BERLIN, GERMANY - JANUARY 19: Greenshowroom/Ethical Fashion Show, at Postbahnhof Berlin, 19.01.2016. Visitors and buyers at Ethical Fashion Show. (Photo: Thomas Lohnes/gettyimages for Messe Frankfurt)

Photo: Thomas Lohnes/gettyimages for Messe Frankfurt

Die beiden grünen Messen waren diesmal stark wie nie zuvor. Ich erinnere mich an Saisons, wo es für viele grüne Conceptstores hier mehr um das Familientreffen ging, während die besten grünen Kollektionen eher auf anderen Messen zu finden waren. Mit Lanius, KnowledgeCotton und Oh My Bag leisteten sich hingegen diesmal gleich 3 auch im konventionellen Handel erfolgreiche Labels einen Doppelauftritt und eine ganze Reihe langjährigerer und neuer Aussteller überzeugten auf einem Level, das mich wirklich begeistert hat.

Frieda Sand debütierte mit einer so ausgereiften Kollektion, wie sie eben nur erfahrene Modeprofis hinlegen können. Kirsten Weihe-Keidel ist bereits seit 20 Jahren mit der Kindermodemarke Sense Organics am Markt. Mit Frieda Sand kommt nun Damen-Label hinzu, das alltagstaugliche Casual Wear, aber auch Higher Fashion im Programm hat. Kuschelweicher FairTrade-Cashmere und feine Merinowollgewebe sind die Materialhighlights für den Winter 2016. Neben Kleidern, Blusen und Röcken darf hier natürlich auch eine Culotte-Hose nicht fehlen. Gut kombinierbare lange Cardigans und Mäntel runden das Programm ab.

Frieda-Sand

Ebenfalls erstmalig dabei war das spanische Taschenlabel Maravillas Bags. Die lässigen bis schickeren Alltagsbegleiter begeistern nicht nur durch klare Formsprache und tolle Verarbeitung im eigenen Betrieb auf Mallorca. Neben IVN zertifizierten Bio-Ledern bietet Maravillas alle Modelle auch in Pinatex an. Schon lange habe ich darauf gewartet das neue vegane Lederersatzmaterial endlich mal live zu sehen und anzufassen. Pinatex wird auf Ananasblättern gewonnen und in einem chemisch-mechanischen Prozess zu einem nicht-gewobenen Material mit lederartiger, strukturierter Oberseite gepresst. Die Hoffnung ist, dass dieses Material schöner altert und besser nachfärbbar ist als erdölbasierte Kunstleder es sind. Zudem ist es biologisch abbaubar.

Die vegane Lederalternative ist nicht nur für Taschen interessant, sondern ganz besonders auch für Schuhe. Beim Schuhwerk könnte Pinatex neben der einfacheren Pflege auch durch eine bessere Atmungsaktivität gegenüber konventionellen Kunstledern glänzen. Beim veganen Schuhlabel Nae waren erste Modelle mit Pinatex zu sehen. Ich bin supergespannt, wie sich das Material im Alltag verhält und hoffe bei Zeiten darüber berichten zu können. Die in Berlin gezeigte Variante ist leicht strukturiert und sieht etwas so aus wie Crinkled Leather (“geknittertes Leder”). Das Material ist weicher und leichter als Leder, macht aber einen robusten Eindruck.

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Neben ökologischen veganen Lederalternativen ist ökologische Bademode seit Jahren ein Lücke immer ansonsten mittlerweile recht umfassenden grünen Modeangebot. Das gerade gestartete spanische Label allSisters schickt sich an diese Lücke zu füllen. Die “Responsible Swimwear” der Spanierinnen besteht aus recyceltem Nylon mit Elasthananteil. Das Material fühlt sich sehr gut an und macht einen hochwertigen, langlebigen Eindruck. Dazu sehen die Badeanzüge und Bikinis auch noch sehr schick aus, wobei mir die symetrischen Formen besser gefallen, als das Design im Bild unten. Alle Styles gibt es ausschließlich in schwarz und weiß, was gut zu den klaren und modernen Schnitten passt. Im eigenen Onlineshop gibt es bereits die gesamte derzeite Kollektion zu sehen.

allSisters

Auch eng mit dem Element Wasser verbunden sind die Jungs und Mädels von Langbrett, bei denen es um Wellenreiten und Longboarden geht. Langbrett betreibt eigene Läden in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und Hamburg und ist einer der wenigen Händler in Deutschland, bei denen es die Patagonia Surf und Beach Kollektion zu kaufen gibt. Von Anfang an haben die Langbrettler auch eigene Produkte entwickelt und dabei stehts großen Wert auf eine maximal transparente und nachhaltige Produktion gelegt. So gibt es Strick-Sweater, Troyer und Mützen aus Mulesing-freier Merinowolle made in Germany sowie Hoodys und Shirts aus GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle made in Portugal. Seit letztem Jahr sind auch Schuhe im Programm, aus vegetabil gegerbtem Leder und mit einer Sohle aus Naturkautschuk und recycleten Autoreifen oder alternativ vegan mit Obermaterial aus Bio-Baumwoll-Canvas. Meines Wissens die ersten fairen und nachhaltigen Skate- und Longboardtauglichen Sneaker überhaupt. Sehr gut gefallen haben mir auch die mit vorgestellten Rucksäcke und Taschen von Millican. Das verwendete Material nennt sich “Bionic Canvas” und ist ein Mix aus Bio-Baumwolle und recyceltem Polyester mit sehr angenehmem und festen Griff. Imprägniert wird das Ganze mit Paraffin.

Langbrett

Schon ihren zweiten bzw. dritten Auftritt auf den grünen Messen hatten die Newcomer JAN ‘N JUNE, Lovjoi und Cus. Alle drei erweisen sich als Senkrechtstarter für moderne Streetfashion und haben mit ihrer tollen Entwicklung einen großen Anteil an meiner Begeisterung für diese Ausgabe der grünen Messen.
Das junge Team um Lovjoi-Gründerin Verena Paul hat seinen Sitz in der kleinen süddeutschen Stadt Riedlingen. Dort hat Lovjoi eine eigene Produktion in einer alten Werkstatt aufgebaut und liebt die Nähe zur Natur. Das Design der Kollektionen ist hingegen absolut urban und großstadttauglich. Farblich dominieren Schwarz, grau und weiß, aber auch ein paar blaue Teile sind dabei. Für den nächsten Winter gibt es unter anderem lange Sweat-Coats mit und ohne Kapuze und das sogar unisex, also auch für Männer. Aber auch sehr feminine Schnitte sind dabei, wie das Kleid Elling dessen Rockteil vorne kürzer gehalten ist. Alle Lovjoi-Styles sind vegan.

Lovjoi

Photo: Lovjoi

Aus der Großstadt Hamburg stammen JAN ‘N JUNE. Auch ihre Kollektionen sind komplett vegan und auch hier dominieren schwarz, weiß, grau und blau die Farbpalette. Besonders gefallen haben mir die Mäntel, Kimono-Cardigans und Stehkragen-Pullover aus kuscheligem Bio-Baumwollfleece. Sehr modisch, aber auch sehr tragbar und dazu wärmend auch ohne Wolle. Wie schon in vorrigen Kollektionen arbeitet JAN ‘N JUNE auch bei dieser Kollektion für einige Teile mit recyceltem Polyester. Diesmal sind ein Top, eine Bluse und ein Jumpsuit aus einem stark glänzenden, seidenartigen Material in petrolblau dabei. Echte Blickfänger.

JANNJUNE

Photo: JAN ‘N JUNE

Mehr Farbe, aber ebenfalls sehr klare und moderne Schnitte gibt es beim spanischen Label CUS aus Barcelona. Rot bis rosé ist dabei und auch ein dunklerer Curryton. Eine Stange mit viel schwarz gab es aber auch. Anders als in früheren Kollektionen gibt es bei CUS im Winter 2016 keine gemusterten Stoffe. Die Besonderheit liegt in den Schnitten mit häufig recht aufwendiger Nahtführung und vielen Panelen. Die Stil ist sportlich, aber fein. Richtig kombiniert können gerade auch die Kleider aus fließendem Lyocell/Tencel-Gewebe auch sehr gut als Abendgarderobe getragen werden. Da es mir komplett an Fotomaterial fehlt empfehle ich diesen auch sonst sehr lesenswerten FashionWeek-Rückblick vom Blog Green Friday für einen ersten Eindruck.

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die gruene wiese in Münster - einen der größten grünen Concept-Stores in Deutschland mit angebundenem Onlineshop. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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Foto: Premium Exhibitions

Nach dem Wegfall der Bread&Butter ist die Premium Exhibitions wohl die größte und meistbesuchteste Modemesse der Berliner Fashion Week. Der Anteil grüner Labels ist hier sehr gering, aber unter den wenigen nachhaltigkeitsorienterten Labels befinden sich einige der Stärksten der letzten Saisons.

