Industry of all Nations | IOAN | Crew Neck | Los Angeles | Tamil Nadu | Foto: IOANIndustry of all Nations | IOAN | Crew Neck | Los Angeles | Tamil Nadu | Foto: IOAN

Wie lange musste ich denn bitte darauf warten? Enspannte Schnittform trifft auf natürliche Farben und – Achtung – keine großflächigen Prints! Ich musste erst den Umweg über Finnland und meinen Freund Hannu gehen, um Industry of all Nations aus Los Angeles zu entdecken und lieben zu lernen.

Meine Begeisterung hat mehrere Gründe. Seit 2010 arbeitet das US-amerikanische Label an einer gänzlich neustrukturierten und besseren Produktionskette. Exzellente Qualität mit einwandfreien Materialien ist ein Muss für das Label. Die aktuelle Kollektion umfasst klassische Basics, Sweaters, Shirts, Jeans und Shorts. Der Clou ist die verwendete 100 Prozent biologisch angebaute und zertifizierte Baumwolle aus dem hauseigenen Clean Clothes Project, welches in Tamil Nadu, Indien, lokalisiert ist. Die Farbpallette umfasst viele unterschiedliche, mit Naturfarben schonend gefärbte, Töne. Vom hellblauen Indigo über Abstufungen von Indian Forest bis zum klassischen Schwarz. Die Farbwelten werden von Batik- und indisch inspirierten Designs komplettiert. Ganz wundervoll.

Industry of all Nations | IOAN | Henley Longsleeve | Los Angeles | Tamil Nadu | Foto: IOANIndustry of all Nations | IOAN | Henley Longsleeve | Los Angeles | Tamil Nadu | Foto: IOAN

Das Besondere an IOAN™ sind aber nicht nur diese fantastischen Basics, sondern auch die vielen Projekte, die das Label initiiert und durchführt. Durch IOAN Batik und das Clean Clothes Project oder die Produktion der schicken Kenyatas Sneakers im Herzen Mombasas werden Projekte mit der Bevölkerung vor Ort in sozialverträglichem Umfeld durchgeführt und viele Dinge, die in der konventionellen Modeproduktion schief gehen, besser und nachhaltiger gestaltet.

Industry of all Nations | IOAN | Sneakers | Kenyatas | Los Angeles | Kenia | Foto: IOANIndustry of all Nations | IOAN | Sneakers | Kenyatas | Los Angeles | Kenia | Foto: IOAN

Industry of all Nations sind – wie mir auch Lars bestätigte – noch ein richtiger Geheimtipp. Die Oberteile sind ab 60 Euro zu erstehen, die Shirts liegen bei 135 Euro und die Shorts in verschiedenen Farben bei glatt 100 Euro. Checkt dafür am besten den IOAN™-Webshop.

     
 Alf-Tobias Zahn   Alf-Tobias Zahn führt mit seiner Initiative Designmob Kinder und Jugendliche spielerisch an das Thema "öko-faire Mode" heran und schreibt als freier Modejournalist über "Grüne Mode" für Groß und Klein, unter anderem für das Berliner Blogazine Kalinka.Kalinka und seinen eigenen Blog www.grossvrtig.de.

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15 Okt, 2014

Fasermarktreports

Textilfasermarkt 2013

Der globale Fasermarkt ist in Bewegung. Wie schon seit vielen Jahren wachsen die Anteile von synthetischen (erdölbasierten) und Cellulosefasern zulasten von Naturfasern wie Baumwolle und Wolle. Ökomodepionier_innen hätten diesen Trend wohl generell für problematisch gehalten und zugleich daraus ihre Daseinsberechtigung abgeleitet. Heute verändern wissenschaftliche Studien und Ökobilanzen die Sichtweise auf die Entwicklung. So manche Cellulosefasern und auch recycelte Synthetikfasern schneiden ökologisch besser ab als Naturfasern, zumindest wenn letztere nicht biologisch angebaut wurden (wir berichteten).

Die Fasermarktstudien von Textile Exchange (TE) betrachten den gesamten globalen Textilmarkt, also sowohl Bekleidungs- als auch Haushalts- und Wohntextilien. Dennoch passen die Zahlen zu dem, was sich in den großen Modehäusern und Handelsketten beobachten lässt. Polyester und Nylon beherrschen das Angebot. Insgesamt sind erdölbasierte Fasern für knapp 62 Prozent des globalen Faservolumens verantwortlich.

Baumwolle kommt an zweiter Stelle noch auf gut 30 Prozent. Das entspricht einem Rückgang von 4,1 % gegenüber dem Vorjahr. Bei Bio-Baumwolle liegt der Rückgang laut TE sogar bei 21 Prozent. Zugleich hat der Umsatz mit Bio-Baumwolle um rund 30 Prozent zugenommen. Was auf den ersten Blick wiedersprüchlich wirkt, erklärt sich durch den Abbau eines großen Angebotsüberhangs, der Baumwollbauern in der Vergangenheit dazu zwang, ihre Bio-Baumwolle als konventionelle Baumwolle zu verkaufen.

Dennoch ist selbst in den grünen Conceptstores nicht zu übersehen, dass Baumwolle (hier dann aus Bio-Anbau) zumindest in den Damensortimenten durch grüne Cellulosefasern wie Lyocell (Tencel) und Modal Edelweiß zurückgedrängt wird. Hauptgrund sind hier die fießenden, transparenten und oftmals leicht gläzenden Qualitäten, die sonst nur mit wesentlich teurerer Seide erreicht werden können. Im konventionellen Handel wird das Bild durch Polyester, Nylon und Viskose bestimmt. Alle 3 sind deutlich billiger als konventionelle Baumwolle und auch als grüne Regeneratfasern wie Tencel, Monocel oder Modal Edelweiß.

