premium Exhibitions wohl die größte und meistbesuchteste Modemesse der Berliner Fashion Week. Der Anteil grüner Labels ist hier sehr gering, aber unter den wenigen nachhaltigkeitsorienterten Labels befinden sich einige der Stärksten der letzten Saisons.

Gleich am Eingang einer der Haupthallen präsentiert sich schon seit einigen Saisons das Kölner Label Armedangels. Auf dem Armedangels-Stand ist es eigentlich immer voll, nicht zuletzt, weil hier auch viele Einkäufer großer konventioneller Modehäuser anzutreffen sind. Die Kollektion überzeugt mit vielen tollen neuen Materialien und noch mehr modischeren Schnitten. Lyocell/Tencel spielt sowohl in Strick als auch in Blusen eine große Rolle. Ein superstarker Auftritt.

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Ebenfalls toll etabliert haben sich Heiko Wunder und Tim Brückmann mit ihrem Label Wunderwerk. Mit 3D- und Alpaca-Strukturstrick, wunderbaren Mänteln und Blazern sowie Blusen und Kleidern für jeden Anlass von Freizeit bis Büro und Abendgaderobe. Auch bei Wunderwerk kommt viel Lyocell und Modal Edelweiß zum Einsatz.

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Les Racines du Ciel bleibt in den Schnitten modern klassisch und übersichtlich, aber dafür umso breiter in den Farben und mit gewohnt herausragender Alpaca-Qualität. Neu kommen nun viele Styles auch in Duo-Farb-Garnen, die die feinen Strickstrukturen wunderbar unterstreichen. Slow-Fashion-Pullover mit Kuschelfaktor, die sowohl lässig zu Jeans als auch fein zu Stoffhosen zu kombinieren sind.

Schöner Zuwachs sowohl an Denim-Fits als auch bei den Oberteilen auch bei den Kings Of Indigo, die sich erstmals auf der Premium statt auf der Schwester-Messe SEEK präsentierten. Wie schon bei Nudie Jeans auf der SEEK sahen wir auch hier Cropped Flares und Super Flares sowie Ultra Baggy Fits. Die Trend-Silhouetten sind somit auch in grün bei verschiedenen Labels zu haben. Sehr gut gefallen haben mir die Pullover und Cardigans aus recycelter Wolle mit schönen Strickmustern und einem für Recyclingwollgarn sehr angenehm weichen Griff.

Die wenigen weiteren grünen Labels auf der Premium haben wir entweder nicht mehr geschafft (OGNX, Noble Project) oder uns auf der Ethical Fashion Show /im Green Showroom angesehen (Lanius, Oh My Bag). Die beiden grünen Messen waren so stark wie nie zuvor und bilden den krönenden Abschluss der Berlinberichte.

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die gruene wiese in Münster - einen der größten grünen Concept-Stores in Deutschland mit angebundenem Onlineshop. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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