Gleich am Eingang einer der Haupthallen präsentiert sich schon seit einigen Saisons das Kölner Label Armedangels. Auf dem Armedangels-Stand ist es eigentlich immer voll, nicht zuletzt, weil hier auch viele Einkäufer großer konventioneller Modehäuser anzutreffen sind. Die Kollektion überzeugt mit vielen tollen neuen Materialien und noch mehr modischeren Schnitten. Lyocell/Tencel spielt sowohl in Strick als auch in Blusen eine große Rolle. Ein superstarker Auftritt.

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Ebenfalls toll etabliert haben sich Heiko Wunder und Tim Brückmann mit ihrem Label Wunderwerk. Mit 3D- und Alpaca-Strukturstrick, wunderbaren Mänteln und Blazern sowie Blusen und Kleidern für jeden Anlass von Freizeit bis Büro und Abendgaderobe. Auch bei Wunderwerk kommt viel Lyocell und Modal Edelweiß zum Einsatz.

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Les Racines du Ciel bleibt in den Schnitten modern klassisch und übersichtlich, aber dafür umso breiter in den Farben und mit gewohnt herausragender Alpaca-Qualität. Neu kommen nun viele Styles auch in Duo-Farb-Garnen, die die feinen Strickstrukturen wunderbar unterstreichen. Slow-Fashion-Pullover mit Kuschelfaktor, die sowohl lässig zu Jeans als auch fein zu Stoffhosen zu kombinieren sind.

Schöner Zuwachs sowohl an Denim-Fits als auch bei den Oberteilen auch bei den Kings Of Indigo, die sich erstmals auf der Premium statt auf der Schwester-Messe SEEK präsentierten. Wie schon bei Nudie Jeans auf der SEEK sahen wir auch hier Cropped Flares und Super Flares sowie Ultra Baggy Fits. Die Trend-Silhouetten sind somit auch in grün bei verschiedenen Labels zu haben. Sehr gut gefallen haben mir die Pullover und Cardigans aus recycelter Wolle mit schönen Strickmustern und einem für Recyclingwollgarn sehr angenehm weichen Griff.

Die wenigen weiteren grünen Labels auf der Premium haben wir entweder nicht mehr geschafft (OGNX, Noble Project) oder uns auf der Ethical Fashion Show /im Green Showroom angesehen (Lanius, Oh My Bag). Die beiden grünen Messen waren so stark wie nie zuvor und bilden den krönenden Abschluss der Berlinberichte.

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die gruene wiese in Münster - einen der größten grünen Concept-Stores in Deutschland mit angebundenem Onlineshop. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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SEEK me Baby one more time. Wie erwartet folgt dem Untergang der Bread&Butter der Aufstieg der SEEK. Die kleine Schwester der Premium ist eigentlich mehr der coolere Bruder. Es ist nämlich vornehmlich eine Männermodemesse. Zwar gibt es auch einige Labels, die neben der Herren- auch eine Damenkollektion präsentieren, aber das ist die Ausnahme. Dafür wird hier Einiges unisex angeboten, insbesondere Schuhe von Sneakern über Flats bis Boots.

Sehr viele Labels auf der SEEK produzieren in Europa oder den USA und fokussieren auf qualitativ höherwertige Verarbeitung so wie cleanes und zeitloses urbanes Design. Sehr wenige dieser Labels wiederum bemühen sich auch um eine nachhaltigere und giftfreiere Produktion. Aber es gibt auch wirklich grüne Labels auf der SEEK und die, die dort zu finden sind, gehören zu den Stärksten, die derzeit in der Herrenmodewelt zu finden sind.

Fangen wir mit Schuhen an. Da ist zum einen ekn footwear, das sympatische Label von Noel Klein-Reesink. Sehr gefreut habe ich mich, dass ekn den businesstauglichen Schuh Maple nach 2 Saisons wieder neu auflegt. Allen, die etwas für Beruf, Ausgehen oder festliche Anlässe suchen, sei dieses Modell schonmal wärmstens empfohlen. Eindeutiges Highlight der neuen Kollektion ist jedoch ein ganz anderer Schuh. Der Trillium (siehe Foto) mutet geradezu skulptural an, ist aber dennoch sehr gut tragbar und dank der schon früher verwendeten Vibram Ultralight Sohle auch vom Start weg superbequem. Es gibt einen herausnehmbaren Innenschuh, aus neopren-artigem Recyclingmaterial, der durch die seitlichen Cutouts des Aussenschuhs einen technischen Kontrast bildet. Der Aussenschuh besteht weitgehend aus nur einem Lederstück, dass sich einmal um den ganzen Fuß herumlegt. Damit setzt ekn die MrBailey-Linie fort, die sich auch bei den weiteren Modellen erfrischend von typischen Sneakerformen absetzt, was natürlich genauso auch für die hochwertige Verarbeitung und die ökologischen Rohstoffe gilt.

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Sehr klassisch und mit langer Tradition bildet Kavat designmäßig gewissermaßen einen Gegensatz. Die Chelseas und Schnürboots der Schweden sind schwerer und breiter, die Leder dicker, doch die Schuhe nach kurzem eintragen nicht minder bequem. Viele Modelle gibt es seit Jahren und auch die 3 klassischen Lederfarben (schwarz, dunkelbraun und hellbraun) kommen wieder bei fast allen Modellen zum Einsatz. Der Chelsea-Klassiker Bodas hat ein kleines Update erfahren und hat nun farblich abgesetzte Zugschlaufen sowie ein schwarze Sohle. Chelsea und Desert Boot gibt es nun auch mit einer Sneakersohle. Ebenfalls schlicht und perfekt umgesetzt, aber meine Favoriten bleiben die Klassiker, die durch ihre robusten Materialien und hervorragende Verarbeitung auch nach vielen Jahren noch super aussehen und bestimmt nicht aus der Mode kommen.

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Deutlich trendorientierter ist hingegen das französische Sneaker-Label Veja unterwegs. Entprechend des andauernden Runner-Hypes stehen auch hier viele Modelle mit “Laufsohle” zur Auswahl. Gut gefallen haben mir dabei besonders die schlichten Hauptfarben mit Kontrasten in knalligeren Details. Erstmals wird es auch vegane Runner geben, bei denen ein Recycling-Kunstleder zum Einsatz kommt. Bei den Ledervarianten hat Veja leider derzeit Probleme mit dem Bezug vegetabil gegerbter Leder und sucht dringend einen neuen Lieferanten.

Gefreut habe ich mich über ein Wiedersehen mit meiner SEEK-Entdeckung aus dem Sommer 2014. Als Levit1 stellten die Designer_innen damals eine Linie sehr formschöner Sandalen aus vegetabilem Leder und lokaler Verarbeitung vor. 3 Messeausgaben später zeigten sie nun mit Levit2 Schnürer und Chelsea Boots. Das Design ist abermals sehr reduziert und klassisch. Alle Modelle werden ausdrücklich unisex angeboten.

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Eine Premiere auf der SEEK feierte das HAKA-Brand KnowledgeCotton Apparel. Die Dänen hatten bis zur letzten Ausgabe der Bread&Butter die Treue gehalten. Gewohnt solide ist die immer breiter werdene Auswahl an bürotauglichen bis modischeren Hemden und Strickpullovern. Besonders gefallen hat mir, dass im Vergleich zu diesem Winter wieder mehr Strukturstrick dabei ist und auch insgesamt neben den klassischen Schnitten mehr modische Lässigkeit Einzug erhält. Ach ja, und Phantom ist das neue Schwarz.

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Ebenfalls neu auf der SEEK war das Herrenlabel Solstice aus der Schweiz. Die Kollektion wirkt sehr hochwertig und die Designs sind smart, jedoch ohne bieder zu sein. Viele Materialien stammen aus der Schweiz und auch die Verarbeitung findet dort statt. Ganz dem Ruf schweizer Produkte entsprechend wirken die Hemden und Pullover in Material und Verarbeitung geradezu perfekt und fassen sich auch sehr gut an. Noch nicht alle Garne sind bio, aber Solstice versuchen immer mehr Produkte mit GOTS-zertifizierten Materialien zu realisieren und sind für mich eine der Neuentdeckungen für nachhaltige Männermode.

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Längst etabliert sind hingegen die Schweden von nudie Jeans. Zurecht sind ihre Jeans weltweit beliebt. Viele Fans wissen gar nicht, dass ihre Jeans “organic” sind und ihr Lieblingsbrand eines der aktivsten Fair Wear Foundation Mitglieder. Nach “100 % Organic” bei den Jeans, sind inzwischen auch fast alle Oberteile aus ökologischen Fasern hergestellt. Erstmals gibt es im Winter 2016 Strickpullover aus recycelter Wolle. Auch bei Hemden und Shirts hat nudie nochmal zugelegt. Bei den Hosen bin ich sehr gespannt, wohin die Reise 2016 wirklich geht. Nudie hat nun auf jeden Fall auch Superflared und Cropped Ultrabaggy im Angebot.