Der Anteil von Bio-Baumwolle am globalen Baumwollangebot liegt übrigens derzeit bei ca. 0,5 Prozent. Die gerne als “nachhaltige Baumwolle” vermarkteten Anbaukonzepte Better Cotton Initiative (BCI) und Cotton made in Africa (CmiA) kommen hingegen bereits bei 0,6 Prozent bzw. 2,3 Prozent. Bio-Baumwolle gerät damit auch im Segment der alternativen Anbausegmente unter einen gewissen Druck.

Am Gesamttextilmarkt nehmen Cellulosefasern, zu denen sowohl konventionelle Viskosen als auch Lyocell (Tencel, Monocel) zählen mit 6,8 Prozent den drittren Rang ein, verzeichnen jedoch das stärkste Wachstum. Wolle kommt immerhin noch auf 1,3 Prozent. Dabei ist zu beachten, dass die Studie Jahrensvolumen misst und Wolle natürlich sehr saisonlastig ist. Zugleich sind Wollpullover, die zumindest überwiegend wirklich aus Wolle bestehen, im konventionellen Handel eine Seltenheit geworden. Die höheren Anteile liegen hier auch auf Produktebene meist bei Acryl, Polyester und Viskose.

Wie immer enthalten die TE-Studien auch Rankings der größten Verwender verschiedener Fasern. Im “Preffered Fibre Report” erstmals dabei auch eine Top-5 für recyceltes Polyester. Nike führt hier vor Puma, h&m, G-Star und Prana. Eine sehr weite Verbreitung hat inzwischen auch Tencel gefunden. Zu den Top-Verbrauchern dieser Regeneratfaser zählen neben h&m auch Uniqlo, die Inditex Gruppe (Zara und weitere), Gap und Levi’s. Es ist jedoch davon auszugehen, dass Tencel diesen Breitenerfolg weniger nachhaligkeitsbezogenen Erwägungen der großen Textiler verdankt, sondern die spezifischen technischen Eigenschaften sowie der gesunkene Preis die Hauptgründe der verstärkten Verwendung sind.

Die Executive Summeries der hier zusammengefassten Studien 2013 Organic Cotton Report und 2013 Preferred Fibers Market Report können bei Textile Exchange kostenlos heruntergeladen werden. Neben mehr Zahlen zur Marktentwicklung enthält der “Preferred Fibres Report” zwei spannende Tabellen, in denen zum Einen verschiedene Baumwollanbaukonzepte und zum Anderen eine große Zahl verschiedenster Kunstfasern verglichen werden.

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die Gruene Wiese in Münster - einen der größten Ethical Fashion Stores in Deutschland. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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stitched-up

Eine Rezension von Michael Pollok

Mode, in all ihren facettenreichen Variationen, hat etwas Herrliches und Bezauberndes. Bei genauerem Hinsehen offenbart sich aber eine mindestens genauso furchtbare und grausame Realität. Tansy Hoskins Buch ist ein kritisches Manifest, das genau hier ansetzt: Es ist keine Absage an die Schönheit und Kreativität, die in jedem Kleidungsstück steckt, sondern das Plädoyer gegen ein globales System, das auf allen Ebenen des sozialen Reproduktionsprozesses Menschen ausbeutet und diese für ökonomischen Interessen ausnutzt.

Die effektivsten Unterdrücker seien hierbei genau diejenigen, die es schaffen, ihre Untergeordneten dazu zu bringen sie zu lieben, zu begehren und sich mit ihrer Macht zu identifizieren. Mode nutzt genau diese Logik und verwehrt denjenigen an Schönheit und Kreativität teilzuhaben, die in mühevoller, aufzehrender Handarbeit, Tag für Tag auf den Baumwollfeldern und in den Nähfabriken dafür sorgen kleine Kunstwerke zu Minimalpreisen in unsere Läden zu liefern. In ihrem mitreißenden Buch führt Hoskins die Leser in die Untiefen einer Produktionswelt, die nur auf Profit aus ist und von einigen wenigen, transnational agierenden Unternehmen kontrolliert wird. Welche menschenverachtenden Praktiken dabei enthüllt werden dreht sogar gut informierten Modekenner_innen den Magen um und lässt die Mystique der Mode schnell verblassen.

Ständig kommt man ins Grübeln wie eigentlich dieser Pullover hergestellt wurde an den sich die beim Lesen immer wieder aufkommende Gänsehaut schmiegt. Dabei hört Hoskins nicht bei den ausgebeuteten Textilarbeiter_innen in den Produktionsländern auf, sondern erweitert ihre detaillierte Analyse auf die immense Ausbeutung der Natur- und Tierwelt und lenkt dann auch den Blick auf die vermeintlichen Ausbeuter – nämlich uns: die privilegierten Konsument_innen, die den Sinn verloren haben für Qualität, die sich täuschen lassen von großen Marketing-Kampagnen und Models, die sich bis in den Hungertot treiben und an den sexistischen und rassistischen Modeidealen zu Grunde gehen. Mode also als akribisch organisierte Ausbeutungsindustrie, die alle Lebenswelten weltweit vereinnahmt.

Und nun? In den letzten drei Kapiteln macht Hoskins Hoffnung auf eine alternative Realität und zeigt Perspektiven von Widerstand, Reform und Revolution. Hier wird schnell klar, dass sie mehr von uns fordert als zum Beispiel den Konsum ethischer Mode als Symptonbekämpfung eines defizitären kapitalistischen Systems. Wie könne man auch die Lösung für alle Probleme in der Ursache dieser finden? Doch wie kann man dieses menschenverachtende System umgehen? Hoskins fordert nicht weniger als eine radikale Demokratisierung von Mode: kleine Kooperativen in denen die Kleidung selbstbestimmt und unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt wird, unabhängige Designer_innen, aber auch Konsument_innen, die selbst zu kreativen Produzent_innen ihres Lebensstils werden. Nur so könne der Übergang von einer alles verzehrenden Fast-Fashion Mentalität hin zu selbstbestimmten Individualismus geschaffen werden, der nicht auf die Ausbeutung anderer angewiesen ist.