SEEK-Debütanten waren wiederum Aizome1 Envirodenim, ein im wahrsten Sinne globales Jeanslabel. Die Macher_innen sind auf mehreren Kontinenten zuhause und selten lange an einem Ort. Produziert wird komplett in Japan. Es geht um Qualität und Perfektion. Um das besondere Design, weitweg von kurzlebigen Trends. Die gesamte Kollektion ist mit natürlichem Indigo gefärbt. Es gibt Jeanshosen, aber vor allem viele Jacken und Blazer. Die Nahtführung ist aufwendig, die Formen jedoch sehr klar. Es ist Higher Fashion, aber eben in Denim. Als die beiden mich fragten, welche Messe ich für sie als passend während der FashionWeek empfinden würde, war ich unsicher, was ich antworten sollte. Die SEEK ist es auf jeden Fall eher nicht, aber ich habe mich dennoch sehr gefreut, sie dort kennenzulernen.

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 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die gruene wiese in Münster - einen der größten grünen Concept-Stores in Deutschland mit angebundenem Onlineshop. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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Wir starten in eine neue Runde und diesmal ist die Liste der Messen um zwei Messen kürzer als zuvor. Die Bread&Butter ist als Händlermesse Geschichte und auf der Show&Order gibt es soweit wir sehen können keine grünen Labels mehr. Bei den letzten FashionWeeks hat vor allem Kuyichi zu einem Besuch auf der Show&Order gelockt. Die niederländischen Organic-Jeans-Pioniere sind jedoch leider insolvent und stellen entsprechend nicht mehr aus.

Gleich eine ganze Reihe von Labels leisten sich dieses Mal einen Doppelauftritt. Knowledge Cotton Apparel, O My Bag, Lanius und Skunkfunk sind allesamt sowohl auf der Ethical Fashion Show/Green Showroom als auch auf der SEEK/Premium vertreten.

Es bleibt eine echte Herausforderung, einen Überblick über die grünen Angebote zu bewahren, denn sie werden auf den konventionellen Messen nicht in den Übersichten gekennzeichnet. Wir haben es wieder versucht, aber sicher auch einiges übersehen. Daher freuen wir uns auch dieses Mal über Ergänzungen per Kommentar!

Wie immer können wir keine Gewähr übernehmen, dass alle gelisteten Marken auch wirklich so grün sind, wie sie selbst oder die Messen es versprechen. Also bitte immer nochmal nachfragen nach sozialen und ökologischen Standards, Zertifizierungen und Multistakeholder-Initiativen.

Allen Berlinreisenden wie immer eine gute Zeit im Messedschungel. Wir sehen uns auf der Innatex Lounge und sicher auch auf den Messen. Bis Berlin!

 

TRADESHOWS

ETHICAL FASHION SHOW
959 | Alma & Lovis | Aman A. | Antiform | Antonio Verde | Art – Sol Bolivia | Baach | Bamboo Belgium | Beaumont Organic | Bellanatur | Bourgois Boheme | Brainshirt | Braintree | Cado | Comazo | Daily’s | De Colores | De’ Qua | Diamond Army | Dunque by Schweikardt Moden | Early Fish | Edelreich von Eschenbach | El Naturalista | Elizab’Hats | Feuervogel | Format | Frajorden | FreiVon | Frida Sand | Get Lazy | Glimpse | Goodsociety | Göttin des Glücks | Grand Step Shoes | Greenbelts | Greenbomb | Harold´s | Hempage | Here Today Here Tomorrow | Hirsch Natur | Inheels | Inti Peru | Jalfe | Jaya | Jentil | John W. Shoes | Knowledge Cotton Apparel | Kokon Zwo | Komodo | L´Herbe Rouge | Langbrett | LangerChen | Lanius | Lavgon | Living Crafts | Lovesign | Lovjoi | Madness | Marcia de Carvalho | Mariedal Design | Meinfrollein | Mela Wear GmbH | Millican | Miss Green | Moi | Monkee Genes| Mud Jeans | Muka Va | Müssiggang | Myomy | Myssyfarmi | Nae Vegan | Naturalmente by Schweikart Moden | Nix | O My Bag | Organication | Päälä | People Tree | People Wear Organic | Phil & Lui | Pos.Sei.Mo | Pure | Recolution | Recyclist Workshop | Reet Aus | Renana Krebs | reWrap | Rich & Vibrant | Room to Roam | Saint Basics | Shirts for Life | Stoffrausch | Swete | Tauko | The Hemp Line | Tranquillo | Trevors Choice | Tuschimo | Ultrashoes | Umiwi | Vintage For A Cause | WalikiWoody | Xisqueta | Zuckerkrawatte by Konstanze Maager


GREEN SHOWROOM

Abury | Alino Schuerfeld | Allsisters | Altai Cachmere | Ayurganic | Blue Sky Cashmere | Bodio’s of Mongolia | Carpasus | Coccon | Cus | Deepmello | Elementum by Daniela Pais | Gobi Organic by Sarazul CashmereInti Ferreira | Jan `N June | JM Jinst Murun | Johanna Riplinger | Kara Weaves | Kate | Living Blue | Maravillas Bags | Mongol Textile | Myak | Nine To Five | Real Time Collection | Silkbox | Somyso | Studio Elsien Gringhuis | Studio Jux | Suite 13 | Tu & Tu | Uujin | Walkboxx | Werner Schuhe | Xess + Baba | Zora Heinicke

 

PREMIUM EXHIBITIONS
ArmedangelsK.O.I Kings of Indigo | Laidbacklondon | Lanius | Les Racines du Ciel | Noble Project | OGNXO My Bag | Swell | Wunderwerk


SEEK
Aizome1 | Brooks England | Dedicated | Dr. Bronner’s | Ecoalf | ekn Footwear | Kavat | Knowledge Cotton Apparel | Levit 02 | Nudie Jeans | Solstice | Vatter | Veja


PANORAMA BERLIN

Natural World | Think!

 

BRIGHT
Aevor | Stork&Fox

 

UPCYCLING FASHION STORE
Bleed x Upcycling Talents

 

SEMINARS AND PANEL DISCUSSIONS

TUESDAY 19.01.2016
ETHICAL FASHION SHOW
und GREEN SHOWROOM
9:30 Uhr: Presserundgang (Treffpunkt Presselounge)

10:00 Uhr: Eröffnung durch Ursula Karven (Schauspielerin) und Olaf Schmidt (Vice President Textiles & Textile Technologies der Messe Frankfurt GmbH). Auf Deutsch.

10:30 Uhr_ Podiumsdiskussion: „Eco-Fashion auf der Fläche: Wie der konventionelle Modehandel Eco-Fashion in seine Sortimente integrieren kann“. Mit Marc Ramelow, (Ramelow – das Mode- und Markenhaus), Karl Mayr (Fussl Modestraße), Dr. Annette Hempel (Modehaus Hempel), Holger Wellner (Modehaus Wellner), Frank Meyer (Fair Fashion Consultant) und Linda Mohrmann (Agentur für Fair Fashion). Moderation: Jana Kern (Kernkommunikation). Auf Deutsch.

14 Uhr: Presserundgang (Treffpunkt Presselounge)

 

WEDNESDAY 20.01.2016
ETHICAL FASHION SHOW und GREEN SHOWROOM
9:30 Uhr: Vortrag: „Textilbündnis – Erste Ergebnisse und nächste Schritte!“ Ministerialdirigent Dr. Bernhard Felmberg (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). Auf Deutsch.

10:30 Uhr: Vortrag: „Fashion in Cycles – ein Paradigmenwechsel“. Prof. Friederike von Wedel-Parlow (Director MA Sustainability in Fashion, Esmod Berlin). Auf Deutsch.

11:30 Uhr: Presserundgang (Treffpunkt Presselounge)

12 Uhr: Vortrag: „GOTS für alle – ob David oder Goliath – vom Faserlieferanten bis zum Einzelhändler. Wer ist wofür verantwortlich, wer hat welchen Nutzen?“ Claudia Kersten (GOTS Marketing Direktorin und Repräsentantin Deutschland, Österreich, Schweiz) und Heike Scheuer (Geschäftsstellenleitung Internationaler Verband Naturtextil). Auf Deutsch.

13:30 Uhr: Vortrag: „Konkret nachhaltig – mit Fairtrade“. Leslie Michel (Projektmanager Textile Standard, Trans Fair e.V.). Auf Deutsch.

15 Uhr: Podiumsdiskussion: „Realisierung von existenzsichernden Löhnen in der Zulieferkette“.
Mit Philipp Langer (LangerChen), Chandra Prakash Jha (Cocccon) und Mariusz Stochaj (Continental Clothing).
Moderation: Mark Starmanns (Get Changed/BSD Consulting). Auf Englisch.

16:30 Uhr: Vorstellung WellMade Book, Das Buch dient als Richtlinie für europäische Bekleidungsprofis, um weiter darüber nachzudenken, wie sich das Leben der Arbeiter und Arbeiterinnen in der Bekleidungsindustrie verbessern lässt. Die Programmerfolge von WellMade und der Weg in die Zukunft. Vera Köppen, deutsche Vertreterin der Fair Wear Foundation. Auf Englisch.

 

 

THURSDAY 21.01.2016
ETHICAL FASHION SHOW und GREEN SHOWROOM
11 Uhr: Create Green Frühstück. Podiumsdiskussion zum Thema Kreislaufwirtschaft.
Mit Prof. Friederike von Wedel-Parlow (Esmod Berlin), Brett Mathews (MCL Global, Magazin Circular Economy), Steffen Riese (Pyua), Javier Goyeneche (Ecoalf) und Benjamin Marias (AIR). Moderation: Cira Riedel und Anna Rodewald (Greenroomvoice). Auf Englisch.

13 Uhr: Vortrag: „Zirkularität. Welthauptstadt des Wollrecycling Prato“. Lucy Norris (University College London) und Arianna Nicoletti (Aluc). Auf Englisch.

14:30 Uhr: Präsentation „Sweatshop – deadly fashion. Frida aus der norwegischen Web-Dokumentation berichtet über Ihre Erfahrungen als Fabrikarbeiterin in der Bekleidungsindustrie Kambodschas“. Frida Ottesen, TV-Show „Sweatshop“. Auf Englisch.

 

 

FASHION SHOWS

TUESDAY 19.01.2016
GREEN SHOWROOM
15 Uhr: Salonshow mit Outfits von Altai Cashmere, Austriandesign.at, Ayurganic, Blue Sky Cashmere, Bodios Yak & Cashmere, Carpasus, Elementum by Daniela Pais, Esmod Berlin, Gobi Organic by Sarazul Cashmere, Inti Ferreira, JM Jinst Murun, Kate, Lanius, Mongol Textile, Somyso, Studio Elsien Gringhuis, Studio Jux, Uujin, WalkBoxx/SilkBoxx, Xess + Baba, Zora Heinicke. Nur auf Einladung!
17 UhrEthical Fashion on Stage mit Outfits von Daily’s Nothings Better, De´qua, Diamond Army, Early Fish, Feuervogl, Format, Get Lazy, Göttin des Glücks, Inheels, L´Herbe Rouge, Mud Jeans, Myomy Do Goods, Myssyfarmi , Päälä, Reet Aus, Rewrap, Tranquillo, Tuschimo, Vintage for a Cause, Zuckerkrawatte. Nur auf Einladung!

ETHICAL FASHION SHOW
1
7 Uhr: Ethical Fashion on Stage mit Outfits von Daily’s Nothings Better, De´qua, Diamond Army, Early Fish, Feuervogl, Format, Get Lazy, Göttin des Glücks, Inheels, L´Herbe Rouge, Mud Jeans, Myomy Do Goods, Myssyfarmi , Päälä, Reet Aus, Rewrap, Tranquillo, Tuschimo, Vintage for a Cause, Zuckerkrawatte. Nur auf Einladung!

THURSDAY 21.01.2016
LAVERA SHOWFLOOR
15.00 Uhr: Roshi Porkar und meshit
17.00 Uhr: seenbefore.de
19.00 Uhr: LUXAA und Vergabe “lavera Green Fashion Award”

 

PARTIES

TUESDAY 19.01.2016
18:00: Bleed x Upcycling Talents Showroom Opening Party
(im Upcycling Fashion Store, Anklamer Straße 17, 10115)
19:00: Innatex Lounge (Nur auf Einladung)

 

 

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die gruene wiese in Münster - einen der größten grünen Concept-Stores in Deutschland mit angebundenem Onlineshop. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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frauen und kleider

Endlich: Winter ist Lesezeit. Das wunderschön gestaltete Buch Frauen und Kleider – Was wir tragen, was wir sind ist eine Liebeserklärung an die Mode. Fernab von der Glorifizierung der Fast Fashion zeigen die Autorinnen Leanne Shapton, Sheila Heti und Heidi Julavits, warum Frauen anziehen, was sie anziehen.  Leanne Shapton sagt über die Motivation, dieses Anti-Fashion-Buch zu schreiben:

In Magazinen geht es meist darum, dass vermeintliche Makel korrigiert oder kaschiert werden müssen. Wir sollen unsere Hintern hassen oder unsere Oberarme. Das ist bescheuert. Unsere Vision von Mode ist stolz, lustig, selbstkritisch und politisch.

Dazu haben sie einen Fragebogen entwickelt und ihn über 500 Frauen aus aller Welt vorgelegt. Dabei geht es um Fragen wie “Wenn du alle Kleidungsstücke bis auf eines weggeben müsstest, welches würdest du behalten?”, “Gibt es Teile, die du mehrfach besitzt?” oder “Wie und wann kaufst du dir neue Kleider?” – spannende Fragen, die zur Reflexion über das eigene Konsumverhalten anregen. Bewegende Interviews mit Textilarbeiterinnen in Kambodscha machen deutlich, welchen Einfluss unsere Art, mit Kleidung umzugehen, auf das Leben der Frauen in den Produktionsländern hat. Das alles kommt jedoch ohne erhobenen Zeigefinger daher – was es aber noch eindringlicher macht. So werden die Frauen gefragt, was sie selbst tragen.

Ich weiß nicht, was auf meinem Shirt steht, weil ich nicht lesen kann.

Wir müssen uns der Hitze in der Fabrik anpassen. Diesen Pullover kann ich nur tragen, weil ich heute frei habe.

Die Autorin Sheila Heti spricht mit der Menschenrechtsjournalistin Mac McClelland, die unter anderem über die Arbeitsbedingungen bei Abercrombie recherchierte. Sie erzählt:

Sie machen “Echtzeit-Updating”, die Software sagt ihnen: Wir haben so und soviele Bestellungen zu erledigen, und bestellen die Arbeiter Tag für Tag ein.

Die Kapitel, die sich mit fairen Produktionsbedinungen befassen, machen zwar nur einen kleinen Teil des Buches aus und blenden auch die ökologischen Aspekte aus. Dennoch ist “Frauen und Kleider” lesenswert, weil es zeigt, wie Frauen mit Mode ihr Selbstbewusstsein ausdrücken und wie sie lernten, sich in ihrem Körper wohlzufühlen (wohl einer der Gründe, warum es zu den Buchempfehlungen von Edition F gehört). “Frauen und Kleider” ist eine soziologische Studie, über die die Süddeutsche Zeitung schreibt:

Das Klügste und Überraschendste, was es derzeit über Mode zu lesen gibt.

Daraus folgt: Lieblingskuschelklamotten angezogen, ab aufs Sofa und loslesen!

 

     
 Sara Westerhaus   Sara Westerhaus ist Onlineredakteurin und freie Autorin für verschiedene Magazine und Blogs. Schon seit 2007 bloggt sie zudem in ihrem eigenen Blog In Bewegung über Nachhaltigkeit, Vegetarismus und Laufsport.

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Wenn es etwas Interessantes zu Fasern gibt, werde ich dazu schreiben, habe ich gesagt. Und Mikroplastik ist neben Recycling-Fasern sicher das Forschungsthema, wo momentan die Dynamik am größten ist.

Wo steckt überall Mikroplastik drin? Je mehr man sucht, desto mehr findet sich. Außer den bekannten Microbeads in Peelingscremes etc enthalten Kosmetika (z.B,. Shampoos, Make-Up, Sonnencreme) offenbar noch etliche andere Polymere, die von der Industrie aber nicht als Mikroplastik angesehen werden. Zum Teil handelt es sich wohl um wesentlich kleinere (Nano-)Partikel. Um welche Mengen es geht und wie gefährlich diese Polymere sind, ist weit gehend unklar. Jenseits der Kosmetikindustrie, die ja zumindest ihre Zutaten deklarieren muss, wird die Lage noch unübersichtlicher. Viele Reinigungsmittel und Farben enthalten ebenfalls Mikroplastik, die Industrie hält sich aber mit Informationen zurück. Da kommt noch einiges auf uns zu.