Hoskins Buch ist ein bedeutender und wichtiger Beitrag beim Nachdenken darüber, wie Mode sozial und ökologisch nachhaltig gestaltet werden kann. Nach dem Lesen der letzten Seite ist es eben nicht eines der Bücher, die man resigniert und frustriert beiseitelegt, weil die Probleme sowieso zu groß scheinen oder man keine Lust auf einen weiteren Kauf-dich-nachhaltig-und-glücklich-Guide hat. Hoskins macht Mut und Lust selbst Vertreter_in eines eigenen individuellen Lebensstils zu sein und nicht mehr passive/r Konsument_in. Auch wenn viele Fragen offen bleiben ist das Buch doch eine Grundlage darüber zu reflektieren, wie wir gemeinsam aktiver, demokratischer und freier werden können und dabei das schätzen was wir und was andere dafür tun können aus dieser Welt einen offeneren, schöneren, traumhafteren Ort zu machen. Jede Praxis der politischen Emanzipation – und das gilt auch in der Mode, die nachhaltig sein will – beinhaltet auch immer die schwierigste Form der Befreiung, nämlich uns selbst von uns selbst. Prädikat: absolut lesenswert!

Stitched Up: The Anti-Capitalist Book of Fashion  von Tansy E. Hoskins ist erschienen bei Pluto Press.

     
 Michael Pollok   Michael Pollok ist seit Januar 2012 Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Internationale Beziehungen und Nachhaltige Entwicklung am Institut für Politikwissenschaft Münster und interessiert sich für Perspektiven einer nachhaltigen Politischen Ökonomie von Mode. Er macht derzeit ein Praktikum bei gruene wiese in Münster.

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Wenn irgendein Kleidungsstück ein Öko-Tuning verdient hat, dann Jeans. Einfach, weil Jeans ein Massenprodukt sind und jährlich zwei Milliarden Stück davon gefertigt werden. Allein die Deutschen kaufen jährlich über 100 Millionen Paar jeas, die im Schnitt 30 Euro kosten, obwohl auch Preise jenseits von 200 Euro werden bezahlt, wenn der Hintern in der Jeans knackig sitzt.  Heute gelten die Bluejeans aber erst als tragbar, wenn sie mühselig entstellt sind und so aussehen, als seien sie schon jahrelang getragen. Jeans müssen eine wilde Geschichte erzählen – und echtes Leben vortäuschen. Ohne künstlichen Vintage-Effekt sind sie eigentlich unverkäuflich. Den Used- oder Destroyed-Look machen viel Wasser und Chemie möglich und sorgen für eine schlechte Ökobilanz. Rund 7.000 Liter werden benötigt für eine herkömmliche Jeans. Das ist zurückhaltend geschätzt, denn bereits der Anbau der Baumwolle schluckt immens viel Wasser. Von den Färbebädern in der Fertigung ganz zu schweigen.

 

Grund genug sich anzusehen, was hinter der neuen “Conscious Denim”-Kollektion von H&M steckt, die unter dem Motto “Go green – wear blue” IMG_20141004_122304seit einigen Tagen weltweit in den Läden hängt. Dachte ich jedenfalls, als ich erwartungsvoll in der Haupteinkaufsstraße von Athen den H&M-Flagshipstore betrat. Pustekuchen. Die IMG_20141004_122323Conscious-Kunden vermutet H&M wohl eher woanders. In Hamburg bin ich dagegen sofort fündig geworden, obwohl die kleinen Größen schon nahezu alle ausverkauft waren. Der Andrang war unglaublich groß, kaum einer war in der Umkleidekabine ohne einen Jeans-Overall, eine Reiterhosen-Jeans oder ein gesteppte Jeans-Bomberjacke aus der Kollektion.  In der Herrenabteilung sah es ähnlich aus, bei Preisen um 39 Euro für Jeans oder Jacke oder Rock kein Wunder.

Alle Teile kommen in satten tiefblauen Indigo-Tönen daher, sind aus Biobaumwolle, recycelter Baumwolle (aus der H&M-Sammelaktion/bis 20Prozent-Recyclinganteil) oder Tencel. Der Jeans-Jumpsuit aus dem seidig fallenden Tencel wirkt deshalb so wenig jeansig, dass ich ihn sofort wieder weg gehängt habe, bei den Jeans hing mir der Schritt viel zu tief zwischen den Knien und der Mantel ohne Knöpfe, nur mit Gürtel changiert so ein bisschen zwischen Darth-Vader-Look und Bademantel (siehe Bild oben).

Aber bevor ich mich wieder weiter so anhöre wie das gestrenge Fräulein Rottenmeier aus “Heidi” – das Jeanshemd, die lange Strickjacke und der gesteppte Blouson sind top, ebenso wie die Herren-Jacke im Worker-Style. Schließlich waren Jeans mal robuste Arbeiterkleidung, bevor ihnen dann die Langlebigkeit und die Funktionalität abhanden kam und sie zum Fast-Fashion-Item wurden.

 

Aber was ist nun öko an der Kollektion außer den Rohstoffen? H&M hat mit den Waschungen experimentiert und bei der Wahl des Partners gutes Gespür bewiesen, denn sie kooperieren mit dem spanischen Denim-Spezialisten Jeanologia – Vorreiter der Entwicklung von natürlicheren Wasch- und Finishing-Techniken wie Ozonbleiche oder Lasertechnologie. H&M gibt an, 56 Prozent weniger Wasser und 58 Prozent weniger Energie als bei anderen Jeans gebraucht zu haben. Jeanologia selber spricht bei einer Ladung von 100 Kilogramm in einer Ozonmaschine (sieht aus wie eine riesige Waschmaschine) von bis zu 62 Prozent weniger Energie, 67 Prozent weniger Wasser und 85 Prozent weniger Chemikalien. Das ist wichtig, denn gebleicht wird sonst mit ätzendem Chemikalien wie Chlor und zusätzlich hochgiftiges Kaliumpermanganat aufgesprüht. Einige von euch haben vielleicht kürzlich bei der Talkshow “Hart, aber fair” zugeschaut. Der Einspieler mit den Bildern aus den Jeansfabriken in China hat mich wirklich erschreckt (ansonsten reißen diese Einspieler jede gerade gestartete Diskussion aus einander!). Für die Conscious-Kollektion hat H&M Ozonbleiche ausprobiert, Lasertechnik nicht. Dennoch sind die Jeans ein Fortschritt in puncto Ökologie, denn die Waschungen sind kritischer Punkt auch bei anderen Ökojeans.