Es herrscht Einigkeit, dass sich Plastikpartikel in Kosmetika (Microbeads) leicht ersetzen lassen und daher umgehend eliminiert werden sollten. In einigen US-Bundesstaaten (etwa Kalifornien) gilt sogar bereits ein Verbot. Auf Druck von Organisationen wie Plastic Soup und BUND haben etliche Hersteller die Absicht verkündet, Microbeads aus ihren Produkten zu entfernen. Einkaufsführer und Apps zu diesem Thema sind der Renner. Das Problem dürfte sich in absehbarer Zeit also erledigt haben. Aber möglicherweise sind die Microbeads ja nur die Spitze des Eisbergs – siehe Shampoos, Make-Up, Sonnencreme, Scheuermilch, Farben…..

Und wie war das jetzt mit dem Abrieb von Fasern?

Was die Fasern angeht, könnten die Emissionsmengen wesentlich größer sein als bislang angenommen. Bei der Studie mit den berühmten 1900 Fasern pro Waschgang wurde nur mit klarem Wasser gewaschen, doch bei Zusatz von Waschmitteln lösen sich anscheinend mehr Fasern. Die Plastic Soup Foundation, die sich bislang erfolgreich auf Mikroplastik in Kosmetik konzentriert hat, hat nun auch das Thema Fasern aufgegriffen. Sie haben in Kooperation mit Wissenschaftlern ein Projekt namens Mermaids (www.life-mermaids.eu) ins Leben gerufen, das Lösungswege aufzeigen soll. Woher die ihre horrenden Zahlen haben, ist mir allerdings schleierhaft. Ich würde die jedenfalls niemals für eine Kampagne verwenden. 

Und sorry, jetzt kommt es: Auch Schuhsohlen produzieren Abrieb – eine weitere potenziell bedeutsame Quelle, da wir fast alle auf Gummisohlen rumlaufen.

Und was uns am meisten interessiert….. Lösung bei den Fasern?

Und obwohl hier Daten, Fakten, Info-Style herrscht, gestattet mir jetzt pure Ironie. Wenn man Textilforscher nach einer Lösung fragt, kommen die mit mehr Textilveredelung….. Und um die Krabben dieser Welt, sollte man jetzt sofort anfangen, sich Sorgen zu machen!

Denn in Köln waren Referenten des italienischen Forschungsrats (die mit der Plastic Soup Foundation im Mermaids-Projekt kooperieren). Sie sehen die Lösung in verbesserter Veredelung der Kunstfasern. Gute Ergebnisse zeige etwa die Behandlung mit Chitosan, einer modifizierten Form des Chitins, das aus Krabbenabfällen gewonnen wird (mit denen man aber vermutlich nicht weit kommt…Krabben, lauft!)

Die Abwässer von Waschmaschinen mit Filtern zu reinigen, halten sie für sehr schwierig. Die von ihnen verwendeten Filter setzten sich schnell zu und seien nicht regenerierbar. Sie haben aber von haushaltstauglichen Filtern gehört, die in Kanada erhältlich sind (das müssen die hier sein: http://www.environmentalenhancements.com/). Laut einer Vertreterin des spanischen Instituts LEITAT (die ebenfalls bei Mermaids beteiligt sind) ist das bei den in Europa üblichen Waschmaschinen aber alles viel komplizierter. Und stellt euch vor, sorry Klischee, die ordentliche Hausfrau nimmt den vollen Filter voll mit Mikrofasern aus der Maschine und kippt ihn ins Waschbecken….

Kurz und gut: Bei Kosmetika ist die Lage einfacher als bei Textilien – da kann man einfach tabula rasa machen. Spannend, wie die Entwicklung der Forschung weiter geht. Ich werde trotzdem mal ein paar Gespräche mit großen Waschmaschinen-Herstellern führen.

An dieser Stelle erstmals fröhliche Weihnachten euch allen und ein gutes Neues Jahr!

 

 

 

     
 Kirsten   Kirsten Brodde, Blog-Gründerin und Autorin von "Saubere Sachen", hat das Thema Ökomode quasi aus dem Nichts entwickelt. Sie arbeitet als Greenpeace Detox-Campaignerin bei Greenpeace Deutschland.

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Jellyfish

Was mich umtreibt? Der Verdauungstrakt von Fischen, der mit Mikroplastik gefüllt ist, darunter viele Fasern. Lecker, oder? Studien zeigen, dass Mikroplastik von vielen Meeresbewohnern in erheblichen Mengen gefressen wird, weil sie es mit Plankton verwechseln. Wie größere Plastikteile den Magen von Seevögeln oder Meeresschildkröten verstopfen, so blockiert Mikroplastik den Verdauungstrakt kleinerer Meerestiere. Mikroplastik – da ist die Wissenschaft einig – bedroht die Nahrungsketten der Ozeane essentiell. Mikroplastik sind Kunststoffpartikel mit einem Durchmesser von weniger als fünf Millimetern. Es kann sich sowohl um Bruchstücke größerer Plastikteile wie Flaschen oder Tüten handeln, als auch um Partikel, die gezielt hergestellt wurden, zum Beispiel als Bestandteil von Peeling-Cremes. Die Menge von Mikroplastik im Ozean nimmt ständig zu.

Mikroplastik – das ist ein Problem mit potentiell apokalyptischen Ausmaßen. Es ist Zeit, Alarm zu schlagen, denn Mikroplastik ist nicht rückholbar. Die Bedrohung der Meere ist in etwa so groß wie damals die Umweltbedrohung durch Pestizide, die Rachel Carson 1962 in ihrem Buch “Der stumme Frühling” beschrieb. Mikroplastik ist der “stumme Frühling” unter Wasser.  Schätzungen zufolge landen sechs bis zehn Prozent des weltweit hergestellten Kunststoffs in den Ozeanen. Das sind jährlich bis zu 30 Millionen Tonnen. Und aus Makroplastik wird Mikroplastik.

Warum das bei einer Textilexpertin für Albträume sorgt? Weil meine Kollegen aus dem Meeresbereich bei Greenpeace gefragt haben, wie ich den Mikroplastik-Eintrag durch Kunstfasern beurteile und ich zu recherchieren begonnen habe. Erstes Ergebnis: Grundsätzlich gelangen bei jedem Waschgang Fasern ins Abwasser. Das gilt auch für Textilien aus Naturfasern, die jedoch im Gegensatz zu Kunstfasern biologisch abbaubar sind. Nach Angaben des Umweltbundesamtes tragen synthetische Textilien in Deutschland mit bis zu 400 Tonnen jährlich zur Verschmutzung der Umwelt mit Mikroplastik bei. Das ist um Größenordnungen weniger als etwa die Zersetzung größerer Plastikabfälle, entspricht aber der Partikelbelastung durch Kosmetikprodukte (kleine Plastikkügelchen etwa in Peelingcremes).  Die Freisetzung von Synthetikfasern beim Waschen ist also von der Menge her vernachlässigbar, aber was einmal da ist, bleibt und ist durch diese Langlebigkeit eben doch ein Problem und schlägt bei Kunstfasern negativ zu Buche.

Interessant ist, dass nicht alle Kleidungsstücke gleich viel Fasern in der Waschmaschine verlieren. Besonders problematisch ist das Sammelgrab Fleece (viele Fasern), die bei Versuchen doppelt so viel Fasern freisetzten wie Hemden aus Polyester. Ein Fleece-Pullover kann bei einer einzigen Wäsche bis zu 1900 Fasern ins Abwasser abgeben. In Nordamerika sind bereits Filter auf dem Markt, mit denen sich Waschmaschinen nachrüsten lassen. Noch zeigen die großen Waschmaschinen-Hersteller allerdings wenig Interesse an einer solchen Technik. Und ob sich die Kunstfasern generell anders produzieren lassen, so dass es nicht zu Abrieb kommt, dazu habe ich keine Informationen gefunden bislang. Ich weiß also noch nicht, ob Kunstfaser-Textilhersteller etwas verändern können.

Soll man Kunstfasern also lieber meiden? Kunstfasern verbrauchen in der Herstellung weniger Wasser als Baumwolle. Zudem lassen sie sich stofflich besser recyceln. Auf der Minus-Seite schlagen die verheerenden Umweltauswirkungen bei der Förderung des Rohstoffes Erdöl zu Buche und eben die Faser-Emissionen. Machen wir uns nur klar, dass Kunstfasern fast 60 Prozent der weltweiten Textilproduktion ausmachen. Diese Menge durch Biobaumwolle&Co. zu ersetzen, erscheint momentan schlichtweg unmöglich. Für Sportsachen jedenfalls steige ich jetzt auf Engel Sports um und ihre GOTS zertifizierte Kollektion aus Merinowolle und Seide.