Wer eine Jeans-Kollektion sehen will, die gewünschte Optiken mit Laser herstellt, kann jetzt zu Hess Natur gehen. Marina Chahboune, CSR-Managerin und Jeans-Spezialistin der Butzbacher Ökofirma hat ihre erste Kollektion im Laden hängen, in der Muster mit Laser ins Beinkleid gebrannt wurden. Die Jeans für über 100 Euro habe ich gekauft, weil parallel auf faire Arbeitsbedingungen geachtet wurden. Denn eine Ökojeans, die ein Maximum an Ökologie bietet, aber nur ein Minimum an Ethik, ist eigentlich Etikettenschwindel. Die Jeans habe ich auch bei “Hart, aber fair” getragen – aber mich dann doch nicht getraut auf dem Tisch zu tanzen, damit man sie sieht……

Marina wird es mir verzeihen.  Marina, die selbst bloggt - auch bei uns auf Grüne Mode, hat mich zudem heldinnenhaft bei einem Artikel beraten, der im aktuellen Männer-Magazin “Manual” IMG_20141004_122818von Gruner&Jahr erschienen ist und die dunklen Seiten des Denim beschreibt. Schwerpunkt des Heftes ist Jeans-Produktion.

Außer am Kiosk gibt es das Magazin gratis in der Herren-Abteilung von H&M (an der Kasse), denn H&M hat zum Start ihrer Conscious-Kollektion einen Teil der Auflage gekauft. Guckt doch mal rein und schreibt, was ihr vom Jeans-Schwerpunkt haltet.

Zu guter Letzt noch ein Hinweis in eigener Sache: Wir arbeiten an einer internationalen Laden-Liste. Deutschland, Österreich und Schweiz haben wir komplett, nun weiten wir unsere Recherche aus. Wer Tipps hat, was wir aufnehmen sollten, kann sich gerne bei uns melden.

 

 

     
 Kirsten   Kirsten Brodde, Blog-Gründerin und Autorin von "Saubere Sachen", hat das Thema Ökomode quasi aus dem Nichts entwickelt. Sie arbeitet als Detox- Campaignerin bei Greenpeace Deutschland.

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Immer häufiger sind grüne Modemarken auch in konventionellen Modehäusern und -boutiquen zu finden. Das ist schön, denn so erreicht die grüne Mode auch solche Kund_innen, die nicht gezielt danach suchen. Mit einer ernsthaften Umorientierung zu ethischerem Unternehmertum hat dieses Angebot allerdings oft genauso wenig zu tun, wie bei den Bio-Produkten im Discounter oder Markensupermarkt. Es geht vor allem darum, einfach allen relevanten Konsument_innentypen etwas zu bieten und ein bisschen vom postiven Image grüner Produkte zu profitieren.

Und so erzeugen die grünen Modelabels in nicht wenigen konventionellen Läden und Onlineshops ähnliche Widersprüche wie die, die wir bei Bio- und Fairtrade-Lebensmitteln auch schon in Bezug auf Discounter und Supermärkte diskutiert haben. Ist es sinnvoll ein fair hergestelltes Hemd bei einem Händler zu kaufen, der den Hauptumsatz weiterhin mit Kleidung macht, bei deren Herstellung Menschen und Umwelt ausgebeutet und vergiftet wurden? Ist es überhaupt noch ein fairer Einkauf, wenn das Einzelhandelsunternehmen sein eigenes Personal alles andere als fair behandelt?

Immer wenn ich in den letzten Jahren Verkäufer_innen aus konventionellen Textilläden kennen gelernt habe, habe ich versucht etwas über ihre Arbeitsbedingungen zu erfahren. Die Ergebnisse dieser Recherche bestätigen, was auch in Foren, aber bisher selten auf Mode-Blogs oder in Mode-Printmedien diskutiert wird. Tariflohn wird nur äußerst selten gezahlt. Meist wird auch der anvisierte Mindestlohn von 8,50 deutlich unterschritten. Löhne um die 7 euro sind selbst im finanziell nicht schlecht gestellten Münster keine Seltenheit.

Insbesondere in großen Modehäusern kommt dazu noch ein permanenter Druck möglichst viel zu verkaufen, egal ob Kund_innen einen Bedarf äussern oder nicht. Die Umsätze der Mitarbeiter_innen werden in Zeiten digitaler Kassen in der Regel seperat erfasst. Hohe Umsätze werden teils mit Provisionen belohnt. Es werden Rankings der Mitarbeiter_innen geführt. Den letztplatzierten blühen oft unangenehme Gespräche.
Für das Arbeitsklima ist diese Konstellation natürlich Gift. Es entsteht eine Konkurrenzsituation in der Verkäufer_innen nicht selten versuchen sich untereinander Kund_innen und Umsätze wegzuschnappen. Teils um das magere Einkommen aufzustocken, teils auch aus Sorge um den Arbeitsplatz. Verkäufer_innen sind oft nicht unbefristet angestellt.

Auch ökologisch ist die umsatzmaximierende Verkaufspolitik mehr als bedenklich. In Schulungen wird gelehrt, dass Kund_innen möglichst nie mit einem einzelnen Produkt, sondern immer mit einem ganzen neuen Outfit den Laden verlassen sollten. Übervolle Kleiderschränke und ungeplante Käufe nicht benötigter Kleidungsstücke werden auch durch diese verbreitete Praxis befördert.

Dass es auch anders geht und auch auf der Ebene des Einzelhandels nachhaltiges Unternehmertum einen Unterschied macht, beweisen grüne Conceptstores mit oft großem Engagement. Schon früh haben sich z.b. die Händler aus dem Korrekte Klamotten Netzwerk über Mitarbeitermindestlöhne, ökologische Energievorsorgung, ethisches Banking und nachhaltiger Ladeneinrichtung verständigt. Für grüne Ladenbetreiber_innen sind diese Themen meist selbstverständlich. Es ist am Ende eben auch eine Frage der Prioritäten, ob zu Gunsten ethischer Ziele höhere Kosten in Kauf genommen werden oder alles dem Maximalgewinn untergeordnet wird.

Wie gesagt: ich freue mich über faire und ökologische Produkte in konventionellen Läden. Egal ob Bio-Möhre, Fairtrade-Kaffee oder korrekte Jeans. Trotzdem kaufe ich alles 3 aber lieber in Läden, in denen organic und fair nicht nur das Sortiment erweitern, sondern als Werte im gesamten Unternehmen gelebt werden.

Allen, die sich fair einkleiden wollen, empfehle ich daher immer wieder einen Blick auf die Grüne Liste “Ethical Fashion Concept Stores”, die sich in den letzten Jahren stetig verlängert hat. Wer jedoch für seine Stadt noch immer nicht fündig wird, sollte ruhig mal in konventionellen Läden nach fairer und ökologischer Kleidung fragen. Zumindest einige größere Labels dringen inzwischen auch in kleinere Städte vor. Und wer sich traut kann sich ja auch mal nach Löhnen und Verkaufspolitik beim Händler erkundigen. Kritischer Konsum wird relevanter. Vielleicht ist das auch eine Chance für mehr Fairness und nachhaltigeres Unternehmensverhalten im Einzelhandel selbst.

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die Gruene Wiese in Münster - einen der größten Ethical Fashion Stores in Deutschland. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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(Direkt zur neuen grünen Ladenliste? hier lang!)

Die letzte große Listen-Aktualisierung liegt schon fast 1 Jahr zurück und es ist einiges passiert. Kiss the Inuit hat neben dem Stammladen in Köln nun einen zweiten Laden in Bonn eröffnet. Supermarché bietet in Berlin ebenfalls in einem zweiten Laden nun erheblich mehr Auswahl und das ganz in der Nähe von Bio-Fastfood-Pionier Yellow Sunshine. Also wie gemacht für eine grüne Shoppingtour.

4 (bald) 5 Läden haben leider wieder geschlossen, davon 2 (bald 3) Atelierläden von Berliner Labels sowie 2 Multibrandstores, 1 x Jena und 1 x Hamburg. Noch bis zum 20.9. macht Slowmo in Berlin an der Libauer Straße 16 einen Super-Sonder-SALE zur Räumung des Ladenlokals. Beste Gelegenheit ein Teil der Slowfashion-Pionier_innen zum Vorzugspreis zu ergattern. Also hin da, lieber Berliner_innen und Berlinbesucher_innen. (und keine Sorge: das Label Slowmo gibts auch weiterhin!).

Dass die Liste insgesamt trotzdem wieder länger geworden ist, liegt vor allem daran, dass mehrere Labels erste Flagshipstores eröffnet haben. Das vegane Avantgarde-Label Umasan (Foto oben links) ist nun neben dem Store in Berlin Mitte auch noch in der Concept-Mall Bikini in Berlin West zu finden. Dort findet ihr derzeit auch noch den Kleidungsladen in einer der Bikini Boxes. Das sind aus rohem Holz gefertigte Verkaufsboxen in die sich Läden und Labels temporär einmieten können.

Ebenfalls einen Flagship-Store in Berlin hat nun auch das Streetwear-Brand Bleed Clothing (Foto oben rechts). In Friedrichshain präsentiert Bleed seine Kollektion mit einem Shop-in-Shop beim Blackriver Fingerboardshop. Die Eröffnungsparty während der Sommer-FashionWeek hat auf jeden Fall gerockt. Unbedingt auch die abgefahrenen Fingerboardparks in den hinteren Räumen und im Keller anschauen!

In Düsseldorf ist Wunderwerk (Foto unten links) seit einigen Wochen mit einem eigenen Laden in Flingern vertreten. Direkt am Sitz des Labels wird die Kollektion nun in ihrer ganzen Breite präsentiert.

Und zum Schluss wieder zurück nach Bonn. Schon 2013 eröffnete Alma&Lovis dort einen Flagshipstore (Foto unten rechts). Der war uns wohl bei der letzten Aktualisierung entgangen, ist ab sofort auch auf der Liste und ein Besuch unbedingt empfohlen.

Bitte beachtet auch die geänderten Öffnungszeiten sowie einige durch Umzug veränderte Adressen. Viel Spaß beim grünen Kleiderkauf!

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die Gruene Wiese in Münster - einen der größten Ethical Fashion Stores in Deutschland. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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23 Aug, 2014

Discovering Innatex 35

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Fotos: INNATEX / Peter Porst www.peterporst.com

Über 240 Aussteller aus 16 Ländern präsentierten sich auf der Innatex 35. Was Modemessen angeht, bin ich ja ein absoluter Neuling und war deswegen besonders gespannt auf Europas (wenn nicht sogar, wie teilweise vermutet, die weltweit) größte internationale Fachmesse für nachhaltige Textilien. Die dem Besuch vorausgegangen Befürchtungen etwas orientierungslos durch die beiden Hallen zu laufen waren schnell verflogen, da mir der Presseausweis doch recht umfangreiche Betreuung von Organisator_innen und Aussteller_innen zugleich sicherstellte.

So war man in der Presselounge sehr offen für meine Fragen, auch wenn diese wohl recht ungewöhnlich waren: „Sind die Models bei euren Shows zertifiziert oder gewerkschaftlich organisiert?“ oder „Gibt es Labels, die sich dezidiert politisch oder aktivistisch engagieren, zum Beispiel im Gender-Bereich? – beides Fragen, die mir nicht spontan beantwortet werden konnten. Erstere führte darüber hinaus dazu, dass alle, die in die Presse-Lounge kamen gefragt wurden, ob es Bio-Models gebe und ich sofort den Ruf weg hatte komische und/oder schwere Fragen zu stellen. Aufgeworfen hat diese Fragen bei mir meine jüngste Lektüre, die ich hier bald vorstellen werde.