Was bleibt uns sonst? Auf unnötiges Waschen von Textilien zu verzichten, zählt sicher dazu. Und eben generell weniger Kleidung zu kaufen und die Teile länger zu tragen. Ende November gibt es DIE Mikroplastik-Konferenz in Köln. Die Forschung setzt eigentlich jetzt erst richtig ein. Mir ist einfach angesichts der Dimensionen des Problems erstmal die Spucke weggeblieben. Und an dem Faser-Thema bleibe ich dran. Wenn es in Köln was interessantes Neues gibt, werde ich hier darüber schreiben.

Aus Taiwan vom Jahrestreffen der Greenpeace-Detox-Kampagne, grüßt euch Kirsten!

     
 Kirsten   Kirsten Brodde, Blog-Gründerin und Autorin von "Saubere Sachen", hat das Thema Ökomode quasi aus dem Nichts entwickelt. Sie arbeitet als Greenpeace Detox-Campaignerin bei Greenpeace Deutschland.

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16 Aug, 2015

Sommer, Sonne, Innatex

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Christian Grewe/Innatex

37. Innatex und gefühlt auch 37 Grad. Bei hochsommerlichen Temperaturen bin ich im gut klimatisierten ICE nach Frankfurt gereist. Auch sonst hat die Hitze anscheinend kaum jemanden vom Messebesuch abgehalten, denn es war eine der bestbesuchtesten Sommermessen überhaupt.
Wer von Sonntag auf Montag in Wallau geblieben war, konnte so auch eine großartige Sommerparty erleben. Und nicht nur das. Knowledge Cotton Apparel und Recolution hatten ihre Stände mit einer gemeinsamen Bar verbunden. Auf der Cocktailkarte: Knowledge Cotton Apperol, Reco Fizz und der Innaflex No1.

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Ein ganz besonderes Highlight hatte sich auch Andi vom Vertrieb Okey Dokey Distribution (Bleed, Vatter, Surfrider Foundation) ausgedacht. Seinen Bulli baute er an den Abenden zur mobilen Disko um. Insbesondere die Aussteller_innen der Halle2, in der durchweg junge grüne Brands zu finden sind, feierten hier gemeinsam bis spät in die Nacht. Da ich erst am Montag angereist bin, ist mir das leider alles entgangen, aber ich konnte an der wohligen Erschöpftheit einiger Teilnehmer_innen erahnen, dass es sich gelohnt hätte.

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Nun aber zur Mode. Ich habe mich auf die konzentriert, die ich in Berlin nicht gesehen habe. So auch Carpasus aus der Schweiz, die zwar in Berlin ausstellten aber einfach dort nicht in meinen straffen Messeplan passten. Um so wichtiger auf der Innatex eine zweite Chance zu haben René Grünenfelder und Michael Schreiner kennen zu lernen. Die beiden Jungunternehmer bietet elegante, hochwertige Herrenhemden an. Der New Kent Kragen hat eine mittlere Spreizung und eignet für alle Anlässe, ob mit oder ohne Krawatte. Die edlen Twillstoffe sind bügelleicht und werden in Österreich gewoben und gefärbt. Die Knöpfe bestehen aus Steinnus und selbst bei den Kragenstäbchen sucht Carpasus nach ökologischen Alternativen zum üblichen Plastik. Die gesamte Produktionskette ist über das Tracebility Tool von Produzent REMEI transparent online nachvollziehbar. Obendrauf sind René und Michael supersympatisch und echte Überzeugungstäter.

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Für eine durchdachte und rund um möglichst nachhaltige Produktion steht auch Henning Siedetopp mit seinem Label Mela Wear, das aus dem wissenschaftlichen und studentischen Umfeld der Leuphana Universität Lüneburg gegründet wurde. Auf der Messe präsentierten sie den ersten GOTS und FairTrade zertifizierten Rucksack. Ein Canvas-Rucksack mit Rolltop-Verschluss, der damit voll im aktuellen Retro-Outdoor-Trend liegt. Die gesamte Produktion von Mela findet in Nordindien statt, sodass die Transportwege kurz gehalten werden. Weil sich die Nachhaltigkeitsprofis auch Gedanken machen, was nach der Nutzung mit ihren Produkten passiert, streben sie auch noch eine Cradle2Cradle-Zertifizierung und damit die vollständige Kreislauffähigkeit ihrer Produkte an. Auch wenn ich auf ein solches Zertifikat verzichten könnte würde ich mir von viel mehr grünen Labels wünschen, dass sie ihre Produkte so gestalten, dass sie in einen technischen oder natürlichen Kreislauf überführt, also entweder hochwertig recycelt oder kompostiert werden können.

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Innovative Produkte und Konzepte bekomme ich auch wieder bei den DesignDicoveries geboten. Keine Mode, aber dennoch textile Produkte machen ChicoBag aus Californien. Die B Corporation ist mit wiederverwertbaren Einkaufstüten aus Recycling-Polyester gestartet und hat ihr Produktportofolie inzwischen deutlich erweitert. Neue Beutelformen ersetzen Alu- oder Frischhaltefolie für Snacks unterwegs und eine weitere die kleinen Tüten für loses Obst und Gemüse, wie es sie selbst in Biosupermärkten gibt. Die Beutel sind alle maschinenwaschbar, sodass sie auch im Dauereinsatz einfach sauber zu halten sind. Eine ganze Reihe Bioläden bieten diese praktischen Begleiter schon mit eigenem Logoaufdruck an. Neu sind auch ein Daypack-Rucksack, eine Flaschenhaltertasche und ein Duffelbag, allesamt wie die Einkaufstüten in eine integrierte Tasche in sich selbst verpackbar und mit einem Carabiner an Hose oder Rucksack zu befestigen.


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Am Stand gegenüber kommen ChicoBags als Schuhbeutel zum Einsatz. Eine Kooperation, die im Netzwerk Dasselbe in Grün entstanden ist. Die Schuhe um die es geht stammen von FreiVon, einem Startup für nachhaltige vegane Business-Schuhe. Ich kannte die Schuhe schon von einer Crowfundingkampagne und war gespannt, wie sie in Natura aussehen. Es gibt erstmal je ein Modell für Damen und Herren. Ein alltags- und bürotauglicher Schuh komplett in schwarz, der auf Wunsch mit farbigen Schnürsenkeln aufgepeppt werden kann. Als Obermaterial kommt ein Kunstleder zum Einsatz, dass zu 40 % aus natürlichen Rohstoffen und zu 60 % aus Polyurethan besteht. Optisch macht das Material ein tollen Eindruck und ist kaum von echtem Leder zu unterscheiden. Auch altert es schöner als viele mir bekannten Kunstleder, bei denen über Zeit meist die Farbschicht Risse bekommt oder sich sogar stellenweise ablöst. Davon konnte ich mich durch die eingetragenen Muster an den Füßen der Gründer_innen Sarah Pollinger und Paul Stühle überzeugen. Ökologisch ist das Ganze noch nicht optimal und für das engagierte Gründerpaar daher auch nur ein Schritt auf dem Weg. Sie wollen einen komplett recycelbaren/kompostierbaren Schuh. Bei der Sohle haben sie das schon geschaft. Alle eingesetzten Materialien und ihre vor- und Nachteile beschreibt FreiVon ganz ausführlich und transparent auf der eigenen Website. Produziert wird in einem handwerklichen Betrieb in Pirmasens (Rheinland-Pfalz).

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Christian Grewe/Innatex

Um Handwerk geht es auch bei Joah Kraus. In seinem Ateilier in Köln kreiert der Designer Mode, die keinen Trends hinterherläuft und eine ganz eigene Formsprache zeigt. Dabei legt Joah viel Wert auf hochwertige Materialien sowie den optimalen Schnitt. Auf der Innatex hat der Kölner seine Männerhosenkollektion vorgestellt. Für den perfekten Sitze am Gesäß entwickelte er ein Y-Naht, die es so bei keinem anderen Hosenhersteller gibt. Eine weitere Besonderheit ist der sogenannte Treppensaum, vorne kürzer und hinten über den Schuh fallend. Alle Hosen werden in klassischen Herrengrößen (kurz, normal, lang) angeboten und sind daher für nahezu alle Figurtypen geeignet. Durch die Produktion direk im Atelier bietet Joah auch individuelle Anpassungen an. Auf der Website habe ich mich auch mal durch die anderen Kollektionen geklickt und werde mir das bei meinem nächsten Kölnbesuch auf jeden Fall mal genauer anschauen!

Foto: Christian Grewe/Innatex

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die gruene wiese in Münster - einen der größten grünen Concept-Stores in Deutschland mit angebundenem Onlineshop. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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Ethical Fashion Show | Green Showroom | SS16 | Postbahnhof am Ostbahnhof | Foto: Alf-Tobias Zahn | GRÜNE MODE

Nach einer Saison Pause war ich wieder auf der Ethical Fashion Show und im Green Showroom unterwegs, die zum zweiten Mal im Postbahnhof am Ostbahnhof stattfanden. Für dieses Review hat sich der liebe Lars noch zwei weitere Labels aus dem Green Showroom angesehen, während ich mich auf die Ethical Fashion Show sowie auf Anna und Jula von Jan ‘n June konzentrierte.