Nach einer kurzen Vorstellung der diesjährigen ‚Design Discoveries‘ war ich dann auch bereit mich gut informiert in die Ausstellungshallen zu begeben. Zunächst interessierte mich Halle 2 mit überwiegend neuen, jungen Labels, wie Knowledge Cotton, Armedangels, Recolution usw. Das im Voraus so angepriesene neue Ausstellungkonzept hat mich jetzt nicht umgehauen, wobei ich auch nicht wirkliche Vergleichspunkte habe, dennoch hat man einen super Eindruck von den Kollektionen bekommen und trotz anzusehender Müdigkeit nach drei Messetagen, waren alle aufgeschlossen und ebenso offen für meine Fragen. Da ich die etablierteren Labels fast alle bereits kannte, interessierten mich besonders die Design Discoveries. Drei von den sechs gekührten Labels fand ich besonders spannend: Modische ‚Politische Prints’ von Anagram, ‚High Fashion Re- und Upcycling‘ von Luxaa und die ‚Do it yourself-Schuhe’ von Comake.

 

Als neues Hamburger Label schafft Anagram es IMG_2694politische Messages modisch und einfallsreich zu verpacken. Neben Umweltschutz und sozialer Gerechtigkeit stehen für kommenden Sommer Aufdrucke zur Auswahl die sich zum Beispiel gegen Jagd einsetzen oder das androgyne Model Andrej Pejic zeigen. Eigentlich gar kein großer Fan von Printshirts fand ich die Motive und die dazugehörigen Sprüche sehr einfallsreich. Mal schauen was man sonst noch so hört in den nächsten Jahren. Modisch wirkt die Kollektion eher basic, macht aber einen runden Eindruck, die Prints sind, wie gesagt, top und ein Hingucker!

 

 

Sofort zur Lieblingsmarke geworden schafft es Luxaa re- und upcycling auf einem hohen Niveau zu präsentieren. Auch wenn es reine Frauenkollektionen sind, war ich sofort begeistert. Gespannt war ich auf die Haptik des wie Papier wirkenden Wundermaterials Tyvek, einem recycelbaren Polyethylen Vliesstoff, der problemlos bei 90° gewaschen und bis zu fünf mal recycled werden kann bevor es entsorgt oder für andere Produkte weiterverwertet werden kann. Das Material fühlt sich ganz glatt an und ist federleicht. Besonders die Taschen aus geschredderten Leder haben es mir angetan, (würde ich auch tragen, liegen preislich jedoch etwas über meine Studentenbudget). Luxaa ist ein wunderbares Beispiel wie sich Technik und Mode verbinden lassen, ökig ist an dieser eleganten Kollektion rein gar nichts.

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Comake laden mit ihrem Schuh zum Selberbauen dazu ein mal zu spüren, wie aufwändig es ist einen guten Schuh zu produzieren. Zunächst hatte ich ehrlich gesagt einige Befürchtungen wie das wohl aussehen würde, war dann aber positiv überrascht und sofort begeistert. Zwei bis drei Stunden dauert es wohl beide Schuhe zusammen zu nähen. Hier sind die beiden Gründer auch ganz im Geist der Zeit wo Aktivist_innen und Autor_innen wie Tansy Hoskins aus Großbritannien in ihrem kürzlich erschiennen Buch ‚Stiched Up, the Anticapitalist Book of Fashion‘, genau diese Einbindung und Überschneidung von Produzent_innen und Konsument_innen fordern. Toll sind auch liebevolle Details, wie die auf die Sohle prägnierte Stadtkarte von Weimar wo die Idee für die Schuhe herkommen.

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Abschließend ziehe ich ein positives Fazit von meinem ersten Messebesuch. Leider konnte ich nicht bei den Catwalks, Fachforen und der Party dabei sein, die laut mehreren Austeller_innen wirklich toll und kommunikativ gewesen sein müssen. Da ich ja generell gar keine Ahnung hatte, was mich auf einer solchen Messe hätte erwarten können, schien mir der Aufbau und die Art der Präsentation in beiden Halle sinnvoll und einleuchtend. Die Design Discoveries waren darüber hinaus eine tolle Möglichkeit auch neue Labels kennen zu lernen, die einem vielleicht nicht direkt aufgefallen wären, neben den vielen etablierteren Labels – hier war es super zu sehen, dass es in einer noch immer recht kleinen Branche bereits so viele starke Marken gibt, die tolle Mode produzieren.

     
 Michael Pollok   Michael Pollok ist seit Januar 2012 Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Internationale Beziehungen und Nachhaltige Entwicklung am Institut für Politikwissenschaft Münster und interessiert sich für Perspektiven einer nachhaltigen Politischen Ökonomie von Mode. Er macht derzeit ein Praktikum bei gruene wiese in Münster.

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Zum ersten Mal landete ich während der diesjährigen Fashion Week Berlin im Magazin der Heeresbäckerei. Grund hierfür waren meine Lieblinge P|AGE sowie Benu Berlin, die beide am späten Nachmittag ihre Schauen auf dem Showfloor Berlin hatten. 

P|AGE | Showfloor Berlin 2014 | Foto: Marko BerholzP|AGE | Showfloor Berlin 2014 | Foto: Marko Berholz

Obwohl noch ein junges Label, hat P|AGE eine eigene Handschrift und einen Wiedererkennungswert. Die beiden Schwestern Ania und Iwona Pilch zeigten in ihrer Schau eine wunderbare Bandbreite an Farben und Formen. Haarbänder wurden zu hochgeschlossenen Blusen und Shirts kombiniert. Sommerliches in drei verschiedenen Erdtönen wurden präsentiert, kontrastiert von sattem Orange und Pink. Mein persönlicher Favorit allerdings, fernab der sonstigen weiblichen Linie der Schwestern, war allerdings die College Jacke mit – so sah es zumindest von meinem Tribünenplatz aus – Meteoriten-Allover-Print in schwarz-weiß. Alltagstauglicher Fashion-Knaller.

Benu Berlin | Showfloor Berlin 2014 | Foto: Marko BerholzBenu Berlin | Showfloor Berlin 2014 | Foto: Marko Berholz

Martialisch ging es dann direkt mit Benu Berlin weiter. Karen Jessen, Anna Bach und Luis C. Zuniga zeigten ihre Frühjahr/Sommer 2015 Upcycling-Kollektion, die auf Leder und Armeemode setzt. Auf Tops und Kleider, die aus einem Netz aus vernieteten Lederriemen bestehen. Von der Musik untermalt dominierte Camouflage sowie der klassische Armeeprint. Abgerundet wurden die aufwendigen Kollektionsstücke mit Gürteln und Ketten. Statement-Mode, nicht für jede Frau und schon gar nicht für jeden Anlass. Gewöhnlich ist anders. Das Publikum gutierte diesen Mut mit lautem Applaus. Chapeau.

Fotos: Marko Berkholz für Showfloor Berlin

     
 Alf-Tobias Zahn   Alf-Tobias Zahn führt mit seiner Initiative Designmob Kinder und Jugendliche spielerisch an das Thema "öko-faire Mode" heran und schreibt als freier Modejournalist über "Grüne Mode" für Groß und Klein, unter anderem für das Berliner Blogazine Kalinka.Kalinka und seinen eigenen Blog www.grossvrtig.de.

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01 Aug, 2014

Berlin geht steil

In den wenigen Monaten seit meinem Artikel über Neueröffnungen von Eco-Stores in Berlin hat sich in der Hauptstadt schon wieder so einiges getan. Zeit für ein Update. Daher habe ich nach der Fashion Week noch zwei Tage in Berlin dran gehängt um das neue Laden-Angebot mal genauer zu begutachten.

Gestartet habe ich meine Tour bei Miwai, dem Laden der Schauspielerin Inez Bjørg David, die auch die diesmalige Eröffnungsrede der Ethical Fashion Show gehalten hat. Der vor gut zwei Monaten eröffnete Store in der Sredzkistr. 6 direkt gegenüber der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg liegt im Souterrain eines Wohnhauses. Mehrere Stufen führen hinunter in den kleinen Laden (geschätzte 40 m²), der trotz des wenigen Platzes eine Sortimentsvielfalt von menswear, womenswear, Baby bis Kleinkind führt. Die Auswahl-Vielfalt deckt mit Brands wie Leibschneider, Kami, Luxaa, Monkee Genes, Keregan, Alma & Lovis, Komodo und Les racines du ciel ganz unterschiedliche Stilrichtungen ab. In der „Pop-Up“-Ecke werden im monatlichen Wechsel Labels präsentiert. In Zukunft sollen auch regelmäßig am Wochenende Flohmärkte mit Sales-Produkten stattfinden. Der Großteil des Sortiments ist auch online erhältlich.

Eco Store Miwai in Berlin

Weiter gehts in die seit April eröffnete Concept-Mall Bikini Berlin direkt am Zoologischen Garten. Das Konzept definiert den Begriff Shopping-Mall ganz neu: Große Modeketten wie H&M findet man hier nicht, dafür innovative Labels, Jungdesigner, Kunst und Interieur. Im Untergeschoß befinden sich die sogenannten Bikini Berlin Boxes – das sind 19-39 m² große Modulsysteme aus Holz in sehr minimalistischem Design, die für drei bis maximal zwölf Monate gemietet werden können. Gleich in zwei der neunzehn Boxen wird grüne Mode verkauft: Bei Kleidungsladen.de und Glamory Pharmacy. Kleidungsladen.de ist eventuell dem ein oder anderen schon durch den seit 2011 bestehenden Online-Shop oder den Läden in Siegsdorf am Chiemsee und Passau (der leider im letzten Jahr dem Hochwasser zum Opfer gefallen ist) bekannt. Das Sortiment ist mit Labels wie Treches, ekn footwear, Misericordia, Knowledge Cotton Apparel und Lalesso eher streetwear-lastig. Glamoury Pharmacy ist ein Pop-Up Shop der gleichnamigen Berliner Lifestyle-Beratung. Ein Großteil des Sortiments stellen grüne Premium Fashion Labels wie Anne Gorke, Kami und Langer Chen.

Kleidungsladen.de im Bikini Berlin Pop-Up Ecke im Miwai in Berlin

Der Concept-Store für Mode, Interieur und Kunst LNFA (Live Networking for Fashion & Art) im ersten Obergeschoss präsentiert Berliner Jungdesigner, darunter auch Alex Kurkowski, Ewa Herzog, Format und Tatjana Prijmak. In der Ladenzeile auf der begrünten Dachterasse hat sich das erfolgreiche, vegane High Fashion Label Umasan eingemietet. Ziemlich viele Gründe also das Bikini Berlin mal zu Besuchen.

Glamoury Pharmacy im Bikini Berlin

Auch aus dem Kreuzberger Kiez gibt’s Neues zu berichten: Supermarché hat Ende Juni ganz in der Nähe des bisherigen Standorts eine zweite Filiale eröffnet (Wienerstr. 16). Auf über 100 m² gibt es nun zusätzlich fair produzierte Mode und andere Produkte. Direkt daneben hat das Atelier Akeef – Berlins erster „Ecological & Sustainable Lifestyle Store For Men’s Fashion“ (mein Bericht zur Eröffnung des Stores) – einen temporären Showroom.