Jan 'n June | Ethical Fashion Show | Green Showroom | SS16 | Postbahnhof am Ostbahnhof | Foto: Alf-Tobias Zahn | GRÜNE MODE

Während unseres gemeinsamen Interviews vor einigen Wochen hatte ich Anna und Jula versprochen, während der Messe bei ihnen am Stand vorbeizukommen. Die beiden arbeiteten für Frühjahr/Sommer 2016 in ihrer “Supergirl”-Kollektion zum ersten Mal mit recyceltem Polyamid, welches in der Verarbeitung 1A ist und sich zudem auf der Haut extrem gut tragen lässt. Daraus lassen sich vor allem Oberteile mit offenen Kanten sehr gut schneiden – gar nicht mal so einfach mit den herkömmlichen Materialien. Neben dem recycelten Polyamid experimentieren Anna und Jula mit weiteren Stoffen und gönnen ihrem bisherigen modischen Repertoire noch weitere Farbvarianten. Absoluter Favorit der Einkäufer schien am zweiten Tag des Showrooms dafür ein weißes Kleid zu sein, was gleichzeitig auch als längere Bluse durchging.

Aluc | Ethical Fashion Show | Green Showroom | SS16 | Postbahnhof am Ostbahnhof | Foto: Alf-Tobias Zahn | GRÜNE MODE

Zwei weitere Labels waren nur jeweils einen Stand von Anna und Jula entfernt, denen ich ebenfalls einen Besuch abstatten wollte. Zunächst ging es zu meinen Freunden von Aluc, die auch für die nächste Saison wieder feinste Upcycling-Hemden im Angebot haben. Der Clou ist natürlich, neben der einwandfreien Verarbeitung und dem Gefühl, mit einem Hemd jetzt auch mal wirklich aus der Masse herausstechen zu können, der abnehmbare Kragen, so dass der Individualität eines an sich schon individuellen Produktes keine Grenzen gesetzt werden. Im Mittelpunkt standen diesmal aber gar nicht so sehr ihre Hemden, sondern ein ganz anderes Projekt des Berliner Labels: The Invincible Shirt. Mehr über das schwarze T-Shirt, hergestellt von Überlebenden der Rana Plaza Tragödie, auf der Webseite von Aluc  sowie in Kürze auch bei GROSSARTIG.

G&A - Organic Underwear | Ethical Fashion Show | Green Showroom | SS16 | Postbahnhof am Ostbahnhof | Foto: Alf-Tobias Zahn | GRÜNE MODE

Durch die Kleiderständer von Aluc erspähte ich dann bereits Andreas. Er war mit G&A – Organic Underwear zum ersten Mal auf der Ethical vertreten und holte sich das erste Feedback innerhalb der Branche für seine neue Unterwäschekollektion für Männer ab. Für den Start (Auslieferung ab Herbst 2015) plant er mit vier Modellen in insgesamt 14 Stilen und drei Farben. Die verwendete Baumwolle ist GOTS-zertifiziert und stammt aus Indien. Die gesamte Wertschöpfungskette hat Andreas durch seine langjährige Erfahrung in der Textilindustrie im Auge. Besonders auffällig ist übrigens der breitere Bund (4 statt 3 Zentimetern), den Andreas seinen Buxen verpasst hat. Ob das nun “Calvin Klein in grün” ist (O-Ton eines Messebesuchers), ist mir relativ egal – Andreas hat mich mit seiner Kollektion und seiner akribischen Herangehensweise mehr als überzeugt und ich freue mich bereits sehr auf den Herbst diesen Jahres und eine tolle weiße Boxer Brief von G&A – Organic Underwear.

Phil & Lui | Ethical Fashion Show | Green Showroom | SS16 | Postbahnhof am Ostbahnhof | Foto: Alf-Tobias Zahn | GRÜNE MODE

Waren mir Philipp und Caroline von Phil & Lui schon virtuell kreuz sympathisch, hielt die Realität dieses Versprechen mit links. Die beiden teilten sich mit anderen Labels eine Fläche und hatten letztlich nur eine Kleiderstange Platz für ihre neuen Teile für Spring/Summer 2016 – aber diese hatten es in sich. Gerade im Vergleich zu den anderen Marken im Umkreis von 2 Metern zauberten die beiden eine sehr schöne und ihrem Stil entsprechende Verkaufsfläche dahin, dass sich einige Marken davon mehr als nur eine Scheibe abschneiden sollten. Im Gespräch waren die beiden nicht nur sympathisch und voller Tatendrang, sondern auch wissbegierig, wenn es um den gemeinsamen Austausch über Grüne Mode ging.

Für die neue Saison präsentierten sie eine große Bandbreite an verschiedenen Unisex-Shirts, -Longsleeves und -Sweatern sowie auch eine kurze Shorts für Frauen, die mit aufwendigen Stickereien versehen war. Für die verschiedensten Teile ihrer Kollektion fanden Philipp und Caroline immer seltener verwendete Nähmaschinen und schaffen so mit vielen kleinen aber feinen Details, aus der Masse der Grünen Mode herauszustechen. Einfach mal so ein Shirt zu produzieren, käme den beiden nicht in die Tüte – und diesen Drang nach Details und dem richtigen Dreh spürt man, wenn man den beiden beim Verkaufen zu sieht und mit den beiden spricht. Meine Empfehlung: Checkt Phil & Lui in den nächsten Wochen und Monaten – ihr werdet es nicht bereuen.

Lovjoi | Ethical Fashion Show | Green Showroom | SS16 | Postbahnhof am Ostbahnhof | Foto: Alf-Tobias Zahn | GRÜNE MODE

Und wenn ich schon einmal im Lobpreisen bin, dann können wir gleich noch über Lovjoi sprechen. Lovjoi ist gerade einmal etwas älter als ein Jahr und wurde von Verena Paul gegründet. Freddy und Eliane komplettieren das 3er Gespann, das laut Textilwirtschaft unter den Top 10 der “Labels to watch in Berlin” ist und von der INNATEX zu den “DesignDiscoveries” zählt. Dem kann ich nur zustimmen. Lovjoi ist bio, fair und tatsächlich Made in Germany. In Berlin zeigten die 3 sowohl Teile aus ihrer Herbst/Winter 2015/2016 Kollektion als auch die neuen Stücke für SS 2016. Darunter unter anderem Steve, ein toller Pullover in schneeweiß mit Wabenstruktur, der einfach unglaublich gut aussieht und toll verarbeitet ist. Das Äquivalent für die Damen ist nicht minder begeisterungswürdig. Lovjoi bietet aber auch Kleider, einen Rock und Shirts für Männer (die aber an sich auch Unisex getragen werden können), gerne im asymmetrischen Schnitt. Lovjoi ist frisch und unbekümmert, mit den richtigen Gedanken zu ihrer eigenen Produktion und dem Designerherz am rechten Fleck.

Studio Jux | Ethical Fashion Show | Green Showroom | SS16 | Postbahnhof am Ostbahnhof | Foto: Alf-Tobias Zahn | GRÜNE MODE

Bevor ich allerdings all diese Eindrücke sammeln konnte, zog es mich gemeinsam mit Raphael noch zu Studio Jux aus Amsterdam. Das Label habe ich bereits seit Jahren auf dem Schirm und finde die Kollektionen Saison für Saison bzw. Jahr für Jahr immer wieder gelungen. Überraschenderweise kann ich immer noch nicht ein Jux mein Eigen nennen, was sich aber in der nächsten Saison sehr sicher ändern wird. “Schuld” daran sind vor allem zwei neue Kreationen für Männer, die einfach klasse sind. Es gibt zum einen ein schmal geschnittenes Sakko (wenn gewünscht auch mit Hose als Anzug) in einem intensiven, dunklen Blauton, welches durch Feinheiten der nepalesischen Verarbeitungskunst besticht. Zum anderen hat Studio Jux nicht nur neues Jersey und Mixed Twill mit in die Saison genommen, sondern auch sommerlichen Strick, der einen auch bei wärmeren Temperaturen nicht im Stich lassen wird. Sehr tragbare und stilsichere Menswear der Marke Studio Jux, die trotz aller Widrigkeiten durch das Erdbeben in Nepal weiterhin vor Ort produziert wird.

bleed | Ethical Fashion Show | Green Showroom | SS16 | Postbahnhof am Ostbahnhof | Foto: Alf-Tobias Zahn | GRÜNE MODE

Meine allererste Begegnung auf der Ethical habe ich mir für das Ende des Reviews aufgehoben. Direkt um kurz vor 11 Uhr lief ich Michael von bleed in die Arme. Wir unterhielten uns nicht nur über die wunderbare Innatex Lounge im Fluxbau vom Vorabend, die ich wieder zum Netzwerken genutzt habe, sondern auch über das erfolgreiche Crowdfunding der Montado Black Edition. Michael und sein Team hatten auch die Damen-Korkjacke mit am Stand und freuten sich immer noch über die außerordentlich positive Resonanz auf ihr Crowdfunding und die Idee, aus Kork eine Alternative zur Lederjacke zu kreieren. Natürlich hatten sie auch frische Stiles für die nächste Sommersaison dabei. Der Weg von bleed geht in eine gute Richtung namens Streetwear und ich bin gespannt, wie lange sie die Ethical weiterhin als Messe nutzen werden. Der SEEK würde bleed ebenfalls gut zu Gesicht stehen, wenn sie die eingeschlagene Richtung beibehalten werden.

Danke Alf, ich (Lars) übernehme. In eine andere Richtung, aber auch sehr erforlgreich entwickelt sich das Kölner Label Lanius, dass sich diesmal in der Aussenhalle präsentierte. Neben luftigem Strukturstrick haben es mir (Lars) vor allem die neuen Tencel- und Modalqualitäten angetan. Lockere Blusenshirts, Kleider und Röcke mit edlem seidigem Glanz in sommerlich frischen Farben. Natürlich gibt es auch wieder schöne Musterkleider, aber insgesamt wirkt die Kollektion cleaner und das gefällt mir sehr gut. Zusammen mit den neuen Stoffen und der gewohnt hervorragende Verarbeitung wird Lanius damit sicher noch stärker auch ein jüngeres Publikum für sich gewinnen können.
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Auch bei PeopleTree gab es frische Sommerfarben und mehr einfarbige Styles als viele das vielleicht von den Briten gewohnt sind. Linda Mohrmann, die mit ihrer agentur für fair fashion PeopleTree in Norddeutschland vertreibt, konnte mir zudem berichten, dass nun auch Handwebstoffe in Bio-Qualität umgesetzt werden konnten. Das ist eine super Neuigkeit. Die handgewebten Stoffe sind seit Jahren fester Bestandteil der Kollektionen und kommen oft für die stärksten Blusen und Kleider zu Einsatz.

Die Pioniere moderner fairer und grüner Mode entwickeln sich allesamt sehr gut und mit Lovjoi und Jan ‘n June gibt es endlich mal wieder 2 vielversprechende Neulinge. Dank der Innatex-X-Lounge – diesmal mit Spreeblick im FluxBau! – habe ich zudem wieder viele großartige Menschen aus der grünen Modebranche kennen gelernt und wiedergetroffen, was sonst beim 3-Tägigen Messehopping nicht möglich wäre. So haben auch Alf und ich uns wenigstens noch ein bisschen austauschen können. An dieser Stelle nochmal ein großes DANKESCHÖN an Alf für die tolle Berichterstattung hier und auf seinem eigenen Blog www.grossvrtig.de. Bis bald Berlin.

     
 Alf-Tobias Zahn   Alf-Tobias Zahn führt mit seiner Initiative Designmob Kinder und Jugendliche spielerisch an das Thema "öko-faire Mode" heran und schreibt als freier Modejournalist über "Grüne Mode" für Groß und Klein, unter anderem für das Berliner Blogazine Kalinka.Kalinka und seinen eigenen Blog www.grossvrtig.de.

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Wieso grüne Schwimmsachen? Na ja! Wenn in diesen Wochen zwischen Wasser, Gras, Sand, Luft und unserer Haut ziemlich oft nur ein kleines bisschen Stoff liegt, dann wäre es gut….. wenn dieser Stoff möglichst giftfrei und fair produziert wurde. Im Folgenden kommen zehn Labels, die die Frage nach grüner Bademode auf zehn unterschiedliche Arten beantworten. Rein ins Wasser!

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Der Triangel-Bikini

Frija Omina (aus Berlin/Deutschland) ist gemeinsam mit Patagonia und Underprotection weit und breit das günstigste Label für fair produzierte Bikinis (79,90 Euro) und bald auch Badeanzüge. Sie werden in einer Manufaktur in Berlin Kreuzberg genäht. Die bunt bedruckten Stoffe sind aus Biobaumwolle und GOTS-zertifiziert. Baumwolle? Ja, die braucht wirklich einen Tick länger zum Trocknen, kann aber mit schönen Bändeln nachgestellt werden, damit alles wirklich immer sitzt. Frijas erste Bikinis waren aus recyceltem Polyester, aber das “Hautgefühl war dann wichtiger” und deswegen ist es Baumwolle geworden. Zu beziehen unter anderm über Dawanda und Sexyandfair.

Der Häkelbikini

Häkeln ist Omasache? Stimmt. Die Bikinioberteile (siehe Bild oben) werden von einer Handvoll älterer Damen gehäkelt, und die Panties und die Slips in einem Familienbetrieb in Apolda gestrickt. High-Tech ist dagegen das Material: Ursprünglich haarfeines Polyester, das extra auf eine Dicke gezwirnt wird, mit der man es von Hand verarbeiten kann. Das Material trocknet sehr viel schneller als Polyamid, das gewöhnlich für Bademode verwendet wird. Und es gibt noch eine herrliche Geschichte von einem Häkelbikini der Mutter von einer der Gründerinnen von e.a.seawear, wegen dem die ganze Geschichte begann. Lest selbst. Die Bikinis kosten ab 126 Euro.

Die Sportlichen

Der nächste Punkt sind die Sportlichen: Badanzüge, Bikinis und Badeshorts. Odina (Bikinis ab 100 Euro), Koru Swimwear (Bikinis ab ca. 140 Euro) und das bekannte Label Patagonia (Männershorts ab 45 Euro, Bikinis ab 75 Euro) machen Bademode, mit der man von Surfen bis Yoga am Strand alles mögliche anstellen kann. Hergestellt werden sie in Florida und Kalifornien, Wind und Wellen stecken auch in den Materialien: recycelte PET-Flaschen, recyceltes Nylon und Polyester und sogar entsorgte Fischernetze.

Die Badeanzüge

sind ein Lieblingsthema von mir, und als Mareen von Mymarini aus Hamburg mir erzählt hat, dass sie gerade groß in Mode kommen (siehe die schönen Rückenansichten oben, ab 190 Euro), hat mich das nicht gewundert. Badeanzüge schützen halt am besten vor der Sonne. Die Stoffe kommen aus Italien, werden dort umweltschonend gefärbt und in Süddeutschland zu Badeanzügen und Bikinis genäht. Etwas Besonderes bei Mymarini ist, dass die Stücke aus einem Guss gefertigt werden – ohne Schnallen, Häkchen, Bügel. Und vor allem, dass jedes Modell zwei Seiten und Farben hat, die jede für sich getragen werden können. Interessant auch 1-9-7-9, ein Label, das auf Haiwai gegründet wurde. Die ersten Bikinis wurden aus Hemden mit traditionellen Hawaiimustern upgecycelt. Die gibt es zwar nicht mehr, aber das Label ist bekannt für Swimwear im Stil der 50er-Jahre. Genäht in Thüringen mit Spandex aus Italien (ab 160 Euro).

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Curlee Bikini stellt aus recycelten und nachhaltigen Materialien Bandeanzüge und Bikinis her, die auch gerne mal etwas experimenteller sind (siehe Bild). Mit Abstand die teuerste Marke – wirklich “sustainable luxury”. Ab ca. 250 Euro. La Isla produziert in Medellin, Kolumbien, und führt in der 2015-Kollektion zwei Bikinis aus recyceltem PET (ab ca. 120 Euro). Und Finale grande: Underprotection ist primär ein Wäschelabel, das aber auch eine Handvoll Bademode im Repertoire hat – drei Bikinis und einen Badeanzug, alle schwarz und schlicht, aber raffiniert (ab 70 Euro). Sie werden in Neu Delhi, Indien, genäht, sind Fair Wear Foundation zertifiziert und aus recyceltem Polyester. Das dänische Label hat sich 2010 in Kopenhagen gegründet und ist inzwischen auch in Deutschland in vielen Geschäften zu finden: wo genau, seht ihr hier!

Dies ist ein Gastbeitrag von Magda Kotek. Die freie Journalistin erzählt auf anderskleiden.de Stories zu fair fashion und schreibt für verschiedene Magazine (u.a. ENORM).


 

     
 Kirsten   Kirsten Brodde, Blog-Gründerin und Autorin von "Saubere Sachen", hat das Thema Ökomode quasi aus dem Nichts entwickelt. Sie arbeitet als Greenpeace Detox-Campaignerin bei Greenpeace Deutschland.

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