Leider nicht mehr geschafft habe ich es zu dem gemeinsamen Shop von Bleed organic clothing und dem Fingerboard-Hersteller Blackriver in der Boxhagener Str. 14. Aber wie mir berichtet wurde hat die Eröffnungsfeier zur Berliner Fashion Week ordentlich gerockt.
Das Upcycling Label für Second-Hand-Sportswear Wilfried Pletzinger hat in der Reinhardtstraße 6 ein neues Zuhause gefunden und auch für Vintage-Liebhaber gibt es zwei tolle neue Adressen: The Good Store (Pannierstr. 31) und ReFAsh (Lichtenraderstr. 49). Letztere bieten nicht nur einiges an Rahmenprogramm wie Upcycling-Workshops und Kleidertausch-Partys, sondern haben auch einen echt stylischen Online-Shop!

Weiter so Berlin, mal sehen was bis zum nächsten Besuch alles dazu kommt.

Dieser Artikel erscheint zeitgleich als Cross-Post auf Marinas Blog Beyond Fashion.

LNFA im Bikini Berlin

     
 Chahboune   Marina Chahboune ist Modedesignerin und Blog-Gründerin von Beyond Fashion. Sie arbeitet als Projekt Managerin Corporate Responsibility bei Hessnatur. Ihre Masterarbeit schrieb sie im Rahmen des Studienganges „Sustainability in Fashion" über Optimierungsmöglichkeiten in der Jeansproduktion.

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Foto: Premium Exhibition (Dorothea Tuch)

 

Auf der Premium hatte ich viel zu wenig Zeit und habe daher nur drei Labels anschauen können. Armedangels setzt die Entwicklung der beiden letzten Saisons fort. Die Damenkollektion wird deutlich modischer und weniger sportlich. Raffinierte Schnittführungen plus feine Tencel- sowie Modal-Edelweiß-Stoffe ergeben schöne sommerliche Kleider, Blusen und Tops von bürotauglich bis cluborientiert. Die luftigleichten, teiweilse transparenten Stoffe füllen eine Lücke in der grünen Damenmode, in der solche Teile bisher nur aus Seide und damit sowohl hochpreisiger als auch nicht vegan möglich waren. Neben feinen floralen Mustern (siehe Foto rechts) sind auch viele einfarbige Varianten dabei. Bedruckte Leinen-Baumwolljerseys sind eine weitere tolle Sommerqualität. Bei den Jungs bleibt es etwas sportlicher, aber auch hier mit fashionorientierten Mustern und schönem neuen Feinstrick.

Weiter zu Wunderwerk. Die Düsseldorfer eröffnen am Wochenende ihren ersten eigenen Laden. Natürlich in Düsseldorf und zwar in Flingern in der Ackerstraße 133. Auf der Premiumwunderwerk_sweater-mit-spitze präsentierten sie sich direkt am Hauptgang (im Foto oben vorne rechts). Sehr gefreut habe ich mich, dass es Heiko Wunder gelungen ist, nun auch die Spitze, die sie schon in diesem Sommer bei einigen Sweatern als Besatz eingesetzt haben, in Organic zu bekommen. Bei Kleidern und Blusentops setzt auch Wunderwerk stark auf Tencel- und Modal-Edelweißqualitäten. Sehr gut gefallen haben mir auch verschiedene Fein- und Grobstrickpullover sowie die cleanen Blusen und Hemden mit modernem und bürotauglichem Schnitt.

Kurz vor Tagesschluss habe ich dann auch noch einen Blick auf Les Racines du Ciel erhaschen lesracines_leinenstrickkönnen. Auch deren Kollektion ist deutlich größer und Variantenreicher geworden. Wie gehabt gibt es sehr edle Jerseykleider und Tops, darunter eines mit Wasserfallausschnitt, das sich schon seit mehreren Saisons sehr großer Beliebtheit bei vielen Kundinnen erfreut. Neu sind mehrere Leinenkleider mit gewohnt klarer, femininer Schnittführung. Wunderbar für heiße Sommer wie diesen ist der luftige Leinenstrick, den es als Top, Kleid, Pullover und Cardigan gibt.

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Bereits zum 10. Mal luden Innatex, Ethical Fashion Show und Green Showroom gemeinsam zum großen Branchen-Networking ins Umspannwerk Kreuzberg. Trotz Fußball war die GreenLounge wieder sehr gut Besucht. Über 500 Gäste – darunter Designer, Textilproduzenten, Label- und Shop-Inhaber, Vertreter von NGOs und Politik – feierten bei öko-fairen Drinks und italienischen Bio-Spezialitäten bis weit in die Nacht. Jede Menge Fotos zum Event findet ihr hier.

Obwohl ich volle 3 Tage in Berlin war, habe ich sehr viele grüne Labels nicht besuchen können. Ich war nicht im Green Showroom und auch weder auf der Panorama noch auf der Show&Order, wo ebenfalls einige grüne Labels ausgestellt haben (siehe auch unser FashionWeek Green Guide). Ein ganz besonders spannendes Projekt aus dem Green Showroom stellt Marina Chaboune euch auf ihrem eigenen Blog “Beyond Fashion” vor.

Es gibt einfach zu viele Messen und sie sind zu weit verstreut. Aber die Berliner Messelandschaft ist im Wandel. Das hat sicher auch etwas mit dem Wandel der Textilwirtschaft zu tun. Viele Big Brands von der Bread&Butter setzen inzwischen stark auf eigene Stores sowie eigenen Onlinevertrieb. Das macht sie für Einzelhändler weniger attraktiv und ist vielleicht ein Grund, warum diese nicht mehr in Massen in den Tempelhof strömten. Schön zu sehen, dass die grünen Messen dagegen an Anziehungskraft gewinnen. Für die nächste FashionWeek wünsche ich mir noch mehr grüne Labels an einem Ort. Da soll ja im Januar 2015 so ein ehemaliger Flughafen frei sein…

     
 Lars Wittenbrink   Lars Wittenbrink schrieb seine Masterarbeit über Nachhaltigkeitspotentiale der Outdoorbranche. Er führt mit Simone Pleus die Gruene Wiese in Münster - einen der größten Ethical Fashion Stores in Deutschland. Wandelndes Ökomode-Lexikon und Chefredakteur des Blogs.

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